Deutschland scheitert im WM-Viertelfinale an Japan. Bundestrainerin Silvia Neid begeht vor, während und nach der Partie Fehler.

Jede Erfolgsserie endet irgendwann. Bei Silvia Neid und dem Frauennationalteam geschah dies nach 15 ungeschlagenen Spielen bei EM und WM.

Die Niederlage im Viertelfinale gegen Japan ist äußerst ärgerlich, zumal Deutschland zwar spielerisch Mängel zeigte, dennoch mehr als eine Handvoll guter Möglichkeiten besaß.

Neids Reaktion auf das Ausscheiden ist alles andere als souverän. Die Bundestrainerin wirft ihrem Team zum Teil "Stolpern über den Ball" vor, nennt die Japanerinnen "technisch versierter".

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Aus Sicht des Weltmeisters von 2003 und 2007 gibt das ein schwaches Bild ab, schließlich ist Neid ja selbst für das Fußball-Einmaleins ihres Teams zuständig.

Und in den zweieinhalb Monaten WM-Vorbereitung machten die DFB-Frauen gewiss mehr als mit Regina Halmich eine Boxeinheit zu absolvieren, ein Fahrtraining und einen künstlerisch fragwürdigen Fußball-"Tatort" im Kino anzuschauen.

Jetzt stellt Neid aber Alexandra Popp an den Pranger, von der sie sich gegen Japan "mehr erwartet" habe. Einer 20-Jährigen, zudem in der Verlängerung sehr spät eingewechselt, wird auf einmal eine große Mitschuld am Versagen aufgebürdet.

Dabei hat sich Neid schlicht vercoacht, als sie nach der Verletzung von Kim Kulig die Außenverteidigerin Linda Bresonik wie in Duisburg ins Mittelfeld beorderte. Die erfüllte ihre Erwartungen nicht, Neid musste in der zweiten Hälfte deshalb Lena Goeßling bringen und hatte prompt eine Offensivoption weniger.

Die 47-Jährige ist in vielen Situationen ein Bauch-Mensch und lag in der Vergangenheit mit diesem Ratgeber oft richtig. Auch deshalb hat DFB-Präsident Theo Zwanziger - etwas voreilig - schon vor dem ersten WM-Spiel ihren Vertrag bis 2016 verlängert.

Doch im Vorfeld der WM und bei Turnierstart machte Neid drei entscheidende Fehler: Es dauerte zu lange, bis sie die Rolle von Rekordnationalspielerin Birgit Prinz definitiv klärte.

Zweitens verpasste Neid es, in Sachen Lira Bajramaj eine klare Linie zu fahren.

Der gigantische Druck auf der Flügelflitzerin zeichnete sich in den Wochen vor der WM ab, Neid reagierte aber erst in den ersten Trainingstagen in Berlin und sprach ihr die "Leichtigkeit des Seins" ab. Eine gelungene Teamführung sieht anders aus.

Und natürlich muss auch Neid darüber nachdenken, warum es ihr nicht besser gelang, die Mannschaft auf den zu erwartenden medialen Hype rund um die WM vorzubereiten.

Die Aufmerksamkeit - bis hin zu Kommentaren in den Nachrichtensendungen - war es nunmal, die der DFB mit aller Macht angestrebt hatte. Über Federlesen und harte Kritik darf sich nun niemand beschweren.

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