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Karina Maruyama besiegelt in der 118. Minute das Ende der Neid-Elf © getty

Ein Angriff in der Schlussphase der Verlängerung besiegelt das WM-Aus der Nationalmannschaft gegen Japan. Der Schock sitzt tief.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Wolfsburg - Bitteres Aus für das Frauen-Nationalteam. Im WM-Viertelfinale scheiterte die Truppe von Silvia Neid nach Verlängerung an Japan und verlor mit 0:1.

Das entscheidende Tor markierte Karina Maruyama in der 110. Minute, nachdem sie bei einem Konter nicht entscheidend angegriffen wurde (DATENCENTER: Der WM-Ergebnisse), und besiegelte somit das schlechte Ergebnis der Nationalmannschaft seit der WM 1999. Nun ist sogar die Olympia-Qualifikation für London 2012 in Gefahr.

"Es ist das eingetreten, was ich befürchtet habe", sagte eine enttäuschte Silvia Neid nach dem Aus: "Es ging um Nuancen. Wir waren heute einfach nicht in der Lage ein Tor zu machen. Solche Spiele gibt es einfach." (STIMMEN: Deutschland - Japan)

Die Japanerinnen treffen im Halbfinale am Mittwoch in Frankfurt auf den Sieger der Partie Schweden - Australien vom Sonntagnachmittag, beim DFB-Team flossen viele Tränen (428304DIASHOW: Deutschland - Japan: Die Bilder).

Lufthoheit nicht genutzt

Deutschland spielte das Viertelfinale mit viel Kraft, aber in vielen Szenen zu ungenau. Zudem nutzte das Team seine klare Luftüberlegenheit nicht aus.

Silvia Neid wechselte in der Viertelfinal-Begegnung im Vergleich zum 4:2-Sieg über Frankreich auf drei Positionen.

Außenverteidigerin Linda Bresonik und Mittelfeldspielerin Kim Kulig kehrten wie erwartet in die erste Elf zurück. Inka Grings behielt ihren Platz im Sturmzentrum, Rekordnationalspieler Birgit Prinz blieb auf der Bank.

Behringer statt Bajramaj

Auf der linken Offensivseite setzte Neid auf die wiedergenesene Melanie Behringer, Lira Bajramaj kehrte auf die Bank zurück.

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Kulig schluchzend auf der Bank

Die Partie begann vor 26.067 Zuschauern in Wolfsburg denkbar schlecht für die DFB-Frauen. Schon in der der dritten Minute verletzte sich Kulig: Bei einem Luftkampf nach einer Ecke kam die 21-Jährige unglücklich auf und verdrehte sich das Knie.

Nach kurzer Behandlungszeit war klar, es ging nicht weiter. Kulig saß schluchzend auf der Bank, als nicht einmal sieben Minuten gespielt waren.

Nach einer weiteren Untersuchung im Krankenhaus besteht bei Kulig der Verdacht auf einen Kreuzbandriss.

Für sie kam Bianca Schmidt, die auf die Außenverteidigerposition rückte, während Bresonik die Sechs übernahm. Der Bruch im deutschen Spiel war allerdings kleiner als befürchtet, nach vorne ergaben sich immer wieder Chancen.

Zahlreiche Möglichkeiten

Nach Vorarbeit von Spielführerin Kerstin Garefrekes verpasste Melanie Behringer im Sturmzentrum den Ball, wurde aber auch geblockt (9.).

Celia Okoyino da Mbabi hatte nach einer Flanke von Babett Peter die nächste Möglichkeit, allerdings parierte Japans Keeperin Ayumi Kahori mit einem guten Reflex (14.).

Beinahe wäre es so gekommen wie in den Partien gegen Frankreich sowie Kanada - und Garefrekes hätte die Führung besorgt. Doch statt den Ball unter Kontrolle zu bekommen, erwischte sie ihn im Strafraum nur mit dem Oberschenkel. Die Flanke kam von Behringer (22.).

Es war eine der aussichtsreichsten deutschen Möglichkeit in Hälfte eins.

Mehr Ballbesitz für Japan

Die Japanerinnen besaßen zwar mit 56 Prozent mehr Ballbesitz, waren nach vorne jedoch wenig durchschlagskräftig. Glück hatte das deutsche Team bei einem Schuss von Bundesliga-Legionärin Yuki Nagasato, die aus 14 Metern neben das Tor feuerte (30.).

Die DFB-Frauen bemühten sich um frühes Pressing im Mittelfeld, zogen ein sehr laufintensives Spiel auf, ohne vor der Pause belohnt zu werden.

Die zweite Halbzeit startete ebenfalls mit mehr Torraumszenen für Deutschland.

Erst wurde Grings prima von Garefrekes bedient und verpasste per Kopf. Dann musste Japans Außenverteidigerin Yukari Kinga nach Kopfball von Simone Laudehr auf der Linie retten (56.).

Miyama verpasst knapp

Der deutsche Druck auf das Tor des Weltranglisten-Vierten wuchs.

Auf der anderen Seite setzte Japans Scharfschützin Aya Miyama einen Drehschuss von der Strafraumkante nur knapp über Gehäuse (61.). Wenig später klärte Nadine Angerer geistesgegenwärtig vor Kozue Ando.

Die Partie wurde jetzt für Fans und Team zur Nervenprobe. Neid versuchte derweil mit der Einwechslung von Lena Goeßling für Linda Bresonik wieder mehr Kraft in die Mittelfeldzentrale zu packen (64.).

Die Japanerinnen kombinierten nun sicherer, in den deutschen Aufbau schlichen sich Unkonzentriertheiten ein. Teilweise war jetzt das deutsche Team wie in der eigenen Hälfte eingeschnürt.

Garefrekes verpasst das Tor

Mitten in dieser Drangperiode verpasste es Garefrekes für die Entscheidung zu sorgen, als sich die Frankfurterin mit viel Raum bis zur Grundlinie durchtankte, von dort aber sehr ungenau nach innen spielte (76.).

Die Partie lebte jetzt vor allem von der Spannung, kurz vor Ende der regulären Spielzeit probierte es noch einmal Babett Peter aus der Distanz - ohne Erfolg (89.).

Nun musste die Verlängerung die Entscheidung bringen. Die Zuschauer skandierten: "Jetzt geht?s los" und hofften auf ein glückliches Ende für den WM-Gastgeber (423460DIASHOW: Die Fans der WM) .

Popp für Grings

Doch weiter gestalte sich die Szene sehr ausgeglichen, auch wenn das Tempo sich verlangsamte. Das zeigte sich auch an einer vergebenen Chance von Grings, die mit viel Platz den Ball weit neben das Tor setzte (102).

Es war ihre letzte Aktion auf dem Feld, Alexandra Popp kam für sie und orientierte sich sofort in die Sturmspitze.

Die Kraft auf beiden Seiten schwand, Schiedsrichterin Quetzalli Alvardo ließ dennoch zwei Minuten bis zur Pause der Verlängerung nachspielen.

Maruyama schockt Deutschland

Danach erwischten die Japanerinnen bei einem Konter das deutsche Team eiskalt: Maruyama überwand nach Zuspiel von Homare Sawa die deutsche Keeperin aus steilem Winkel (110.). Innenverteidiger Saskia Bartusiak konnte Japans Joker nicht entscheidend stören.

Die DFB-Frauen antworteten mit wütenden Angriffen, vermochten aber das Blatt nicht mehr zu wenden. Nach dem Schlusspfiff ließen sie sich tief enttäuscht auf den Boden fallen.

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