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Theo Zwanziger ist seit September 2006 alleiniger Präsident des DFB © getty

Der DFB-Präsident kritisiert das System in Nordkorea und sieht es als Auslöser des Skandals. Den Sport sieht er als Türöffner.

Bochum - DFB-Präsident Theo Zwanziger hat empört auf den Doping-Skandal bei der Frauenfußball-WM reagiert und Nordkorea hart kritisiert.

"Dieser Vorfall unterstreicht den Eindruck von einem menschenverachtenden System in Nordkorea, in dem versucht wird, Sportler mit allen Mitteln zu Erfolgen zu führen. Erfolge, die dann für staatliche Propaganda missbraucht werden können", sagte Zwanziger.

Mit Blick auf die funktionierenden Kontrollen fügte er hinzu: "Es ist positiv zu bewerten, dass die Aufklärungsmechanismen der FIFA im Kampf gegen Doping offenbar funktionieren."

Duo positiv getestet

Die beiden Nordkoreanerinnen Song Jong Sun und Jong Pok Sim wurden in der A-Probe auf ein anaboles Steroid der Gruppe S1B getestet und daher am Mittwochabend kurzfristig aus der Aufstellung für das letzte Gruppenspiel in Bochum gegen Kolumbien (0:0) (News) gestrichen. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Auf dem Spielberichtsbogen hatte "abwesend" beziehungsweise "nicht spielberechtigt" gestanden.

Das am häufigsten auftauchende anabole Steroid der Gruppe S1b ist das männliche Sexualhormon Testosteron.

Nordkorea bereits abgereist

Die FIFA bat nach dem Spiel die übrigen 19 Spielerinnen des nordkoreanischen Kaders zur Dopingprobe, wie es die Statuten vorsehen.

Der Weltverband wird auch die B-Proben der beiden betroffenen nordkoreanischen Spielerinnen öffnen lassen. Zwar hatte Nordkorea die 12-Stunden-Periode zur Beantragung der B-Proben verstreichen lassen, doch die FIFA will Klarheit.

Die Mannschaft Nordkoreas hat Deutschland am frühen Donnerstagmorgen bereits verlassen.

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Angerer: "Bin nicht überrascht"

Im Lager der deutschen Fußballerinnen hält sich die Überraschung über den Doping-Skandal im nordkoreanischen WM-Team in Grenzen.

"Ehrlich gesagt bin ich nicht überrascht. Vermutet haben wir es schon lange. So lange es aber keine Beweise gab, konnte man es nur nicht aussprechen", sagte Nationaltorhüterin Nadine Angerer: "Ich finde es gut, dass es Kontrollen gibt. Geholfen hat es ja aber ohnehin nicht - sie sind ja schon ausgeschieden."

Zwanziger sieht politischen Beitrag

Dennoch will der DFB laut Zwanziger weiter seinen Beitrag dazu leisten, dass ein politisches System wie in Nordkorea vor allem auch durch sportliche Begegnungen aufgebrochen wird.

"Diesbezüglich sind wir durch unsere Bemühungen vor und während der Weltmeisterschaft sicher ein Stück weitergekommen.

Das zeigen die humanitären Gesten der nordkoreanischen Regierung und die Einladung der US-amerikanischen Frauen-Nationalmannschaft nach Nordkorea, die der nordkoreanische Sportminister nach dem WM-Spiel in Dresden ausgesprochen hat", sagte Zwanziger.

Zweiter Dopingfall der WM

Es war der zweite Dopingfall im Zusammenhang mit der WM-Endrunde.

Die kolumbianische Nationaltorhüterin Yineth Varon war nach einer am 25. Juni in Leverkusen durchgeführten A-Probe, die ein positives Ergebnis erbrachte, früh abgereist.

Laut Auskunft des kolumbianischen Verbandes FCF hatte die Spielerin dem Teamarzt eine Hormonbehandlung verschwiegen.

Die FIFA reagierte mit einer provisorischen Sperre, der Verband hat die Öffnung der B-Probe beantragt.

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