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Homare Sawa erzielte bei dieser WM bereits drei Tore für Japan © getty

Vor dem Halbfinale gegen die Asiatinnen legen die Schwedinnen eine Taktik ad acta. Japan-Coach Sasaki setzt auf ein Schock-Erlebnis.

Von der Frauen-WM berichtet Mathias Frohnapfel

Frankfurt/Main - Damit sein Team bei der Frauen-WM triumphiert, greift Norio Sasaki zu durchaus eigenwilligen Motivationsmethoden (DATENCENTER: WM-Ergebnisse).

Vor der Partie gegen Deutschland zeigte Japans Trainer dem Team Bilder und Filmausschnitte vom verheerenden Erdbeben im März und der großen internationalen Hilfe danach (428733DIASHOW: Bilder des Viertelfinals).

"Ich habe das gemacht, um den Spielerinnen mehr Kraft zu geben, damit sie sich für Japan einsetzen", begründete er.

"Den Menschen in Japan Mut machen"

Auch vor dem Halbfinale gegen Schweden (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) will Sasaki die Mannschaft daran erinnern, dass sie siegen sollen, um "den Menschen in Japan Mut zu machen".

Fotos will er diesmal aber dafür keine verwenden.

Bereits kurz vor dem Turnier gab es ein Testspiel zwischen Japan und Schweden (1:1), beide Teams kennen einander also bestens.

Sasaki: "Der Kopf entscheidet"

Aus Sasakis Sicht wird nicht die Kondition auf dem Weg ins Finale entscheiden, sondern der Kopf.

"Wir mussten gegen Deutschland in die Verlängerung, Schweden spielte einen Tag nach uns. Für beide sind es harte Bedingungen, wir sind müde, aber nicht müder als Schweden."

Mit dem Finaleinzug würde Japans größter Erfolg bei einem internationalen Turnier feststehen.

"Wir dürfen jetzt nicht zufrieden sein", mahnte Sasaki, der eine solch trügerische Zufriedenheit 2008 bei den Olympischen Spielen erlebt hat.

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"Die anderen wollten Gold holen, wir waren glücklich im Halbfinale zu stehen", berichtet er von der Halbfinal-Pleite 2008 gegen die USA.

Diesmal hat Japan seiner Meinung nur ein Ziel: den Titel.

Kurze Vorbereitung ? viel Spaß

Davon träumt auch Schweden, Vizeweltmeister von 2003.

Drei Wochen hat Thomas Dennerby sein Team auf die WM vorbereitet, Bundestrainerin Silvia Neid tüftelte zweieinhalb Monate mit ihren Spielerinnen. Doch Schweden steht im Halbfinale, die DFB-Frauen schauen nach der Pleite gegen Japan zu.

"Die schwedische Art ist es, sich in der Liga vorzubereiten, unser Team war nicht so gestresst, als es dann los ging", erklärte Dennerby auf SPORT1-Nachfrage. "Wir fühlen uns gut."

Während Neid Angst hatte, die Klubs könnten ihr die Spielerinnen nicht fit genug übergeben, war dies für Schwedens Cheftrainer gar keine Frage, zumal die Stimmung im Team exzellent ist.

Schelin mit leichter Erkältung

Die "Tre Kronor" tanzen durchs Turnier, haben den "Logobitombo" immer mehr perfektioniert. Der Tanz aus Frankreich wird so zum Markenzeichen.

Starspielerin Lotta Schelin hat die Idee dazu von Olympique Lyon mitgebracht. Auch auf ihre Dynamik und Torgefährlichkeit hoffen die Skandinavierinnen.

Am Abschlusstraining am Dienstagabend nahm Schelin trotz einer leichten Erkältung teil, ihr Einsatz scheint nicht gefährdet.

Ein Tänzchen in der Umkleide

Sogar in der Kabine wird die Tanz-Choreographie eingeübt.

Und Dennerby lässt seine Truppe gewähren. "Wenn ich sie singen und tanzen sehe, fühle ich mich auch gut", sagte er. Außerdem: Mit guter Laune spiele sich eben auch besser Fußball.

Doch Dennerby weiß andererseits, dass die Japanerinnen nach dem Sieg über WM-Gastgeber Deutschland keinen Spaß verstehen.

"Fußball spielt man auf dem Boden"

Und auf die vereinfachte Formel: Riesinnen aus Schweden gegen Zwerginnen aus Japan will er sich genauso wenig einlassen.

"Fußball spielt man auf dem Boden", brummte Dennerby, der sogleich an die unglaublichen Fähigkeiten von Fußball-Floh Lionel Messi aus Barcelona erinnerte.

Besonders die Ideen von Homare Sawa, die gegen Deutschland den entscheidenden Pass gab, fürchtet Schwedens Trainer.

Japanisches Tempo beeindruckt

Und Annica Svensson gab sogar zu: "Ich war gestresst, als ich die Japanerinnen gesehen haben, wie schnell sie gespielt haben. Wer gegen Deutschland kein Tor zulässt, hat eine sehr starke Mannschaft."

Davon ist auch Sara Thunebro überzeugt, die in der Bundesliga für den 1. FFC Frankfurt spielt. "Wir müssen das Maximale rausholen", beschwörte sie ihre Teamkolleginnen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Japan: Kaihori - Kinga, Iwashimizu, Kumagai, Sameshima - Ohno, Sakaguchi, Sawa, Miyama - Ando, Nagasato

Schweden: Lindahl - Svensson, Larsson, Rohlin, Thunebro - Seger, Dahlkvist - Forsberg, Sjögran - Schelin, Öqvist

Schiedsrichterin: Carol Anne Chenard (Kanada)

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