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Silvia Neid ist seit 2005 Cheftrainerin der DFB-Frauen © getty

Trotz der großen Kritik an ihrer Person macht Silvia Neid weiter. Ihre Entscheidung gegen Birgit Prinz verteidigt sie weiterhin.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Frankfurt/Main - Silvia Neid hat sich schneller als erwartet entschieden und bleibt trotz der Kritik nach dem frühen Aus bei der Heim-WM Bundestrainerin der Frauen-Nationalmannschaft.

Das bestätigte die 47-Jährige nach einem Gespräch mit DFB-Präsident Theo Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt/Main.

"Nach dem auch für mich enttäuschenden Ausscheiden bei der WM brauchte ich ein paar Tage zum Nachdenken", sagte Neid, die mit ihrem Team als Titelverteidiger im Viertelfinale gegen Japan mit 0:1 nach Verlängerung ausgeschieden war (Nachbericht).

"Entscheidender Antrieb"

"Der große Zuspruch meiner Mannschaft und das Vertrauen, dass mir DFB-Präsident Dr. Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach noch einmal persönlich ausgesprochen haben, waren für mich der entscheidende Antrieb weiterzumachen. Ich freue mich auf die nächsten Herausforderungen."

Niersbach sprach von einer "guten Entscheidung für den Frauenfußball, dass Silvia Neid ihre Arbeit als Bundestrainerin fortsetzt und wir sind sicher, dass sie mit hoher Motivation das nächste große Ziel EM 2013 in Schweden angehen wird".

Die Bekanntgabe erfolgte überraschend. Neid hatte angekündigt, sich mit der Entscheidung über ihre Zukunft Zeit lassen zu wollen.

Neid kokettiert mit anderen Angeboten

"Es ist nicht gesagt, dass ich als Bundestrainerin aufhöre. Aber ich habe mehrere Optionen und Angebote, aus dem internationalen Fußball wie auch aus Bereichen außerhalb des Fußballs", sagte die Bundestrainerin der "Süddeutschen Zeitung".

Vor allem der immense Druck bei der Heim-WM habe den Spielerinnen zu schaffen gemacht, glaubt Neid. "Jede wollte besonders gut sein, ihr Bestes geben. Damit richtig umzugehen, war wohl der Knackpunkt."

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Rechtfertigungen im "schönsten Job"

Wenige Tage vor WM-Start hatten Neid und der DFB sich noch auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2016 geeinigt. Ihren Posten bezeichnete die Cheftrainerin noch Ende Juni überschwänglich als "den schönsten Job".

Nach dem abrupten Ende aller Titelträume im Viertelfinale musste Neid sich indes für jede ihrer Entscheidungen rechtfertigen: Für die lange Vorbereitung, für die Einwechslungen im Spiel gegen Japan und vor allem den Umgang mit Birgit Prinz. (BERICHT: Tritschoks: "Das Team war kopflos")

Und die Spielführerin bekam von Neid noch eine Breitseite ab: "Es macht doch wenig Sinn, in so einer Partie eine Spielerin zu bringen, die von sich selbst gesagt hat, dass sie sich bei der WM zu viel Druck gemacht hat."

Prinz "keine Einwechselspielerin"

Außerdem bekräftigte die Bundestrainerin, dass die 33-Jährige "keine Einwechselspielerin" sei.

Und sie machte öffentlich, dass Prinz am Donnerstag, also zwei Tage vor dem entscheidenden Spiel, das nichtöffentliche Training abgebrochen habe, weil sie sich "nicht gut gefühlt" habe.

"In dieser Verfassung konnte ich sie aus meiner Sicht nicht in einem Viertelfinale bringen."

Warten auf Zuspruch

Minimale Zweifel an ihrer eigenen Arbeit schimmern bei Neid dennoch durch. (BERICHT: Neid schließt Rücktritt nicht mehr aus)

"Im Januar wurde ich noch als Welttrainerin ausgezeichnet, und jetzt soll ich alles verlernt haben?", fragt sie. Auf Zuspruch und die Antwort, dass sie natürlich keine Nachhilfe im Fußball-Einmaleins brauche, scheint Neid zu warten.

Freimütig berichtete sie von Aufmunterung durch Kanzlerin Angela Merkel und Bundestrainer Jogi Löw sowie einem langen Gespräch mit Berti Vogts: "Es ist gut zu merken, dass nicht alle auf einen einschlagen".

[kaltura id="0_3pyxif0g" class="full_size" title=" Alle hatten Tr nen in den Augen "]

Unterstützung von Zwanziger

Unterstützung erfuhr sie zudem von DFB-Boss Theo Zwanziger.

"Der DFB wird der Trainerin jetzt Zeit geben. Was richtig und falsch war, kann nur sie selbst bewerten, weil sie die Spielerinnen durch die tägliche Arbeit am besten kennt", sagte Zwanziger im Gespräch mit SPORT1 und erinnerte an Neids große Verdienste für den Frauenfußball.

Einen Rücktritt der Trainerin, so Zwanziger, könne er sich nicht vorstellen. (BERICHT: Zwanziger glaubt nicht an Neid-Rücktritt)

"Ich wünsche mir, dass sie bleibt"

Zur Gruppe derjenigen, die Neid stützen, gehören auch DFB-Generalsekretär Wolfsgang Niersbach und WM-OK-Chefin Steffi Jones ("Ich wünsche mir, dass sie bleibt").

Aus der Frauen-Bundesliga kommt derweil von Potsdams Meistercoach Bernd Schröder ebenso geballte Kritik wie von Frankfurts Manager Siegfried Dietrich. Explizit fordert aber keiner aus diesem Kreis Neids Rücktritt.

Viele Nationalspielerinnen dürften derweil frohn darüber sein, dass Neid ihren Vertrag erfüllt. Linda Bresonik erklärte, dass eben das ganze Team Fehler gemacht habe und Stürmerin Inka Grings würde es "sehr schaden" finden, wenn Neid hinwerfen sollte.

Angerer mit Selbstkritik

"Jeder trägt eine Teilschuld, ich hoffe, dass Silv bleibt", sagte auch Nadine Angerer der "Bild". Und offen erklärte die Keeperin zum Gegentor in der 108. Minute: "Da sehe ich nicht gut aus." (428940DIASHOW: Zeugnis DFB-Frauen)

An den Folgen der Viertelfinal-Pleite müssen die DFB-Frauen noch lange kauen, die Olympischen Spiele 2012 finden ohne sie statt. "Wir haben ein neues Ziel: die EM 2013 in Schweden", sagte Angerer, die ihre Karriere auf jeden Fall fortsetzen will.

Zurück bleibt immenser Frust. Die älteren Spielerinnen Inka Grings (32) und Nadine Angerer (32) wollen nach eigener Aussage trotz der WM-Pleite weitermachen, Kerstin Garefrekes (31) hat sich noch nicht geäußert.

Die Trainerin heißt Neid

Neid würde diese drei Routiniers gerne weiterhin im Team haben. Am 17. September werde im EM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz eine deutsche Nationalmannschaft auf dem Platz stehen, meinte Neid noch vor ihrer Entscheidung weiterzumachen.

"Und es sollte auch eine Trainerin dabei sein." Diese wird Silvia Neid heißen. So viel steht nun fest.

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