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Angreiferin Abby Wambach (2. v.u.) spielt seit 2009 bei magicJack in Florida © getty

Brasilien hat dank Marta das Halbfinale quasi erreicht. Doch die USA schlagen spät zu zehnt zurück und siegen im Elferschießen.

Dresden - Abby Wambach küsste im Mittelkreis die US-Flagge, wenige Meter weiter starrte Weltfußballerin Marta völlig fassungslos in den Himmel über Dresden.

Die USA haben in einem dramatischen Viertelfinale den Erzrivalen Brasilien ausgeschaltet und sind nach dem Aus von WM-Gastgeber Deutschland (Nachbericht: Die heile Sommermädchen-Welt liegt in Scherben) nun Titelfavorit Nummer eins.

Die Olympiasiegerinnen gewannen gegen die Selecao ein schon verloren geglaubtes Spiel mit 5:3 im Elfmeterschießen, nachdem Wambach in der Nachspielzeit der Verlängerung in Unterzahl zum 2:2 (1:1, 1:0) getroffen hatte (DATENCENTER: WM-Ergebnisse).

Im Halbfinale trifft der Champion von 1999 am Mittwoch in Mönchengladbach auf den deutschen Vorrundengegner Frankreich. Der "ewige Zweite" Brasilien bleibt dagegen weiter ohne Titel.

"Wir wollen dieses Turnier gewinnen"

Heldin im Elfmeterschießen war US-Torfrau Hope Solo, die den Schuss von Daiane parierte. Ali Krieger verwandelte den entscheidenden Versuch.

"Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Das ist das perfekte Beispiel dafür, was die USA darstellen: Wir haben niemals aufgegeben. Das ist unglaublich, ich bin einfach nur glücklich", sagte Wambach: "Der Weg ist nun vorgezeichnet. Wir wollen jetzt auch dieses Turnier gewinnen."

Coach Lima fassungslos

Brasiliens Trainer Kleiton Lima war restlos bedient, riss sich nach dem bitteren K.o. aber zusammen: "Wir haben getan, was wir konnten und am Ende unglücklich verloren."

Beide Treffer der Selecao hatte zuvor Superstar Marta erzielt, die auch beim vermeintlich vorentscheidenden 2:1 kurz nach Beginn der Verlängerung (92.) von Schiedsrichterin Jacqui Melksham aus Australien profitierte.

Vorlagengeberin Maurine stand bei ihrer Flanke im Abseits - es war nur eine von zahlreichen Fehlentscheidungen von Schiedsrichterin Jacqui Melksham aus Australien, die vor allem die Selecao bevorzugte.

Schock nach 80 Sekunden

Vor 25.598 Zuschauern in der ausverkauften Dresdner Arena hatte Daiane mit einem spektakulären Eigentor nach nur 80 Sekunden für die Führung der USA in der zunächst enttäuschenden Neuauflage der Olympia-Endspiele von 2004 und 2008 gesorgt.

Daiane wollte nach einer harmlose Hereingabe von Shannon Boxx den Ball wegschlagen, traf aber mit ihrem Querschläger ins eigene Netz.

Marta mit umstrittenen Ausgleich

Nach der Pause glich Superstar Marta nach einem umstrittenen Pfiff von Melksham für die Brasilianerinnen per Foulelfmeter aus. In der 65. Minute wurde die Weltfußballerin nach einer sehenswerten Aktion von Rachel Buehler zu Fall gebracht, die Abwehrspielerin sah daraufhin wegen einer Notbremse die Rote Karte.

Nachdem Cristiane mit dem fälligen Foulelfmeter aber an Torfrau Hope Solo gescheitert war, ließ die Schiedsrichterin den Strafstoß unverständlicherweise wiederholen. Solo soll sich zu früh bewegt haben. Im zweiten Versuch traf dann Marta (68.) zum Ausgleich.

Viel Aufregung beim Superstar

Zuvor hatte sich in Dresden ein Fehlpassfestival entwickelt, das von der Nervosität beider Teams geprägt war. Die Anfangsphase bestimmten die US-Girls, die nach Daianes Geschenk durch einen Kopfball von Star-Spielerin Abby Wambach (12.) beinahe auf 2:0 erhöht hätten.

Danach kamen die Südamerikanerinnen etwas besser ins Spiel, obwohl zunächst Marta kaum Szenen hatte. Nach einer Ecke der Weltfußballerin köpfte Aline völlig freistehend ans Außennetz (22.), bevor Marta erstmals ihr Können aufblitzen ließ.

Sie schloss einen Konter nach einem 60-Meter-Sprint mit einem Schuss übers Tor ab. Die beste Ausgleichschance vor der Pause verfehlte Fabiana (38. ) mit ihrem Schuss aus spitzem Winkel an die Latte.

Wie angespannt die Nerven der Brasilianerinnen waren, offenbarte Marta in mehreren Szenen. Zunächst sah sie die Gelbe Karte, nachdem sie die am Boden liegende Wambach angegiftet hatte, kurze Zeit später ging sie nach dem Halbzeitpfiff wild gestikulierend und diskutierend in die Kabine.

Pfiffe für Marta

Nach ihrem verwandelten Foulelfmeter wurde sie von den Fans gnadenlos ausgepfiffen.

Nach der Pause hatte Brasilien gleich doppeltes Glück. Zunächst durfte die bereits mit Gelb verwarnte Aline trotz eines absichtlichen Handspiels (59.) weiterspielen. Zwei Minuten später traf Carli Lloyd für die USA per Kopf nur die Latte.

Nach dem Ausgleich kämpften die US-Girls aufopferungsvoll weiter und überzeugten vor allem in der Defensive, die dann aber beim 1:2 patzte. Beste Spielerinnen der USA waren Lloyd und Boxx. Bei Brasilien ragten nach der Pause Marta und Erika heraus.

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