Die Organisatoren der Frauen-WM haben das große Rampenlicht gewollt. Bittere Ironie, dass es nun gerade Birgit Prinz ankokelt.

Birgit Prinz bestritt ihr erstes Länderspiel 1994, mit 16 Jahren. 768 Fans vor Ort sahen dabei zu und genau null Fernseh-Zuschauer.

17 Jahre später sind bei der Frauen-WM bis zu 73.680 Anhänger vor Ort und über 16 Millionen an den Bildschirm.

Wer nun hinterfragt, was Birgit Prinz widerfährt, kann sich also nicht auf die bequeme General-Rechtfertigung zurückziehen, die für die männlichen Profifußballer gilt:

"Er musste ja wissen, worauf er sich einlässt, als er sich den Job ausgesucht hat."

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Birgit Prinz musste nicht wissen, worauf sie sich einließ.

Sie konnte keinen blassen Schimmer haben.

Keinen blassen Schimmer, dass ihr sportlicher Abstieg am Ende ihrer Karriere ein Melodram für ein Millionen-Publikum werden würde.

Dass er in den "Tagesthemen" verhandelt würde.

Dass ihr Frauenfußballfachkraft Franz-Josef Wagner auf dem Postweg bescheinigen würde: "Sie spielen eine grottenschlechte WM."

Die ganz große Bühne, das ganz große Rampenlicht: Die Organisatoren der WM haben es gewollt und sie haben es bekommen.

Ihre Hauptdarsteller müssen aber gerade irritiert feststellen, dass dieses Rampenlicht nicht nur angenehm-mild strahlt, sondern einen auch ankokeln kann.

Dass die Zuschauer nicht nur auf schwarz-rot-geilen Jubeltrubel aus sind, sondern noch gefesselter sind, wenn das Theaterstück auch ein persönliches Drama bietet.

Ein Drama, das erst durch die Öffentlichkeit, in der es stattfindet, so groß wird.

Das eigentliche Drama dabei ist, dass es genau der Person aufgebürdet wird, die diese Öffentlichkeit am wenigsten gesucht hat.

Einer Person, der es stets zuwider war, "angeglotzt zu werden".

Die von OK-Chefin Steffi Jones vor zwei Jahren vergeblich gebeten wurde, sich zum Wohle der WM häufiger in den Medien zu zeigen.

Die lieber "als Hund wiedergeboren werden" will denn als Fotomotiv für "Gala" und "Bunte".

Die zu Beginn ihrer Karriere als Ungerechtigkeit geißelte, wenn Journalisten alle Aufmerksamkeit auf das junge Wunderkind richteten - statt sie fair auf alle Mitspielerinnen zu verteilen.

Ein frommer Wunsch vor einer Öffentlichkeit, die von Helden angezogen wird - seien es strahlende oder tragische.

Die Fußballerinnen von morgen können von nun an wissen, worauf sie sich einlassen.

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