In seiner SPORT1-Kolumne ordnet Potsdams Meistercoach Bernd Schröder das WM-Aus gegen Japan ein - zu viel hat nicht gepasst.

Hallo Fußball-Freunde,

die 0:1-Niederlage gegen Japan (Spielbericht) ist für mich ein Stich ins Herz des Frauenfußballs. Mir hat das Viertelfinal-Aus in der Seele wehgetan (Stimmen).

Dass wir nun die Olympischen Spiele nicht erreicht haben, ist der Genickbruch.

Die Form muss in solch einem K.o.-Spiel stimmen: Inka Grings war sehr schwach, Simone Laudehr ist zum Schluss abgebrochen, hat sinnlose Fouls begangen (428298DIASHOW: Einzelkritik).

Auch bei Celia Okoyino da Mbabi hat man nicht gedacht, dass sie plötzlich mit Kreativität die Japanerinnen vor unlösbare Aufgaben stellen würde.

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Wir haben das Spiel aus dem Mittelfeld heraus nicht so gestaltet, wie wir es uns vorgestellt haben. Im Moment haben wir keine echte Spielmacherin, daher haben die Ideen gefehlt.

Dann kam noch die Verletzung von Kim Kulig dazu (News). Das kann an einem Team nicht vorbeigehen. Männer blenden das vielleicht noch besser aus, Frauen sind da anders. Das hat an den Nerven genagt.

Es wird natürlich einfacher, wenn wir schnell ein Tor erzielen.

Wir hatten eine unglaubliche Größenordnung an Standards, von denen wir aber nicht profitiert haben. Melanie Behringer hat hundertmal den gleichen Ball gespielt, da war doch keine Überraschung drin!

Beim Gegentor ist Nadine Angerer hart gesagt gefallen wie eine Bahnschranke. Hinzu kam der Fehler von Innenverteidigerin Saskia Bartusiak zuvor im Zweikampf. Im Eins-gegen-eins würden wir Probleme im Zentrum bekommen, das war ja schon vor der WM meine Befürchtung.

Wir müssen feststellen, was wir falsch und die anderen richtig gemacht haben. Wir haben nie so richtig ins Turnier gefunden - vom Frankreich-Spiel mal abgesehen.

Man darf nun aber nicht alles in Grund und Boden reden und die WM nur daran messen, ob wir den Titel holen oder nicht. Ich stehe zu 100 Prozent hinter dem Nationalteam und dem DFB.

Jetzt ist es wichtig, sachlich zu bleiben.

Es kommt nun darauf an, ob die Zuschauer trotzdem ins Stadion kommen und sehen, dass wir einen guten Fußball spielen. Die Männerklubs, die sich vor der WM im Frauenfußball mehr engagieren wollten, müssen gefragt werden, ob sie weiterhin dazu stehen.

Die WM ist ein großer Feiertag, nun kommen noch ein paar spannende WM-Spiele, danach aber wieder der Alltag.

Sicher haben auch Dinge im Umfeld wie das Theater um Lira Bajramaj oder die Diskussion um Birgit Prinz eine Rolle gespielt. Das ist nicht einfach so an der Mannschaft vorbeigegangen.

Und: Ein Großteil unserer Spielerinnen war platt, nicht nur körperlich, sondern auch vom Kopf her.

Eigenartigerweise spielen die Mannschaften den besten Fußball, die am wenigsten in der Vorbereitung waren: Das sind die Japanerinnen, die durch das Erdbeben stark beeinträchtigt waren.

Die Schwedinnen haben sich auch nur kurz vorbereitet, deren Liga lief ja noch bis zu drei Wochen vor WM-Start. Auch Frankreich hatte durch Olympique Lyon eine ganz andere und kürzere Vorbereitung als wir.

Man kann sich drei Monate vorbereiten und dabei auch viel falsch machen.

Ich habe von Anfang an meine Bedenken geäußert und vor zwei Jahren die Entscheidung akzeptiert, die Saison schon im März zu beenden. Es bleibt aber der Fakt, dass es eine Art Misstrauensbeweis gegen die Klubtrainer war.

Dadurch sind wir nicht ausgeschieden, doch die geistige Frische der Spielerinnen fehlte irgendwo.

Wir sollten nach der WM mit etwas Abstand und Ruhe über bestimmte Dinge sprechen.

Das betrifft die Vorbereitung und auch das, was während der WM im Team passiert ist. Ich kann von Neid und ihrem Team nicht verlangen, dass sie jetzt auf einmal nachdenklich werden. Sie denken weiterhin: Sie haben alles richtig gemacht.

Und ich frage: Wieso wurde der Vertrag von Silvia Neid vor der WM vorzeitig bis 2016 verlängert?

Euer Bernd Schröder

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