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Bei der WM 2007 scheiterte das schwedische Team in der Vorrunde © getty

Beim Viertelfinalsieg über Australien überwindet Schelin ihre Torblockade. Coach Dennerby trainiert für den großen Auftritt.

Augsburg - Ihre Teamkolleginnen warteten schon längst im Bus, da schlenderte Lotta Schelin noch gelassen durch die Katakomben der Augsburger WM-Arena.

Fest im Griff hatte sie den Ball, mit dem ihr das entscheidende Tor zum 3:1 im Viertelfinale gegen Australien (Spielbericht) geglückt war.

Ein Souvenir von der WM, das sinnbildlich für die schwedischen Titelambitionen steht.

Nach Schelins erstem Turniertreffer wollen die Skandinavierinnen im Halbfinale gegen Japan am Mittwoch in Frankfurt/Main (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) vieles besser als die Deutschen machen.

Selbstbewusst in Torlaune

"Wir werden Tore schießen", versprach Rekordnationalspielerin Therese Sjögran, die den ersten Treffer gegen den Asienmeister Australien erzielt hatte - nach Vorarbeit Schelins.

"Deutschland war frustriert, weil kein Tor gefallen ist. Das wird bei uns anders laufen", sagte Sjögran. (428733DIASHOW: Bilder des Viertelfinals)

Selbstbewusstsein, das sich der Vize-Weltmeister von 2003 mittlerweile locker erlauben darf.

Beim Superstar platzt der Knoten

Nach dem Gruppensieg über den Topfavoriten aus den USA platzte nun auch bei Champions-League-Siegerin Schelin der Knoten, auch wenn die Stürmerin von Olympique Lyon nach eigener Aussage bislang auch ohne Tor ganz gut leben konnte.

"Ich habe gut gespielt, auch wenn ich nicht getroffen habe. Das Selbstvertrauen war immer da", sagte die 27-Jährige (DATENCENTER: WM-Ergebnisse).

Obwohl Schelin der Superstar im schwedischen Team ist und die größte Aufmerksamkeit auf sich zieht, fügt sie sich optimal ins funktionierende Kollektiv ein. Sie brachte aus Lyon den Logobitombo mit, das tänzerische Markenzeichen des Drei-Kronen-Teams.

"FIFA's next Topmodels"

Mit dem fröhlichen Gehopse nach jedem Tor versprühen die Schwedinnen in den WM-Stadien derart gute Laune, dass die Fans der DFB-Elf ihnen nicht einmal übel nahmen, der deutschen Nationalmannschaft den Olympia-Traum zerstört zu haben.

Wenn die Skandinavierinnen ausgelassen über den Platz tanzen oder mit deutschen Fans die Trikots tauscht, sind "FIFA's next Top-Models", wie die Schwedinnen mittlerweile liebevoll genannt werden, in ihrem Element.

Doch Trainer Thomas Dennerby achtet streng darauf, dass seine Mädels vor lauter Lockerheit den nächsten Gegner nicht unterschätzen.

Dennerby fordert Steigerung

So griff er ein, als ihm der Lauf seiner Elf nach dem deutlichen Sieg über Australien beinahe unheimlich wurde: "Wir haben nicht so gut verteidigt. Auch Druck und Ballbesitz haben mir gefehlt. Vielleicht waren wir nach dem USA-Spiel etwas müde."

Gegen Japan müsse eine klare Leistungssteigerung her.

"Eigentlich hatte ich mit Deutschland gerechnet", sagte Dennerby und warnte sofort vor den Asiatinnen: "Sie sind schnell, technisch versiert und wir haben zuletzt beim Algarve-Cup gegen sie verloren."

Warten auf Trainer-Auftritt

Die ernste Fassade kann aber auch Dennerby nicht lange aufrechterhalten. Dem Halbfinale blickt er "einigermaßen relaxt" entgegen, sieht er doch die "beste Angreiferin des Turniers" in seinen Reihen.

Auf Schelins Premieren-Treffer muss im schwedischen Team nun niemand mehr warten, auf den großen Auftritt des Trainers schon. Noch hat sich Dennerby dem Logobitombo-Kreis nicht angeschlossen.

Gelernt hat er den Tanz allerdings bereits. Das Warten geht weiter.

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