vergrößernverkleinern
Die Japanerinnen bejubeln den Finaleinzug nach dem Sieg gegen Schweden © getty

Nach dem Sieg über Schweden redet niemand mehr Japans Pass-Riesinnen klein. Das Team denkt stolz an ihre Hilfe für die Heimat.

Von der Frauen-WM berichtet Mathias Frohnapfel

Frankfurt/Main - Fußball kann so einfach und schön sein. "Wir haben von Kindheit an gelernt, den Ball auf dem Boden zu spielen", sagte Nahomi Kawasumi und packte damit Japans Erfolgsgeheimnis in die Nussschale eines einzigen Satzes.

Die Stürmerin hatte bei Japans 3:1-Sieg über Schweden (Spielbericht) mit zwei Toren kräftig mitgeholfen, dass ihr Team erstmals bei einer Frauen-WM im Finale steht.

Das wirklich Erstaunliche war an diesem Abend in Frankfurt aber nicht der japanische Erfolg, sondern wie klar er letztlich zu stande gekommen war.

Wie bei "Hase und Igel"

Obwohl die Schwedinnen ihre Rivalinnen im Wortsinn um Längen überragten, verriet die Statistik am Ende 60 Prozent japanischen Ballbesitz.

"Wir wollten auch im Halbfinale unserem Stil treu bleiben", kommentierte Kawasumi (429851DIASHOW: Die Bilder der Halbfinals).

Und das gelang: Wie bei "Hase und Igel" grüßten fast immer die technisch bestens ausgebildeten Japanerinnen mit einem "Bin schon da", wenn die Schwedinnen den Ball erobern wollten.

Trainer Norio Sasaki hatte dabei ein goldenes Händchen, als er Kawasumi statt der Potsdamerin Yuki Nagasato von Anfang an brachte.

"Ich habe ihr gesagt, sie soll angreifen und helfen zu verteidigen. Ich habe ihr aber nicht gesagt, zwei Tore zu schießen", berichtete Sasaki mit einem zufriedenen Lächeln.

Ein Sieg für die Heimat

"Wir hatten uns vorgenommen unbedingt das Finale zu erreichen und sind jetzt sehr stolz".

Und natürlich sei der Erfolg auch ein Sieg für die nach dem Erdbeben vom März arg gebeutelte Heimat gewesen.

"Was wir bisher getan haben, ist sehr gut für Japan. Das Land muss sich immer noch von dem Beben erholen, in dem betroffenen Gebiet sind die Schäden gewaltig", sagte Sasaki auf SPORT1-Nachfrage.

Und schob hinterher: "Auch kleine Dinge können den Menschen jetzt wieder Mut machen."

Was es heißt zu kämpfen und nicht zu resignieren, hatten die Japanerinnen zuvor demonstriert.

Nach dem frühen Rückstand, den Spielführerin Homare Sawa mit einem katastrophalen Fehlpass auf Josefine Öqvist verursacht hatte, ließen sich die Asiatinnen nicht aus dem Konzept bringen.

Vom eigenen Spiel überzeugt

"Wir waren überzeugt, unser Spiel zu machen und unseren Rhythmus zu finden", meinte dazu Aya Miyama.

Die 1,57 Meter große Japanerin entging immer wieder traumwandlerisch den langen Beinen ihrer schwedischen Gegenspielerinnen auf der linken Seite: Sara Larsson (1,74) und Annica Svensson (1,66). So war es auch vor ihrer Flanke zum zwischenzeitlichen 1:1.

Und Pechvogel Sawa bügelte ihren Patzer nach einer Stunde mit dem Tor zum 2:1 aus. In der Halbzeit hatte sich Japans Frauenfußball-Legende (fünf WM-Teilnahmen) bei ihren Teamkolleginnen sogar entschuldigt.

Mit vier WM-Treffern liegt die Spielmacherin nun auch in der WM-Torjägerliste alleine auf Platz 1.

Ein Dankeschön an die Welt

Nach Abpfiff packte auch die 32-Jährige beim riesigen Banner an, mit dem Japans Team fröhlich winkend über den Platz marschierte. "To our friends around the world: Thank you for your support" ("Unseren Freunden auf der ganzen Welt: Danke für eure Unterstützung"), stand darauf.

Es war ein großes Merci an die Fans, aber auch eine Dankeschön-Geste für die internationale Hilfe nach der Erdbeben- und der Atomkatastrophe, wie Trainer Sasaki erklärte. Den Bestimmungen gemäß war der Inhalt des Plakats auch von der FIFA abgesegnet worden.

Fans kommen trotz Deutschlands Ausscheiden

Die neutralen Fans unter den 45.434 Zuschauern hatten die Japanerinnen zu diesem Zeitpunkt eh schon in ihr Herz geschlossen.

Anders als befürchtet waren die meisten deutschen Karteninhaber nach Frankfurt gekommen, auch wenn anders als erhofft Japan und nicht die DFB-Frauen um den Finaleinzug kämpften (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Für Schwedens Anhang war indes das Halbfinale genauso ernüchternd verlaufen wie für die Spielerinnen. Verschnupft und den Tränen nahe gab Lotta Schelin ehrlich zu: "Die Japanerinnen haben es echt gut gemacht, wir hatten nicht wirklich die Chance an den Ball zu kommen."

Schelin: "Bin sehr enttäuscht"

Und Schwedens Starspielerin war anzusehen, wie gerne sie nach dieser Pleite jetzt irgendwo anders gewesen wäre als in den Katakomben des WM-Stadions.

"Ich bin sehr frustriert und enttäuscht. Natürlich wollen wir jetzt noch im Spiel um Platz drei eine Medaille holen; aber das ist im Moment noch so weit weg."

Am Samstag treffen die Schwedinnen auf Frankreich, das den USA ebenfalls mit 1:3 unterlag. "Die Japanerinnen waren heißer auf den Sieg als wir", gestand auch Coach Thomas Dennerby.

"Und sie können auch den USA gefährlich werden", fügte er mit Blick auf das Endspiel am Sonntag an. Daran zweifelte nach Japans Auftritt von Frankfurt ohnehin niemand.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel