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Steffi Jones stand als Spielerin 111-mal für Deutschland auf dem Platz © getty

Die Übergabe der Trophäe wäre für die OK-Chefin Glanzpunkt eines bestens organisierten Turniers und Pointe eines besonderen Lebenswegs.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Frankfurt/Main - Plötzlich war Steffi Jones richtig sauer.

"Bitte haben Sie Verständnis, dass es hier und heute um die Frauen-WM gehen soll", sagte die Präsidentin des WM-Organisationskomitees.

Das "Bitte" hätte sie sich auch sparen können. Es war eine Aufforderung.

In diesem Moment drohte gerade die Pressekonferenz vor dem Eröffnungsspiel in Berlin immer mehr in eine von ihr nicht gewünschte Richtung zu laufen.

Die Korruptionsverdächtigungen rund um die FIFA und die Einschätzungen von Sepp Blatter zum Thema drohten alles zu überlagern.

WM als Zuschauer-Hit

Fast drei Wochen sind seitdem vergangen, die WM in Deutschland ist trotz des frühen Ausscheidens der Gastgeber im Viertelfinale ein Erfolg.

Zu den Vorrunden-Partien kamen 597.644 Zuschauer, was einem Schnitt von 24.902 entspricht (423460DIASHOW: Die Fans der WM). Mit den K.o.-Spielen ist diese Quote sicher weiter nach oben gegangen.

Tränen nach Ausscheiden

Jones - OK-Präsidentin hin oder her - weinte ratlos nach Deutschlands WM-Aus. Darüber, dass Deutschland es nicht ins Halbfinale schaffen würde, hatte sich die Ex-Nationalspielerin zuvor gar keine Sorgen gemacht. (Nachbericht)

"Es ist schon etwas verloren gegangen", gab sie angesprochen auf die Stimmung im Land zu. Doch wie könnte es auch anders sein?

Mittlerweile blickt Jones aber bereits mit Vorfreude auf das Finale USA gegen Japan ( DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Überreicht Jones den Pokal?

Und wenn die deutschen Nationalspielerinnen gerade einmal mit dem Fernglas einen Blick auf den WM-Pokal werfen können, wird die 38-Jährige dem Objekt der Begierde ganz nahe kommen.

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Eventuell darf sie den Pokal sogar überreichen. Entschieden ist das noch nicht, womöglich übernimmt stattdessen FIFA-Präsident Blatter die ehrenvolle Aufgabe.

"Ich würde mich freuen, wenn ich das machen dürfte", sagt Jones.

Für sie wäre das ein glanzvoller Punkt eines besonderen Lebenswegs.

In Frankfurt geboren, wuchs sie als Tochter einer Deutschen und eines US-Soldaten auf, erlebte die Trennung der Eltern und war kurzzeitig in Gefahr, von den Problemen im schwierigen Viertel Bonames aufgesogen zu werden.

Fußball als Hilfe gegen Vorurteile

Der Fußball half ihr in diesen Momenten.

Und er war ihr auch eine Stütze gegen Vorurteile. Im Kindergarten wurde sie wegen ihrer Hautfarbe beschimpft. Trost kam von ihrer Mutter mit dem Hinweis, dass andere sich für ihre Haut ins Sonnenstudio legen würden.

"Ich durfte später spüren, wie ich von anderen unterstützt wurde", erzählte sie in diesen Tagen auf SPORT1-Nachfrage.

[kaltura id="0_3pyxif0g" class="full_size" title=" Alle hatten Tr nen in den Augen "]

"Was bist du für ein Depp?"

Als ich bei einem Turnier einen Preis überreicht habe, sagte ein Fan zu einer Spielerin: "Jetzt hast du 'ner Negerin die Hand geschüttelt", berichtet Jones.

"Ich war erstmal total baff, die anderen schimpften: 'Was bist du für ein Depp!' Der drehte sich dann um, ging weg. Ich habe erlebt, wie mir andere geholfen haben."

Zusammenzuhalten gegen Vorurteile und Rassismus, diesen Effekt wünscht sich Jones auch von der WM.

Einsatz für Integration

Auch die FIFA schätzt diesen Ansatzpunkt von Jones´ Arbeit.

"Sie hat sich schon früh für Integration eingesetzt", erklärt Federico Addiechi, FIFA Leiter der Abteilung Soziale Verantwortung, im Gespräch mit SPORT1.

Und er nimmt mit Bezug auf die WM ein Lob vorweg, das von FIFA-Boss Sepp Blatter nicht anders ausgesprochen werden könnte. "Steffi Jones hat mit ihrem Team eine hervorragende Leistung gebracht. Es zeigt, dass sie auf das Beste vorbereit waren."

Und auch das nicht ausverkaufte Halbfinale in Mönchengladbach trübt seine Einschätzung nicht:

"Es ist sehr schön, dass die Stimmung in Deutschland so toll war. Die Organisation war toll, das ist ein hervorragendes Resultat, mit dem die FIFA sicher zufrieden ist"

Alltag Frauen-Bundesliga folgt

Natürlich ist sich auch Jones bewusst, dass nach der WM wieder der Alltag mit der Frauen-Bundesliga folgt.

"Wir haben keine falschen Erwartungen geschürt und immer eine realistische Einschätzung vertreten, wie es nach der WM weitergehen kann", sagte sie der Nachrichtenagentur "dpa".

"Ich weiß aber auch, dass wir nicht in den Dimensionen von 10.000 Zuschauern leben dürfen. Was man machen kann: Verstärkt für den Verein und Frauenfußball werben - jeder Verein, jede Stadt für sich", fordert sie.

"Die Frauen-Bundesliga muss eben in sich noch etwas stärker und attraktiver werden. Auch wir als DFB werden uns dieser Verantwortung stellen und eng mit den Vereinen kooperieren."

Nach dem Schlusspfiff des Finales soll ja erst die Zukunft des Frauenfußballs in Deutschland richtig beginnen.

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