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Bundestrainerin Silvia Neid holte 2007 mit der Nationalmannschaft den WM-Titel © imago

Der DFB-Präsident zeigt sich zuversichtlich, dass die Bundestrainerin weitermacht. Er spricht zudem über das weitere Vorgehen.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Frankfurt/Main - Auf Silvia Neid prasselt nach dem Aus bei der Heim-WM heftige Kritik ein.

Die Bundestrainerin muss sich taktische Fehler und Fehlentscheidungen bei den Wechseln im Viertelfinale gegen Japan (Nachbericht) vorwerfen lassen (428940DIASHOW: Zeugnis DFB-Frauen).

Nicht nur Hans-Jürgen Tritschoks, der Ex-Trainer vom 1. FFC Frankfurt und langjähriger Wegbegleiter von Birgit Prinz, stellt bei SPORT1 "spielerische Mängel" im Team fest (BERICHT: Tritschoks: "Das Team war kopflos").

Und die geballte Kritik geht scheinbar nicht spurlos an Neid vorüber.

"Ich brauche jetzt erst mal Abstand. Erst wenn ich in ein paar Wochen wieder im Alltag angekommen bin, werde ich mich fragen: Was will ich eigentlich?" sagte Neid der "Bild".

Rücktritt nicht ausgeschlossen

Die entscheidende Frage ist aus ihrer Sicht: "Kann ich mich für eine EM in zwei Jahren nochmal motivieren?" Darauf müsse sie eine Antwort finden.

Ein Rücktritt ist demnach nicht mehr auszuschließen.

Theo Zwanziger rechnet indes im Gespräch mit SPORT1 fest damit, dass Neid ihre Arbeit auch in Zukunft weiterführen werde.

Zwanziger stärkt Neid den Rücken

Zu einem möglichen Rücktritt von Neid meinte der DFB-Präsident: "Das kann ich mir nicht vorstellen."

Die Bundestrainerin wird sich laut Zwanziger jetzt noch die restlichen WM-Spiele anschauen, anschließend brauche sie "etwas Abstand" (BERICHT: Neid schließt Rücktritt nicht mehr aus).

"Wir werden dann reden. Meine Prognose ist: Wir bereiten uns danach auf das nächste größere Turnier, die EM, vor. Mit Silvia Neid als Bundestrainerin", sagte Zwanziger.

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"Wir müssen uns für die Zukunft unserer Frauen-Nationalmannschaft doch nicht ernsthaft Gedanken machen: Wir sind U-20-Weltmeister und U-19-Europameister. Wir haben derzeit den besten Nachwuchs der Welt. Es wird im Frauenfußball positiv weitergehen."

"Neid ist traurig und schockiert"

Und der große Frauenfußball-Förderer ließ im Gespräch mit SPORT1 wissen, er habe in den "vergangenen Tagen" viel mit der Bundestrainerin gesprochen.

"Silvia Neid leidet unter dieser Niederlage sicher mehr als viele andere. Sie ist traurig und schockiert über das frühe Ausscheiden", erklärte der DFB-Präsident.

"Daher kann sie natürlich noch nicht alles analysiert haben, was falsch oder richtig war Das muss man erstmal sacken lassen. Das akzeptiere und verstehe ich. Wir werden nicht vergessen, sie ist Welttrainerin des Jahres und hat als Trainerin und Spielerin viele große Titel mit Deutschland gewonnen."

[kaltura id="0_3pyxif0g" class="full_size" title=" Alle hatten Tr nen in den Augen "]

"Der DFB wird ihr Zeit geben"

Druck auf Neid auszuüben, das schließt Zwanziger kategorisch aus. "Der DFB wird der Trainerin jetzt Zeit geben. Was richtig und falsch war, kann nur sie selbst bewerten, weil sie die Spielerinnen durch die tägliche Arbeit am besten kennt."

Außerdem habe Neid angekündigt, "dass sie alles sehr kritisch beleuchten und schauen wird, ob und wo Fehler gemacht wurden. Auch von ihr."

Vielleicht werde sie aber auch zu dem Ergebnis kommen, fügte Zwanziger an, "dass Sport und Fußball eben einfach unwägbar sind, wie ich es schon direkt nach dem Japan-Spiel gesagt habe. Du kannst noch so viel in der Vorbereitung tun und wirst nicht belohnt. Das haben schon viele große Trainer erlebt."

Unterstützung von Niersbach

Rückendeckung erhält Silvia Neid auch vom Generalsekretär des DFB, Wolfgang Niersbach.

"Wir lassen uns nicht verrückt machen. Ich sehe die Silvia sicher auf ihrem Posten", sagte Niersbach der Nachrichtenagentur "dpa".

Das nächste Spiel, die EM-Qualifikation am 17. September gegen die Schweiz, werde Neid gewiss mit der "richtigen Motivation" angehen.

Ex-Nationalspielerin Steffi Jones stützt Neid gleichfalls.

"Ich möchte mich an den Diskussionen um einen möglichen Rücktritt nicht beteiligen. Ich wünsche mir, dass sie bleibt", meinte die Präsidentin des WM-Organisationskomitees.

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