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US-Torhüterin Hope Solo (M.) spielt seit 2011 bei magicJack in Boca Raton, Florida © getty

Mit ihren Paraden gegen Brasilien führt Hope Solo die USA ins WM-Halbfinale. Vor vier Jahren stand sie auf der Abschussliste.

Dresden - Nach dem WM-Skandal von 2007 musste "Verräterin" Hope Solo sogar alleine Fahrstuhl fahren, so extrem wurde sie von ihren Mitspielerinnen gemieden.

Seit Sonntag aber ist die vielleicht beste Torfrau der Welt bei den US-Girls endgültig wieder "Everybody's Darling".

Nach dem Triumph im Elfmeterschießen gegen Brasilien (Spielbericht) stürmten alle Kolleginnen auf sie zu, feierten die 29-Jährige überschwänglich und liefen angeführt von der Heldin des Tages ihre Ehrenrunde (DATENCENTER: WM-Ergebnisse).

Auch weil die Torhüterin einen Elfmeter parierte, sind die USA der große Titelfavorit - und Hope ist im Fahrstuhl nicht mehr solo (428733DIASHOW: Härtefälle im Gigantenduell).

"Das ist ein ganz spezieller Moment für mich", sagte Solo nach ihrer beeindruckenden Leistung. Mehr war ihr aber zum Thema persönliche Genugtuung nicht zu entlocken. Dabei hat sich für Solo in Dresden der Kreis geschlossen.

Skandal bei WM 2007

Vor vier Jahren hatte sie sich nach dem verlorenen Halbfinale - ebenfalls gegen Brasilien - selbst ins Abseits gestellt.

Sie war auf die Bank verbannt worden und reagierte mit harscher Kritik am damaligen Trainer Greg Ryan sowie an ihrer Ersatzfrau.

Daraufhin flog sie aus der Mannschaft und durfte nicht zur Medaillenzeremonie, die Kolleginnen zeigten ihr die kalte Schulter. Auch, wenn sich die Aufzugtüren öffneten.

Sundhage ist die "große Anführerin"

Ryans Nachfolgerin Pia Sundhage rehabilitierte Solo und holte sie zurück. Dies bedeutet aber nicht, dass die Mitspielerinnen schnell Frieden mit ihrer Torfrau schlossen. Monatelang schwiegen einige Kolleginnen, ehe es zur großen Aussöhnung kam, die nun vollendet ist.

"Wir sind ein Team - und Pia ist die große Anführerin", sagte Solo: "Man konnte das Vertrauen, das wir in uns haben, einfach spüren. Wir haben immer an uns geglaubt und unser Herz auf den Platz geworfen. Und so etwas kann man nicht trainieren."

Immer wieder waren die Amerikanerinnen nach dem 1:2 kurz nach Beginn der Verlängerung gegen das Tor der Brasilianerinnen angerannt.

"Das war alles sehr emotional"

Selbst die beiden irregulären Tore von Weltfußballerin Marta und die unberechtigte Rote Karte gegen Rachel Buehler brachte das Team von Sundhage nicht aus dem Konzept.

Star-Stürmerin Abby Wambach ("Das waren mit die emotionalsten Stunden meines Lebens") erzielte in der Nachspielzeit der Verlängerung das erlösende 2:2.

"Marta ist sicherlich die beste Spielerin der Welt, aber mein Team war heute besser als sie. Die Einstellung der USA, niemals aufzugeben, ist wirklich ansteckend", sagte die gebürtige Schwedin Sundhage, die sichtlich mitgenommen war: "Ich kann das nur schwer zusammenfassen, was mir alles durch den Kopf geht. Das war alles sehr emotional."

Lima reagiert sarkastisch

Nach ihrem verwandelten Foulelfmeter wurde Marta von den Fans in Dresden gnadenlos ausgepfiffen. Der Superstar diskutierte permanent mit der Unparteiischen und zog so den Unmut zahlreicher Zuschauer auf sich.

Nach dem Spiel mied Marta - wie alle ihre Kolleginnen - die Fragen der Journalisten und ließ sich nicht blicken.

Nur Selecao-Trainer Kleiton Lima stellte sich und reagierte auf die Pfiffe gegen die Weltfußballerin mit Sarkasmus: "Vielleicht, weil sie keine Deutsche ist?", so der Coach.

"Steiniger Weg" zum Titel?

Dagegen zeigte sich die US-Trainerin höchst euphorisch. Solch eine aufregende Zeit habe sie noch nie erlebt, erzählte Sundhage. Denn bereits die Teilnahme an der WM war gefährdet.

Erst in den Playoffs gegen Italien setzte sich das Team durch, nach der Niederlage gegen Schweden wurden die USA nur Gruppenzweite - und mussten gegen Brasilien antreten.

"Wir haben uns sicherlich einen steinigeren Weg ausgesucht als 2008", sagte Sundhage. Er könnte zum WM-Titel führen.

Nun gegen Frankreich

"Wir sind jetzt hoffentlich der Topfavorit", sagte die ehemalige Frankfurterin Alex Krieger, die den entscheidenden Elfmeter zum 5:3 verwandelt hatte. Am Mittwoch geht es im Halbfinale gegen Frankreich (ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER).

Der WM-Titel ist auch der Traum von Hope Solo. Bereits 2007 hatte sie in Gedenken an ihren kurz zuvor verstorbenen Vater vor jedem Spiel seine Asche in ihrem Tor verteilt - damals bekanntlich ohne Happy End.

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