In seiner SPORT1-Kolumne schildert Bernd Schröder wie es mit Silvia Neid weitergeht und erklärt die Stärken der WM-Finalisten.

Hallo Fußball-Freunde,

Silvia Neid hat sich entschieden, trotz des Ausscheidens bei der WM ihren Vertrag beim DFB zu erfüllen. (BERICHT: Neid freut sich auf neue Herausforderungen)

Es geht jetzt darum, gemeinsam mit der Bundestrainerin die Probleme zu lösen, die wir nach dieser WM im deutschen Frauenfußball haben. Das gilt auch für den Nachwuchsbereich, der aus meiner Sicht ein ganz labiles System darstellt.

Ich war etwas überrascht, dass Silvia Neid Rücktrittsgedanken hegte. Manchmal gibt es aber Momente im Leben, in denen jemand vielleicht etwas Unüberlegtes sagt.

Wir müssen uns zusammensetzen und schauen, dass wir die konstruktive Kritik im Sinne der Sache beachten. Oberflächliche Rufe nach außen nützen uns nichts. Das hilft dem Frauenfußball nicht weiter.

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Es gilt nun, unser System zu überdenken und zu überlegen, wie wir mit der Bundesliga vorankommen. Zudem müssen wir darauf achten, wie wir die Position, die der deutsche Frauenfußball hat, festigen. Alleingänge können wir da nicht gebrauchen, es geht um einen Konsens mit allen Beteiligten.

Zum krönenden Abschluss der WM treffen im Finale am Sonntag Japan und die USA aufeinander.

Wenn ich ehrlich bin, war ich vor dem Turnier nicht überzeugt, dass die Amerikanerinnen dies schaffen würden. Doch sie sind eben eine typische Turniermannschaft, haben sich stark gesteigert.

Enorm wichtig war das Spiel gegen Brasilien, als sie in der letzten Minute der Verlängerung den Ausgleich erzielt und im Elfmeterschießen die Nerven behalten haben. Sie haben mit Herz und Leidenschaft gespielt.

Gegen Frankreich waren die USA zwar nicht das bessere Team, da auch Torwartfehler eine Rolle spielten. Doch die Torfrau Berangere Sapowicz wurde auch unter Druck gesetzt (Spielbericht).

Die Japanerinnen haben überzeugende Einzelspielerinnen, können daher ein sehr genaues Passspiel aufziehen. Sie haben eine gute Grundordnung, schöpfen darin aber auch die Kreativität ihrer Spielerinnen sehr gut aus (Spielbericht: Japan schreibt WM-Geschichte).

Die Japanerinnen besitzen im Moment eine Art goldene Generation, haben sich trotz der Trainingsausfälle nach dem Erdbeben mental sehr gut auf die WM-Partien eingestellt.

Und Japans Trainer Norio Sasaki ist bereit, über den Tellerrand zu schauen, einen Blick darauf zu werfen, wie die Mannschaften in Europa spielen.

Das Finale wird aus meiner Sicht eine Partie auf Biegen und Brechen.

Die Voraussetzungen für beide Teams sind gleich, beide haben mit dem Endspiel schon sehr viel erreicht, bei beiden werden Motivation und Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten riesig sein.

Es wird letztlich darauf ankommen, welche Mannschaft dem anderen Team ihre Spielweise aufzwingen kann.

Euer Bernd Schröder

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