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Verteidigerin Casey Stoney (l.) spielt seit 2011 bei den Lincoln Ladies in England © getty

Wer hat das Zeug zum Titel? Wer könnte überraschen? Und wen sollten die Gegner auf dem Zettel haben? SPORT1 gibt eine Prognose ab.

Von der Frauen-WM berichtet Andreas Messmer

München - Die Spreu ist nach anderthalb Turnierwochen vom Weizen getrennt. Von anfangs 16 Mannschaften sind nach der Gruppenphase bei der Frauen-WM noch acht übrig, von denen eine am 17. Juni den Pokal in den Frankfurter Abendhimmel stemmen wird (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Wer hat Chancen auf den Titel? Wer könnte im Viertelfinale überraschen? Und welche Spielerinnen sollten die gegnerischen Trainer auf dem Zettel haben?

SPORT1 hat die bisherigen Auftritte analysiert und gibt eine Prognose für die Viertelfinalduelle ab.

England - Frankreich: Kämpfertruppe gegen Individualistinnen

(Samstag ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER)

Die Engländerinnen starteten gegen Außenseiter Mexiko mäßig ins Turnier (1:1), siegten gegen Neuseeland mit Ach und Krach nach Rückstand und überraschten im dritten Spiel gegen Gruppenfavorit Japan.

Englands Star-Spielerin Kelly Smith sucht - ähnlich wie Birgit Prinz im DFB-Team - noch ihre Form. Die "Three Lionesses" überzeugten bislang durch druckvolles Pressing, konsequentes Defensivverhalten und Kampfgeist. "Wir praktizieren ein sehr temporeiches Spiel, das natürlich sehr anstrengend ist", sagt Trainerin Hope Powell.

Frankreich bezwang Nigeria knapp und fertigte anschließend Kanada souverän ab. Gegen Deutschland wehrte sich das Team von Trainer Bruno Bini trotz Unterzahl tapfer und hielt die Partie lange offen.

In den Blickpunkt spielten sich in der Vorrunde Marie-Laure Delie und Gaetane Thiney mit je zwei Treffern. Stammkeeperin Berangere Sapowicz wird nach ihrer Roten Karte im Viertelfinale fehlen.

Prognose: Die Engländerinnen haben sich mit Mühe ins Turnier gebissen, der Trend zeigt nach oben. Aufgrund der besseren Einzelspielerinnen wird Frankreich im Viertelfinale trotzdem die Nase vorne haben und so ein heißer Geheimtipp auf den Titel bleiben.

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Deutschland - Japan: Nelken pflücken mit Bajramaj

(Samstag, ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER)

Die japanischen "Nadeshiko" - auf deutsch Nelken - überzeugten in den beiden ersten Partien durch Kombinationsstärke und taktische Cleverness.

Mit Homare Sawa, die dreimal traf, spielt die bislang gefährlichste Angreiferin des Turniers in ihren Reihen. Aya Miyama glänzte als Vorbereiterin. Die robusten Engländerinnen verpassten dem Team von Trainer Norio Sasakis im dritten Spiel dann trotzdem einen Dämpfer.

"Fußball ist nicht nur Physis", meint Angreiferin Yuki Nagasato zwar. Doch obwohl Japan gefälliger kombinierte, triumphierten am Ende die körperlich überlegenen Europäerinnen.

Die DFB-Frauen starteten mit zwei Arbeitssiegen ins Turnier, steigerten sich dann im "Gruppenfinale" gegen Frankreich. Besonders hervor tat sich Kerstin Garefrekes die im ersten und im dritten Spiel das wichtige Führungstor erzielte (423460DIASHOW: Die Fans der WM).

Lira Bajramaj hat besonders gute Erinnerungen an Japan: 2008 zerstörte sie bei den Olympischen Spielen im Spiel um Platz 3 mit zwei späten Toren die Medaillen-Träume der Asiatinnen.

Prognose: In einem engen Match werden am Ende die Zweikampfstärke und Größenvorteile den Ausschlag zugunsten der DFB-Auswahl geben.

Schweden - Australien: Tempo trifft Leidenschaft

(Sonntag ab 12.45 Uhr im LIVE-TICKER)

Die Schwedinnen mühten sich gegen Kolumbien und Nordkorea zu knappen Erfolgen und ließen erst im dritten Spiel aufhorchen. Gegen die USA schlugen die Skandinavierinnen ein hohes Tempo an, überzeugten durch strukturiertes Angriffsspiel und siegten am Ende verdient.

"Wir haben jetzt die Gewissheit, dass wir die besten Teams schlagen können", sagte die überragende Stürmerin Lotta Schelin.

Die australischen "Matildas" gehen als klarer Außenseiter in die Partie. Das Team von Trainer Tom Sermanni hat sich den Viertelfinaleinzug hart erkämpft. Mit Einsatz und Nervenstärke machten die "Aussies" technische und taktische Unzulänglichkeiten wett und schickten so Mitfavorit Norwegen heim.

Die quirligen Offensivspielerinnen Lisa De Vanna und Kyah Simon sollte die gegnerische Abwehr auf dem Zettel haben.

Prognose: Wille und Kampfgeist werden den Australierinnen gegen die technisch versierteren Schwedinnen nicht reichen. Die "Tre Kronor" werden als möglicher Gegner des deutschen Teams ins Halbfinale einziehen.

Brasilien - USA: Mit Ausputzer gegen die Nummer eins

(Sonntag ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER)

Brasilien gab sich in der Vorrunde keine Blöße und heimste trotz antiquiertem System mit Daiane als Libero neun Punkte aus drei Spielen ein.

"Manche sagen, unsere Abwehr sei rückständig, aber wir stehen kompakt und solide", verteidigt sich Trainer Kleiton Lima. Spielerischen Glanz versprühten die "Canarinhas" aber kaum. Ein paar lichte Momente von Superstar Marta (zwei Tore, zwei Vorlagen) reichten trotzdem für den Gruppensieg.

Zum vorweggenommenen Endspiel kommt es nun, weil sich die US-Amerikanerinnen nach ordentlichen Auftritten gegen Nordkorea und Kolumbien überraschend von Schweden den Schneid abkaufen ließen.

Dem Selbstbewusstsein tat das keinen Abbruch. "Wir sprechen von jetzt an nur noch vom Finale", sagte Pia Sundhage, Trainerin des Weltranglistenersten. Immerhin legte Sturmstar Abby Wambach zuletzt ihre Ladehemmung ab.

Prognose: Die US-Girls werden Marta aus dem Spiel nehmen - und damit dem brasilianischen Spiel das kreative Element. Die Turnierfavoritinnen aus den USA werden ins Halbfinale einziehen.

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