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Die US-Amerikanerinnen holten drei Mal Gold bei Olympischen Spielen © getty

Beflügelt vom Glauben an die eigene Stärke streben die US-Girls in Richtung Titel. Pia Sundhage verrät das Rezept für das Finale.

Von der Frauen-WM berichtet Andreas Messmer

Mönchengladbach - Es bereitet Freude, andere zu verblüffen. Nach einem Finaleinzug gilt das wohl besonders.

Pia Sundhage fand nach dem 3:1-Halbfinalsieg gegen Frankreich (Bericht) jedenfalls sichtlich Gefallen daran.

"Wir haben nicht gut gespielt", räumte die Trainerin der USA freimütig ein, betonte aber im gleichen Atemzug: "Ich bin extrem stolz auf die Art und Weise, wie wir gewonnen haben."

Wie passte das nun zusammen?

Alle hatten eine Lobeshymne der Trainerin auf die eigene Leistung erwartet, wie man sie bislang vom US-Team gewohnt war.

Immerhin können sich die USA am Sonntagabend im Endspiel gegen Japan mit ihrem dritten Titel nach 1991 und 1999 zum alleinigen Rekordchampion krönen (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Nervenstärke, Wille und Wambach

Die entsprechend pathetische Erklärung hatte Sundhage dann doch parat: "Wir haben gewonnen, weil wir mit dem Herzen dabei waren." Ihr Team war gegen die Französinnen in einer Phase zurückgekommen, als das Spiel auf der Kippe stand und die Gegnerinnen furios anstürmten.

Nachdem Frankreichs Sonia Bompastor in der 55. Minute die Führung durch Lauren Cheney (9.) egalisiert hatte, drängten die technisch versierteren "Bleues" mit Vehemenz auf den zweiten Treffer.

Doch die US-Girls sträubten sich mit Nervenstärke und unbändigem Willen gegen das drohende Aus. Und diese Winner-Mentalität gab schließlich den Ausschlag.

Wie schon beim dramatischen Viertelfinaltriumph über Brasilien (Bericht) war es Superstar Abby Wambach, die das Blatt mit einem wuchtigen Kopfballtreffer wendete (79.).

"Wenn es hart auf hart kommt, kämpfen wir uns durch und halten zusammen", sagte die Torschützin: "Wir glauben aneinander."

"Sobald wir wechseln, wird unser Team besser"

Dass ausgerechnet die Star-Stürmerin das Kollektiv heraushob, war typisch für das Auftreten der USA bei diesem Turnier (429851DIASHOW: Die Bilder der Halbfinals).

Zwar legen alle Spielerinnen seit Wochen geradezu überbordendes Selbstvertrauen an den Tag, doch sie beziehen sich bei ihren Aussagen stets auf den gesamten Kader inklusive Trainer- und Betreuerstab.

Trainerin Sundhage gestand sogar offen eigene Versäumnisse ein, um zugleich ihr Trainerteam zu loben.

"Heute beging ich Fehler bei der taktischen Ausrichtung, doch meine Assistenten halfen mir und veränderten das Mittelfeld, als Frankreich die stärkste Phase hatte."

Die Einwechslung der agilen Megan Rapinoe (65.), die Leben und Struktur ins Offensivspiel zurückbrachte, erwies sich als entscheidend. Mit Alex Morgan besorgte ausgerechnet eine weitere Einwechselspielerin den Endstand (82.).

"Sobald wir einwechseln, egal aus welchem Grund, wird unser Team jedes Mal besser", befand Wambach. Das zeichne diese Mannschaft aus.

Neue Generation tritt aus dem Schatten

Beflügelt vom Glauben an die eigene Stärke strebt das US-Team dem Titelgewinn entgegen - und tritt durch den Finaleinzug endlich aus dem Schatten der Generation um Mia Hamm, den "Golden Girls", die vor zwölf Jahren den letzten WM-Titel für die USA holten.

"Wir haben unsere eigene Geschichte zu schreiben", sagte Wambach, "das ist unsere Reise, unser Traum. Und eine ganze Nation steht dabei hinter uns."

Tatsächlich ist das US-Team wieder Gesprächsthema in den Staaten, das Medieninteresse wächst seit dem Viertelfinal-Krimi gegen Brasilien enorm.

"Unser Sport ist nicht so populär zuhause. Wir sind nur Nummer fünf auf der Liste, doch jetzt schauen plötzlich alle zu", schilderte Verteidigerin Ali Krieger gegenüber SPORT1. "Sogar Prominente interessieren sich für uns, das ist toll."

Die First Lady kommt nicht

First Lady Michelle Obama wird entgegen anderslautender Vermutungen aber nicht beim Finale in Frankfurt sein.

"Michelle Obama ist zwar sehr fußballinteressiert, aber sie und ihr Mann werden nicht erscheinen", sagte der US-Botschafter Philipp D. Murphy der "Frankfurter Rundschau": "Alles andere ist nur ein Gerücht gewesen."

Mit welchem Rezept die USA im Endspiel gegen die filigranen Japanerinnen bestehen wollen, verriet Trainerin Sundhage schließlich auch noch.

Es würden mehrere Faktoren entscheidend sein, sagte die 51-Jährige auf SPORT1-Nachfrage: "Taktisches Geschick, amerikanische Einstellung und 21 Spielerinnen, die das auf den Platz bringen."

Verblüffen konnte sie damit am Ende aber niemanden mehr.

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