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Lotta Schelin (l.) ist beim Champions-League-Sieger Olympique Lyon unter Vertrag © getty

"Tre Kronor"-Star Lotta Schelin zieht mächtig Kraft aus dem Sieg über die USA und verrät den Ursprung des Jubeltänzchens.

Von der Frauen-WM berichtet Mathias Frohnapfel

Wolfsburg - In der Halbzeitpause wirbelten Simone Laudehr und Kim Kulig zum WM-Song mit imaginären Schlagstöcken durch die Luft.

Dann klatsche sich das deutsche Mittelfeldduo auf der Tribüne der WM-Arena lässig ab. Gut gemacht, Schwester.

Ängstlich scheinen die beiden Nationalspielerinnen einem möglichen WM-Halbfinale gegen Schweden jedenfalls nicht entgegenzublicken. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Dabei meisterten die Skandinavierinnen ohne Punktverlust ihre Gruppe und nordeten am Mittwochabend Turnier-Mitfavorit USA ein: Der 2:1-Erfolg (Spielbericht) war verdient, vor allem wegen des enormen schwedischen Tempos in Hälfte eins.

Wiederauflage des Finals von 2003?

Gewinnt Deutschland sein Viertelfinale gegen Japan (Sa., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) und Schweden besiegt Außenseiter Australien, käme es am Mittwoch zur Wiederauflage des WM-Finales von 2003.

"Das deutsche Team war da?", sagte Lotta Schelin und staunte kurz.

Dann fügte Schwedens Stürmerstar an: "Ich hoffe, wir haben sie beeindruckt. Wir haben gut gespielt und sie wissen ja auch, dass wir bisher hier jede Partie gewonnen haben."

Noch im Trikot erzählte die hochgewachsene Schwedin derart locker von dem hart umkämpften Match, als ob sie gerade von einer Gartenparty mit Freunden gekommen wäre.

So war es ein Fußballspiel mit gewiss mehr als Tausend Fans aus Schweden in der mit 23.468 Zuschauern gut besuchten Wolfsburger Arena.

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Mit Selbstvertrauen ins Viertelfinale

"Der Sieg tut unserem Selbstvertrauen natürlich gut", sagte Schelin auf SPORT1-Nachfrage.

"Wir haben jetzt die Gewissheit, dass wir die besten Teams schlagen können. Es war ein großartiger Erfolg für uns."

Den zelebrierten die Mittsommermädchen aus Schweden auf ihre Weise. Nach jedem Tor tanzten die Skandinavierinnen derart eingeübt, dass die Performance auf jeder Kleinkunstbühne Bestand haben könnte.

"Wir wollten was Lustiges machen"

"Wir wollten was Lustiges machen", erklärte Schelin zu der Jubel-Choreographie, die sie von ihrem Klub Olympique Lyon mitgebracht hat.

Spaß schön und gut. Doch die Schwedinnen üben ihr Jubeltänzchen, das auf einen Song aus Frankreich zurückgeht, laut Schelin sogar jeden Tag in der Kabine.

[kaltura id="0_ftrvn8ie" class="full_size" title="Grings stellt Prinz ins Abseits"]

Spielführerin Nilla Fischer, die neben Lisa Dahlkvist gegen die USA traf, hegt nun eine große Hoffnung: "Wir wollen am liebsten bis ins Finale so tanzen."

USA vor "schwieriger Reise"

Nur dort könnte es ein Wiedersehen mit den Rivalinnen aus den USA geben. Die verloren ihren Gruppenplatz 1 und müssen im Viertelfinale gegen Brasilien bestehen.

"Unsere Reise wird jetzt schwieriger, wir nehmen es so an, wie es ist", meinte Abby Wambach dazu trotzig.

Die Stürmerin hat gegen Schweden ihren ersten Turniertreffer erzielt. Dass der Ball per Schulter und nicht per Kopf ins Tor prallte, war ihr schnuppe.

"Haben dominiert"

"Wir können viel aus dem Spiel mitnehmen, wir haben dominiert und wir hatten auch viele Chancen", interpretierte sie die Partie auf eigene Weise.

In Hälfte zwei drehten die USA auf, doch die klarere Spielanlage war auf Seiten der "Tre Koron" zu sehen. Der letzte US-Pass erreichte zu selten die Mitspielerinnen.

"Hätten wir unsere Chancen genutzt, wäre es ein anderes Spiel geworden. Aber wir haben gezeigt, dass wir ein starkes Team sind und niemals aufgeben", meinte daher US-Trainerin Pia Sundhage.

Vom Erfolg "überrascht"

Und Schwedens Coach Thomas Dennerby analysierte: "Das war heute eines unserer besseren Spiele, das uns sehr viel Selbstvertrauen gibt. Wir sind selbst etwas überrascht darüber, dass wir neun Punkte aus drei Spielen geholt haben."

Die Verabschiedung zwischen den Rivalinnen fiel übrigens sehr herzlich aus: Lotta Schelin herzte und knuffte US-Keeperin Hope Solo, mit der sie eine Zeitlang beim FC Göteborg spielte.

"Wir mailen", rief sie beim Hinausgehen und warf noch eine Kusshand. Und vielleicht gibt es auch das nächste Wiedersehen im WM-Finale.

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