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Birgit Prinz gewann mit dem DFB-Team fünf Mal die Europameisterschaft © getty

Birgit Prinz spricht über ihre Gefühle und darüber, wie sie auf ihre Auszeit reagierte. Sie wappnet sich für den schwersten Fall.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Wolfsburg - Birgit Prinz hat Zeit gebraucht, um nachzudenken.

Über ihre persönliche Situation nach zwei mäßigen WM-Spielen, über ihre Nichtberücksichtigung beim 4:2-Sieg über Frankreich und darüber, was das alles für ihre Karriere bedeutet, die in der Nationalelf nach der WM enden wird. (Bericht: Jahrhundert-Talent droht bitterer Abschied)

Jetzt hat die Ausnahmefußballerin Einblick in ihre Seelenlage gegeben ? und das außergewöhnlich offen.

"Ich stehe dazu, dass ich die ersten beiden Spiele nicht gut gespielt habe. Die Kritik war aber übertrieben, das hatte etwas von einer Hetzjagd."

"Konnte der Mannschaft nicht helfen"

In der umfunktionierten Turnhalle des VfL Wolfsburg stellte sich Prinz und zeigte als Sportlerin in dem für sie so schwierigen Moment Größe.

"Ich hatte das Gefühl, dass ich der Mannschaft nicht helfen kann", erklärte die 33-Jährige. Deshalb habe sie gemeinsam mit Bundestrainerin Silvia Neid die Entscheidung getroffen, gegen Frankreich nicht zu spielen.

"Silv und ich waren uns einig, dass es sinnvoller ist, dass eine andere Spielerin spielt, die in dem Moment lockerer damit umgeht", berichtete Prinz. Inka Grings nahm Prinz? Rolle ein und traf sogar doppelt. (426775DIASHOW: Die Einzelkritik)

"Ich war immer Teamplayer"

Eitelkeit hat laut Prinz bei diesem Gedankengang keine Rolle gespielt: ?"Ich war immer Teamplayer, auch als ich ganz oben war. Ein Einsatz hätte mir nichts gebracht und dem Team nichts." Sie gab aber auch zu: "Es war keine leichte Entscheidung."

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Dass Neid das Zwiegespräch öffentlich machte und erzählte, dass Prinz "mental" nicht in der Lage gewesen sei zu spielen, belastete sie nicht (EINWURF: Neid lässt Prinz im Regen stehen).

"Wir hatten uns nicht direkt abgesprochen, wie sie was nach außen kommuniziert. Warum sollten wir aber irgendeine Ausrede erfinden und der Öffentlichkeit was vormachen?", meinte Prinz, die sehr reflektiert wirkte und genau und präzise die Fragen beantwortete.

Prinz will sich Freude nicht "vermiesen lassen"

Ihre Formkrise im Nationalteam wollte sie nicht mit einem möglichen vorzeitigen Ende ihrer Vereinskarriere in Verbindung bringen.

"Ich werde mir die Freude am Fußballspielen nicht vermiesen lassen. Darauf hat die WM keinen Einfluss"; sagte die dreimalige Weltfußballerin auf SPORT1-Nachfrage und fügte an, sie wolle über ihr Karriereende nicht in einer Situation entscheiden, "wo ich nicht so gut drauf bin".

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Der Druck war übermächtig

Doch warum geriet Prinz in diese Formkrise? Und das trotz der ihren Worten nach "guten Vorbereitung"?

"Ich habe es nicht geschafft, mit dem Druck entsprechend umzugehen", sagte die Angreiferin, für die die Heim-WM ja der krönende Abschluss einer unglaublichen Nationalelf-Karriere sein sollte.

Die dreimalige Weltfußballerin wurde zweimal Weltmeisterin und fünfmal (!) Europameisterin. In 214 Länderspielen erzielte sie 128 Tore. Ähnliche Beispiele im Männerfußball? Fehlanzeige.

"Ich habe mir selbst Druck gemacht, wollte sehr gerne gut spielen", ließ Prinz wissen. Natürlich habe sie auch um die "sehr starke Konkurrenz aus der Mannschaft" gewusst und darum, dass die Öffentlichkeit, so ihr Empfinden, quasi auf jeden Fehler nur gelauert habe.

Sogar ans Aufhören dachte Prinz.

"In der ersten Emotion habe ich gedacht: Was soll das? Warum tue ich mir das überhaupt an? Das war aber nur am Anfang da."

Kein Startelf-Einsatz gegen Japan?

Mit einem Einsatz in der Startelf gegen Japan (Sa., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) rechnet die Angreiferin nicht. "Davon gehe ich nicht aus".

Die Offensive hätte schließlich zuletzt viermal getroffen, warum solle die Bundestrainerin im Viertelfinale also wechseln.

Als reines Maskottchen und oberste Team-Anpeitscherin will Prinz ihre fünfte WM aber nicht abschließen. "Um ein Tor geht es mir nicht, ich würde gerne nochmal spielen, möchte das positiver abschließen, als es jetzt ist."

Bereit fühlt sie sich: "Ich habe das Gefühl, dass ich meine PS wieder auf die Straße bringe. Ich bin definitiv in der Lage, zu spielen."

"Ist dumm gelaufen"

Und doch hat sie sich sogar schon für den beinahe unvorstellbaren schlechtesten Fall gewappnet: "Wenn ich nicht mehr aufs Feld komme, versuche ich meine Fähigkeiten anders einzubringen."

Der Gedankengang wäre dann: "Es ist dumm gelaufen, warum auch immer, ich habe das dann zu akzeptieren."

Immerhin hat Neid jedoch Prinz bereits erste Hoffnung auf einen Joker-Einsatz gemacht, als sie unmittelbar nach der Frankreich-Partie betonte: "Birgit war in den letzten Tagen schon sehr viel befreiter. Ich bin mir sicher, dass wir noch viel von ihr sehen werden."

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