vergrößernverkleinern
Der Ausfall einer Flutlichtanlage ist in der WM-Geschichte ein Novum © getty

Im Spiel Kanada gegen Nigeria wird es in 72. Minute finster. Die Fans nehmen den Stromausfall mit Humor, die Kanadierinnen nicht.

Dresden - Als die Lichter im Rudolf-Harbig-Stadion urplötzlich erloschen, zeigte das Dresdener Publikum feinen Sinn für Humor:

"Dynamo, Dynamo"-Sprechchöre donnerten durch die WM-Arena.

Doch die Besucher der Begegnung zwischen den Fußballerinnen aus Kanada und Nigeria (BERICHT: Nigeria verabschiedet sich mit Sieg) feuerten nicht den heimischen Zweitligisten an, sondern forderten nur eins - Strom.

Ein sogenannter "Netzwischer" hatte in der 72. Minute das Flutlicht ausfallen lassen und zu einer elfminütigen Spielunterbrechung geführt.

Kurzschluss zum denkbar schlechten Zeitpunkt

Die ganze Nacht suchten die Verantwortlichen den peinlichen Fehler.

"Am Dienstagabend hat es gegen 22.09 Uhr einen Kurzschluss in einem Umspannwerk im Stadtteil Johannstadt gegeben. Davon war auch das Stadion betroffen", sagte Gerlind Ostmann, Sprecherin des städtischen Stromversorgers DREWAG:

"Dass das ausgerechnet während des Spiels passiert ist, ist natürlich unschön. Normalerweise hat so etwas nicht solche Folgen."

Das Auftreten dieses technischen Problems sei, sagte Ostmann, "eher die Ausnahme".

"Netzwischer" war schuld

Zunächst war angenommen worden, dass ein Fehler innerhalb des Stadions den Stromausfall herbeigeführt hätte, ehe die Techniker einen Hinweis auf den "Netzwischer" erhielten.

Von diesem sei das Notstromaggregat im Rudolf-Harbig-Stadion "irritiert" gewesen und habe das Flutlicht abgeschaltet, sagte Winfried Naß, OK-Verantwortlicher für die Ausrüstung der WM-Stadien (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Warum das Notstromaggregat die Beleuchtung nicht sofort wieder hochgefahren habe, müsse noch geprüft werden. Am Sonntag findet in Dresden als letztes Spiel in der sächsischen Landeshauptstadt ein Viertelfinale statt.

Gegentreffer nach Wiederanpfiff

Schon direkt nach dem Spiel hatte sich Naß bei allen Zuschauern und den Spielerinnen entschuldigt.

"Dieser Fehler ist neu und bisher noch nie aufgetreten. Ich arbeite seit Jahren bei Sportveranstaltungen, aber sowas ist mir nicht bekannt", hatte er sichtlich zerknirscht bekennen müssen.

Vor allem die Kanadierinnen kamen mit der unfreiwilligen Pause nicht zurecht. Wenige Sekunden nach dem Wiederanpfiff nutzte Perpetua Nkwocha die Konfusion in der Hintermannschaft der Nordamerikanerinnen und erzielte den entscheidenden Treffer.

Morace: Keine Aurede

"Ja, das hatte Einfluss auf mein Team", sagte die sonst so direkte kanadische Trainer Carolina Morace, nachdem sie deutlich spürbar um eine diplomatische Antwort auf die entsprechende Frage gerungen hatte:

"Aber das könnte jetzt natürlich auch wieder als eine Ausrede aufgefasst werden, denn auch Nigeria musste mit der Situation umgehen."

Jedoch habe der Stromausfall ihr Team "abgelenkt", die Spannung bei ihren Spielerinnen sei abgefallen: "Das Tor zu diesem Zeitpunkt zu kassieren, war schon hart."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel