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Silvia Neid ist siet sechs Jahren Bundestrainerin der DFB-Frauen © getty

Nach dem WM-Aus gegen Japan gesteht die Bundestrainerin Defizite ein. Prinz soll einen "würdigen Abschied" erhalten.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Wolfsburg - Silvia Neid bemühte sich um eine tapfere Miene, doch so recht wollte ihr das gut zwölf Stunden nach dem Aus im WM-Viertelfinale nicht glücken.

Die 0:1-Pleite nach Verlängerung gegen Japan (Spielbericht) lastete schwer auf der Bundestrainerin.

Es war das schlechteste Abschneiden des Frauen-Nationalteams seit 1999.

Das 3:1 der Schwedinnen im Viertelfinale gegen Australien (Bericht) besiegelte zudem das Olympia-Aus für 2012. Nur die beiden besten europäischen Mannschaften der WM-Endrunde dürfen in London teilnehmen. (428304DIASHOW: Deutschland - Japan: Die Bilder)

"Guten Morgen, auch wenn der nicht so gut und schön ist", begrüßte Neid die Medienvertreter in der Turnhalle des VfL Wolfsburg, ehe sie analysierte, warum der Weltmeister von 2007 und 2003 bei der Heim-WM den Sprung ins Halbfinale verpasste.

"Team war nicht so leichtfüßig"

"Wir haben alles getan, es hat leider nicht geklappt. Wenn wir geschafft hätten, ein Tor zu machen, wären wir mehr ins Rollen gekommen", erklärte die 47-Jährige und gab kritisch zu: "Es war mehr ein Stolpern über den Ball. Die Mannschaft hat den Erwartungsdruck gespürt, war nicht so leichtfüßig"

Ungewöhnlich offen gestand sie auch: "Unsere Spielerinnen sind nicht so technisch versiert wie die Japanerinnen, wir haben sonst mit Durchschlagskraft gewonnen, diesmal hat es nicht gereicht."

Vor ausverkauftem Haus in der Wolfsburger WM-Arena nutzten das deutsche Team gefühlte 100 Standardsituationen nicht, dabei foulten die Japanerinnen wie auf Wunsch in der gefährlichen Zone im Halbfeld.

Zu lange Vorbereitung?

Doch Kerstin Garefrekes, Celia Okoyino da Mbabi und Co. verballerten zig brauchbare Chancen. (STIMMEN: Deutschland - Japan)

Die lange Vorbereitungszeit von fast drei Monaten hat aus Sicht von Neid nichts damit zu tun, dass ihr Team im entscheidenden Moment Nerven zeigte.

"Ich denke nicht, dass der Erwartungsdruck etwas mit der Vorbereitung zu tun hat, die war ja nicht länger als im Vorfeld anderer Turniere", argumentierte Neid, die zum ersten Mal überhaupt bei einer WM oder EM ein Spiel als Trainerin verloren hatte.

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"Alle haben uns im Halbfinale gesehen"

Das Team war entsprechend erfolgsverwöhnt. "Alle haben uns schon im Halbfinale gesehen, das muss man erstmal bestätigen. Die Leistungsdichte ist unheimlich eng in diesem Turnier", erklärte Neid. (DATENCENTER: Der WM-Ergebnisse)

Explizit hatte die Bundestrainerin direkt nach dem Spiel die 20-jährige Einwechselspielerin Alexandra Popp kritisiert: "Sie hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Ich hätte mir von ihr schon mehr Leben da vorne erwartet."

Die Spielerinnen haben sich am Sonntagmorgen bereits von der Bundestrainerin verabschiedet und sich auf dem Nachhauseweg gemacht - im Gepäck einen großen Rucksack an Fragen, warum es nicht zu mehr gelangt hat. (423460DIASHOW: Die Fans der WM)

Grings: "Ein rabenschwarzer Tag"

Die glücklose Stürmerin Inka Grings war nach Schlusspfiff ratlos. "Wir hätten auch fünf Stunden spielen können und hätten kein Tor erzielt, es war ein rabenschwarzer Tag", sagte sie im Gespräch mit SPORT1.

Und Birgit Prinz meinte auf SPORT1-Nachfrage, wie sie mit der Pleite bei ihrer letzten WM-Teilnahme umgehe, nur: "Das Leben geht weiter irgendwie."

In diesem Moment rechnete die Rekordnationalspielerin damit, dass sie keine Partie mehr im Adler-Dress machen würde.

"Würdiger Abschied" für Prinz?

Tatsächlich sieht es laut Delegationsleiterin Hannelore Ratzeburg so aus, dass der DFB über "einen würdigen Abschied" für Birgit Prinz und Ariane Hingst, die ebenfalls ihre Nationalteamkarriere beendet, nachdenkt.

Neid selbst glaubt ansonsten nicht an einem großen Umbruch, hat auch sonst von keiner weiteren Spielerin ein Rücktrittsangebot bekommen.

Die 32-jährige Grings wollte darüber in der ersten Emotion nicht entscheiden.

Um ihren eigenen Job muss Neid nicht zittern, DFB-Präsident Theo Zwanziger stärkte ihr nach der kurz vor der WM erfolgten Vertragsverlängerung bis 2016 noch am späten Samstagabend den Rücken: "Silvia Neid ist das Beste, was wir kriegen können. Sie hat den Frauenfußball so viel weitergebracht."

Kreuzbandriss bei Kulig

Eine ganz schlechte Nachricht musste Neid allerdings noch zu Kim Kulig weitergeben.

Der Verdacht auf einen Kreuzbandriss (NEWS) hat sich laut den Teamärzten bestätigt. Die 21-Jährige muss nun wohl ein halbes Jahr pausieren.

Dass Kulig gegen Japan schon nach drei Minuten vom Feld musste, sich ohne Einwirkung von Gegenspielerinnen verletzte, war der Beginn eines düsteren Abends in Wolfsburg.

Neid will die Ereignisse jetzt sacken lassen und kündigte noch an: "Ich verspüre keine Motivationsprobleme, die Spielerinnen bestimmt auch nicht, wenn dann nach der WM mal drei, vier Wochen vergangen sind."

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