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Silvia Neid gewann 2007 als Trainerin mit der Nationalmannschaft den WM-Titel © getty

Bundestrainerin Silvia Neid antwortet auf die Kritik nach dem WM-Aus ihres Teams. Sie schließt dabei ihren Abgang nicht aus.

Von Christian Stüwe

München - Drei Tage nach dem bitteren Aus im Viertelfinale der Frauen-WM (Nachbericht) steht Bundestrainerin Silvia Neid im Zentrum der Kritik.

Selbst der Vater von Birgit Prinz schaltete sich in die Diskussionen ein und forderte den Rücktritt der 47-Jährigen (BERICHT: Neid-Debatte um die "Welttrainerin").

Nun meldete sich Neid selber zu Wort - und schließt einen Rücktritt nicht aus.

"Ich brauche jetzt erstmal Abstand. Erst wenn ich in ein paar Wochen wieder im Alltag angekommen bin, werde ich mich fragen: Was will ich eigentlich? Kann ich mich für eine EM in zwei Jahren nochmal motivieren? Und dann auch eine Antwort finden", sagte Neid im Interview mit der "Bild".

An einen sofortigen Rücktritt denke sie aber nicht. Auch der DFB stehe nach eigenem Bekunden hinter ihr.

"Das entscheiden ich und mein Arbeitgeber, der DFB", führte Neid weiter aus: "Und von dem bekomme ich volle Rückendeckung."(NEWS: DFB-Team verpasst Olympische Spiele in London)

Unmittelbar nach dem Scheitern hatte Neid einen Rückzug von ihrem Posten noch ausgeschlossen ("Ich verspüre keine Motivationsprobleme") und sich wenig selbstkritisch gezeigt.

Kritik von allen Seiten

Doch die heftige Kritik der vergangenen Tage hat bei der Bundestrainerin offenbar zum Umdenken geführt.

"Mir war klar, dass jetzt eine Schuldige gesucht wird - und dass es in erster Linie immer die Trainerin ist", sagte Neid: "Aber Sie können mir glauben: Auch für mich ist ein Traum zerplatzt."

Unter anderem hatten Rolf Hocke, Vizepräsident des DFB, Trainer Bernd Schröder vom Deutschen Meister Turbine Potsdam und Manager Siegfried Dietrich vom 1. FFC Frankfurt die Bundestrainerin kritisiert.

[kaltura id="0_3pyxif0g" class="full_size" title=""Alle hatten Tränen in den Augen""]

Neid weist Vorwürfe zurück

Die Vorwürfe des Vaters von Birgit Prinz, Neid habe jüngere und ältere Spielerinnen gegeneinander ausgespielt, wies sie allerdings rigoros zurück.(DATENCENTER: WM-Ergebnisse)

"Das ist total absurd. Vor der WM wurde das Thema von außen in die Mannschaft getragen?, erklärte Neid: ?Da habe ich alle Spielerinnen versammelt, wir haben uns in die Hand versprochen, dass wir uns von niemandem auseinander dividieren lassen. Birgit hat sich ja auch schon klar von den Aussagen ihres Vaters distanziert."

(WM-Kolumne: "Neid denkt, sie hätte alles richtig gemacht")

"Muss alles in Ruhe analysieren"

Eigene Fehler in der Vorbereitung und während des Turniers wollte Neid nach wie vor nicht einräumen.

"Ich habe das auch überlegt, aber ich weiß es nicht. Ich bin eine akribische Arbeiterin, habe mich mit meinem Team monatelang auf jedes Detail vorbereitet. Ich muss jetzt alles in Ruhe analysieren", sagte die frühere Nationalspielerin. (EINWURF: Vercoacht, verzockt, versagt)

Druck zu groß?

Als Grund für das frühe Scheitern des favorisierten deutschen Teams hat die Bundestrainerin den großen Erwartungsdruck ausgemacht, mit dem die Spielerinnen offenbar nicht fertig wurden.(423460DIASHOW: Die Fans der WM)

"Ich glaube, der Erwartungsdruck war am Ende doch zu groß. Jede Spielerin wollte das Beste bringen. Aber wenn man immer das Gefühl hat: Ich muss, ich muss, ich muss - dann verliert man seine Leichtigkeit", sagte Neid.

"Wir haben alles getan, seit 2009 einen Psychologen dabei und wirklich viele, viele Gespräche geführt. Aber dann sind 70.000 Fans im Stadion, die Spielerinnen lesen, dass 16 Millionen Menschen vor dem Fernseher saßen, die Menschen jubeln uns auf dem Weg ins Stadion zu - wie will man darauf vorbereitet sein?", fragte Neid.

"Diesen Druck, der dann entsteht, kann man nicht analysieren", erklärte die Trainerin.

Keine Angst vor der Zukunft

Sollte ihre Zeit als Bundestrainerin nach sechs Jahren tatsächlich zu Ende gehen, hätte Neid einige Alternativen parat.

"Es gibt sehr viele Möglichkeiten und einige Anfragen, auch aus Bereichen außerhalb des Fußballs. Ich weiß nur, dass ich keine Angst vor der Zukunft habe", so Neid.

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