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Japan (Mizuho Sakaguchi, l.) hat zuletzt 1995 ein WM-Viertelfinale erreicht © getty

Deutschlands Viertelfinal-Gegner spuckt große Töne und hofft auf den Anti-Merkel Effekt. Nagasato kündigt einen Doppelpack an.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Wolfsburg - Die Entzauberung dauerte 90 Minuten, dann war aus WM-Geheimfavorit Japan eine ganz gewöhnliche Mannschaft geworden.

0:2 verlor das Team von Norio Sasaki gegen England (Bericht), verspielte Platz eins in Gruppe B und scheint jetzt gegen den wiedererstarkten Weltmeister Deutschland im Viertelfinale (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER ) klarer Außenseiter.

"Wir werden bis zum Tod kämpfen - und wollen noch immer ins Finale", verkündete Trainer Sasaki pathetisch. (423460DIASHOW: Die Fans der WM)

Dabei wurde den Japanerinnen von England auf eher banale Weise Grenzen gesetzt: Mit kraftvollem Fußball, viel Laufarbeit und körperbetontem Spiel rackerten sich die "Three Lionesses" zum Erfolg.

Ein Konzept wie zum Kopieren für die DFB-Frauen.

"Wir sind zu schnell am Boden"

Sein Team werde aus der Niederlage Lehren ziehen, versprach Japans Trainer. Doch selbst er musste einsehen: "Wir sind zu oft und zu schnell am Boden, weil uns die anderen Teams einfach physisch überlegen sind."

Besonders bei Luftduellen und Kopfbällen droht den eher kleingewachsenen Japanerinnen Ungemach.

Doch beim Weltranglisten-Vierten, der mit zwei Siegen über Mexiko und Neuseeland stark ins Turnier gestartet war, bemühen sie sich um Gelassenheit.

Kanzlerin-Besuch als Gefahr?

"Die Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das deutsche Team besucht. Das erhöht für ihre Spielerinnen den Druck zusätzlich", kommentierte Sasaki am Freitagabend. (Bericht: Edelfan Merkel motiviert die DFB-Frauen)

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Sein Team habe den Vorteil, in Wolfsburg als "Herausforderer" ins Viertelfinale zu gehen.

Nagasato fordert Steigerung

"Vielleicht war es ganz gut, dass wir das letzte Vorrundenspiel 0:2 verloren haben. Wir wissen nun, wo wir uns gegen Deutschland noch verbessern müssen", sagte Yuki Nagasato.

Die 23-Jährige stürmt für Turbine Potsdam, kennt die Rivalinnen aus Klub und Bundesliga bestens. "Ich freue mich auf das Duell. Da spielen meine Freundinnen von Turbine Potsdam mit - wie Babett Peter", sagte sie.

"Wir gewinnen gegen Deutschland. Ich werde zwei Tore schießen", schickte sie noch sehr selbstbewusst hinterher.

Shoppen vor dem Match

Mit Tipps zum deutschen Gegner kann auch Kozue Ando vom FCR Duisburg glänzen.

Vor der Partie am Samstagabend waren Japans Spielerinnen ganz locker in Wolfsburg unterwegs und ließen auch das Shoppen in Designer-Outlets nicht aus.

Angerer warnt vor Leichtsinnigkeit

"Die Gefahr ist, dass die Japanerinnen nach der Niederlage gegen England aufgerüttelt wurden", warnt Potsdams Meistercoach Bernd Schröder in seiner WM-Kolumne für SPORT1. (WM-Kolumne: "Schönrederei bringt bei Lira nichts")

Und auch den deutschen Spielerinnen ist die Ausgangslage gegen Japan nicht ganz geheuer.

"Wir dürfen sie nicht machen lassen, sonst spielen sie uns aus", befindet Nadine Angerer. "Wir dürfen nicht leichtsinnig werden und denken, das geht alles locker, easy von der Hand."

Die deutsche Verteidigung sollte in der ausverkauften Wolfsburger WM-Arena vor allem bei Standards alle Sinne auf höchste Sensibilität geschaltet haben.

Sawa als Japans Trumpfkarte

Schon gegen Frankreich setzte es zwei Gegentore nach Eckbällen 426775(DIASHOW: Einzelkritik) und die Japanerinnen gelten gleichfalls als perfekt geschult, was Standards angeht.

Besonders Homare Sawa glänzt an guten Tagen mit einem außergewöhnlichen Torriecher. Japans Frauenfußball-Legende mit der Nummer 10 ist schon bei ihrer fünften WM dabei und stach beim 4:0 über Mexiko mit einem Dreierpack hervor.

"Deutschland muss gewinnen, bei ihnen liegt der Druck, die Zuschauer erwarten viel", meint Sawa. Die Japanerinnen hoffen diese Ausgangslage in Wolfsburg für sich zu nutzen.

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