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Birgit Prinz (r.) absolvierte seit 1994 214 Länderspiele für Deutschland © getty

Die ausgebootete Kapitänin tritt gegen die Bundestrainerin nach. Sie kritisiert mangelnde Kommunikation und die Vorbereitung.

Von Eric Böhm

München - Knapp eine Woche nach dem überraschenden Viertelfinal-K.o. gegen Japan (Nachbericht) hat Birgit Prinz ihr Schweigen gebrochen.

Die nach zwei schwachen WM-Auftritten zur Reservistin degradierte Kapitänin attackierte Bundestrainerin Silvia Neid in einem Interview mit der Nachrichtenagentur "dpa" aufs Schärfste.

"Sie hat sich einerseits zu mir gestellt, aber andererseits durch die Auswechslungen gleichzeitig wieder zum Abschuss freigegeben", beklagte Prinz ( DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Prinz "emotional erregt"

In den ersten beiden Spielen gegen Kanada (2:1) und Nigeria (1:0) tauschte Neid die 33-Jährige jeweils unmittelbar nach der Pause aus, danach war die Stürmerin plötzlich völlig außen vor.

Die dreimalige Weltfußballerin des Jahres war nach ihrer Ausbootung gegen die Afrikanerinnen "emotional sehr erregt."

Auch als gegen Japan das Halbfinale auf dem Spiel stand und im Angriff absolut nichts zusammenlief, war ein Einsatz der deutschen Rekordtorschützin für Neid offenbar kein Thema.

Atmosphärische Störungen

"Frust und Enttäuschung sitzen sehr tief. Ich war mir sicher, dass ich der Mannschaft helfen kann", erklärte Prinz.

Neben der nachvollziehbaren sportlichen Kritik - nach nur zwei missglückten Spielhälften warf Neid ihr Konzept über den Haufen - gab es offenbar auch atmosphärische Störungen.

"Die Kommunikation zwischen Silv (Neids Spitzname, Anm. der Red.) und den älteren Spielerinnen ist nicht so gut gelaufen", kritisierte die 214-malige Nationalspielerin.

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Treffender Vergleich

Prinz bemängelte zudem, dass sie ohne Vorwarnung im Regen stehen gelassen wurde: "Natürlich fand ich es nicht so toll, was sie in der Öffentlichkeit teilweise erzählt hat, was nicht abgesprochen war."

Mit ihrer Vorgehensweise habe die Bundestrainerin der gesamten Mannschaft keinen Gefallen getan.

"Durch ihre Entscheidung hat sie meine Rolle als Kapitänin ins Wanken gebracht. Die Rollen im Team wurden unklarer", vermisste Prinz den nötigen Rückhalt: "Abby Wambach hat für die USA vor dem Turnier auch nicht getroffen, dennoch hat man weiter auf sie gesetzt.

Mangelhafte Vorbereitung

Für das frühe aus machte die Torschützenkönigin der WM 2003 jedoch die mangelnde mentale Vorbereitung der Mannschaft auf die Drucksituation im eigenen Land verantwortlich.

"Der immense Druck ist leider erst zum Thema geworden, nachdem ich meine Pressekonferenz gemacht hatte. Vorher wurde immer nur gesagt, wir sollen die hohen Zuschauerzahlen und TV-Quoten positiv sehen", erklärte Prinz (423460DIASHOW: Die Fans der WM).

Der Stachel sitzt so tief, dass sie sogar überlegt, die Einladung des DFB zum WM-Endspiel auszuschlagen.

"Das WM-Aus ist noch nicht lange genug her, um einfach so ein Fußballspiel genießen zu können", meinte die Frankfurterin, die sich trotz allem noch einmal ein Gespräch mit Neid suchen möchte.

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