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Homare Sawa (M.) erzielte gegen Schweden bereits ihren vierten Treffer bei der WM © getty

Der Deutschland-Schreck schlägt Schweden und steht zum ersten Mal im WM-Endpiel. Die "Tre Kronor" verspielen eine frühe Führung.

Von der Frauen-WM berichtet Mathias Frohnapfel

Frankfurt/Main - Was für ein großer Abend für Japans Frauen-Nationalteam! Zum ersten Mal in der Geschichte erreicht Japan das WM-Finale. Und das hochverdient.

Nach einer technisch glänzenden Leistung besiegten die Japanerinnen Schweden mit 3:1. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Die Skandinavierinnen fanden kaum Mittel gegen das blitzsaubere japanische Spiel und wirkten in einigen Sequenzen nervös und unkonzentriert.

Die Tore für Japan erzielten Doppelpackerin Nahomi Kawasumi (19., 64.) sowie Homare Sawa (60.). Für Schweden traf Josefine Öqvist (10.).

Japan hatte bereits im Viertelfinale die DFB-Frauen ausgeschaltet und trifft nun am Sonntag im Finale auf die USA, die sich zuvor mit 3:1 gegen Frankreich durchgesetzt hatten (Spielbericht).

Schweden muss auf Spielführerin verzichten

Das Halbfinale begann schon vor Anpfiff unglücklich für Schweden.

Trainer Thomas Dennerby wollte die gleiche Formation wie im Viertelfinale gegen Australien ins Rennen schicken. Doch ausgerechnet Spielführerin Caroline Seger verletzte sich beim Aufwärmen. Für sie spielte Marie Hammarstrom. (429851DIASHOW: Die Bilder der Halbfinals)

Japans Trainer Norio Sasaki nahm im Vergleich zur Partie gegen Deutschland eine Änderung vor und brachte Nahomi Kawasumi für die Potsdamer Angreiferin Yuki Nagasato.

Und die Partie vor 45.434 Zuschauern startete unterhaltsam, schon nach 19 Minuten hieß es 1:1.

Riesenbock von Sawa

Nach einem Riesenbock von Homare Sawa, die vor der Abwehr direkt in die Beine von Josefine Öqvist spielte, hatte Schwedens Stürmerin keine Mühe aus zehn Metern zur Führung zu vollstrecken.

Und natürlich tanzten Schwedens Spielerinnen den "Logobitombo", der Tanz war ja zwischenzeitlich ihr Turnier-Markenzeichen geworden.

Doch die Freude der "Tre Kronor" währte nur wenige Minuten, die spielfreudigen Japanerinnen kombinierten sich auf der linken Seite durch. Aya Miyama flankte präzise in die Mitte, wo Kawasumi eine Fußspitze eher als zwei Schwedinnen am Ball war (19).

Nach Japans Ausgleich verlor das schwedische Spiel rasch an Linie, bis zur Halbzeit standen daher auch 62 Prozent Ballbesitz für die Japanerinnen zu Buche.

Schelin kann sich nicht in Szene setzen

Auch Starspielerin Lotta Schelin vermochte sich nicht in Szene zu setzen, passte indes einen Ball ins Nirgendwo (32.).

Ganz anders die flinken und hochkonzentrierten Japanerinnen, die vor der Pause durch Kawasumi (28). und einen gut gezirkelten Freistoß von Myama brauchbare Chancen hatten.Doch Schwedens Torfrau Hedwig Lindahl lenkte den Ball um den Pfosten (34.).

Insgesamt agierten die Skandinavierinnen zu einfallslos, während Japan mit viel Selbstvertrauen auftrat. Auch die kraftzehrende Verlängerung im Match gegen Deutschland schien dem Weltranglisten-Vierten nicht mehr in den Beinen zu stecken.

Ohno mit Lattenkracher

Dieser Eindruck blieb auch nach der Pause erhalten, Shinobu Ohno feuerte per Lattenkracher aus 20 Metern gleich einen Warnschuss ab (47.).

Schwedens Coach Dennerby beobachtete das Geschehen mit saurer Miene, zumal der Ball wie von einem Magneten angezogen immer wieder bei den Japanerinnen landete.

Und die wurden nach einer Stunde belohnt: Sawa machte ihren Patzer aus dem ersten Abschnitt wieder gut und besorgte per Kopf das 2:1.

Schwedens Keeperin Lindahl hatte zuvor Probleme mit einem hohen Ball, parierte aber noch gegen Kozue Ando. Den Abpraller schnappte sich aber Japans mit fünf WM-Teilnahmen erfahrenste Spielerin.

Lindahl im Mittelpunkt

Wenig später stand erneut Lindahl im Mittelpunkt, als sie nach einem langen Pass retten wollte und direkt vor die Füße von Kawasumi klärte. Die nahm den Ball wunderschön volley und schickte ihn aus 22 Metern auf eine lange, aber unaufhaltsame Reise ins Tor.

Mit dem 3:1 im Rücken spielten die Japanerinnen weiter gezielt nach vorne, nun kam auch die Turbine-Spielerin Nagasato für Doppeltorschützin Kawasumi (74.).

Die Schwedinnen versuchten nun mehr Druck in der Offensive zu entwickeln, allerdings blieben viele Aktionen des WM-Zweiten von 2003 Stückwerk.

Zuschauer applaudieren Japan

Das neutrale Publikum hatte die "Nadeshiko" ("Prachtnelke"), so der Spitzname für Japans Team, längst auf seiner Seite. "Steht auf, wenn ihr Japan seid", skandierten die Zuschauer, während die vielen schwedischen Anhänger im Stadion längst verstummt waren.

Am Ende feierten die Japanerinnen überschwänglich den Finaleinzug

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