vergrößernverkleinern
Birgit Prinz (l.) spielt seit 1994 in der Nationalelf und gewann bislang zwei WM-Titel © getty

Prinz muss befürchten, am Ende ihrer Karriere für das Team zur Last zu werden. Die Kolleginnen suchen nach tröstenden Worten.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Mönchengladbach/Wolfsburg - Die Rüge, die dem DFB wegen ihr droht, dürfte Birgit Prinz reichlich egal sein.

Als einzige Spielerin ließ sie am Dienstagabend nach dem 4:2-Sieg über Frankreich (Nachbericht: Neustart ohne Prinz) die "Mixed Zone" aus und stieg direkt in den quietschorangenen Teambus.

Dabei ist das Durchqueren der wenigen Meter, in der die Reporter Fragen an die Spielerinnen stellen dürfen, von der FIFA so vorgesehene Pflichtübung.

Und Erklärungen zu ihrer wenig erquicklichen Lage hätte die Rekordnationalspielerin ohnehin nicht abgegeben.

Wie geht es weiter?

Nach zwei schwachen Leistungen hatte sie Bundestrainerin Silvia Neid nicht aufgestellt und auch nicht eingewechselt, letzteres wohl um der 33-Jährigen weiteren Kummer zu ersparen.

Die große Frage, die das Team nun bis zum Ende der Weltmeisterschaft begleiten wird, lautet: Wie kann Deutschlands größte Begabung im Frauenfußball ein würdiges Karriere-Ende im Nationalteam erhalten?

Und wie geht das, ohne dass die Mannschaft oder der so sehnlich herbeigewünschte Erfolg leidet?

"Birgit hat sich über die Tore gefreut"

"Wir sind ein Team. Birgit hat sich über die Tore genauso gefreut wie alle anderen auch", bemühte sich Silvia Neid um eine positive Deutung der jüngsten Entwicklung.

Und die Bundestrainerin fügte hinzu: "Ob Birgit im nächsten Spiel dabei sein wird, werden wir sehen. Sie war in den letzten Tagen schon sehr viel befreiter. Ich bin mir sicher, dass wir noch viel von ihr sehen werden."

[image id="6cf529b2-6473-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

So ein Satz könnte bedeuten, dass Prinz sogar noch auf Einsätze von Anfang hoffen darf.

Grings und Okoyino da Mbabi erscheinen gesetzt

Doch mit Blick auf die Leistung scheint es im Moment unrealistisch, dass sie an Inka Grings oder Celia Okoyino da Mbabi vorbeikommt (426775DIASHOW: Einzelkritik).

Grings besorgte bei ihrem ersten WM-Einsatz von Beginn an gleich einen Doppelpack und Jungspund Okyoino da Mbabi war bisher in allen Spielen eine der stärksten Offensivarbeiterinnen.

Auch die 23-Jährige hat schon zwei Treffer auf ihrem Konto.

Einen Denkmalschutz für Prinz würden die Mitspielerinnen - trotz allen Respekts - nicht verstehen.

[kaltura id="0_ftrvn8ie" class="full_size" title="Grings stellt Prinz ins Abseits"]

Mental nicht bereit zu spielen

"Wir standen in regen Kontakt, haben jeden Tag gesprochen", berichtete Neid den Journalisten.

Prinz hatte die Bundestrainerin auch wissen lassen, dass sie sich mental nicht in der Lage fühlte, von Anfang an zu spielen - was Neid auch öffentlich machte (EINWURF: Prinz lässt Neid im Regen stehen).

Ob das im Sinne der studierten Psychologin Prinz waren, ist offen. Die Teamkolleginnen stehen ihr derzeit mit gutgemeinten Hilfsangeboten zur Seite und ahnen aber auch, dass ihre Spielführerin wohl im Moment am ehesten Zeit für sich braucht.

Auf der Ersatzbank wirkte Prinz zeitweise so, als ob die Lehrerin die bisherige Musterschülerin aus einem für sie schleierhaften Grund bestrafen wollte.

Aufklärung zum heiklen Thema könnte es am Donnerstagmittag auch von Prinz selbst geben: Sie wird sich auf der DFB-Pressekonferenz in Wolfsburg äußern. (News).

"Birgit war sehr professionell"

Lira Bajramaj, lange wie Prinz ein Sorgenkind der Mannschaft, hat ihr Verhalten anders in Erinnerung: "Birgit war sehr professionell. Wenn ich auf der Seite gespielt habe, habe ich ihre Stimme gehört, wie sie mich angefeuert hat", berichtete sie auf SPORT1-Nachfrage.

Und die Flügelflitzerin erwähnte sogar, wie Prinz sie vor dem Spiel motiviert habe: "Ich glaub an dich und gib dein Bestes", meinte Bajramaj. "Das kann die Birgit, sie ist ein super Typ."

Nette Worte wie nach einem Kreuzbandriss

Als Spielführerin hat Prinz in diesem Moment Größe gezeigt, ob sie allerdings weiter ihre Rolle als Maskottchen sieht?

Aus der Mannschaft erhält sie Solidaritätsadressen wie sie eine Spielerin gemeinhin nach einem Kreuzbandriss, der fiesesten aller Fußballer-Verletzung, entgegengebracht werden.

"Jeder von uns würde sich für sie den Arsch aufreißen", verkündete Nadine Angerer. "Birgit wird bestimmt noch wichtig für uns - ob auf dem Platz oder außerhalb."

Zur Erinnerung: Prinz hat ein einziges Spiel aus Leistungsgründen nicht mitgemacht. Doch es war nach 28 Monaten ihr erstes Länderspiel, in dem sie nicht von Anfang an dabei war.

Das Nonplusultra

Prinz stellt im Frauenfußball das Absolute dar, wenn an eine erfolgreiche Karriere denkt: Die dreimalige Weltfußballerin wurde zweimal Weltmeisterin und fünfmal (!) Europameisterin. In 214 Länderspielen erzielte sie 128 Tore.

Man muss im Männerfußball lange suchen, um ein ähnliches Beispiel zu finden. Es gibt keines.

Und Prinz war jahrelang der Vergleichsmaßstab für jedes aufstrebende Talent in Deutschland.

Diese Ausgangslage macht die ganze Geschichte naturgemäß nicht leichter.

"Diese ganze Diskussion ist zum Kotzen. Birgit wurde von außen in eine Position geschoben, in die sie nie wollte", sagte Zimmergenossin Ariane Hingst: "Sie ist immer noch wichtig - und das zählt."

Jetzt droht Prinz - und das von ihr ganz ungewollt ? zur Belastung für das Team zu werden. Spielt sie, gibt es Fragen, das Gleiche gilt im Moment, wenn sie auf der Bank sitzt.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel