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Am Ende ist nur Jubel: die Jena-Fans Heidi Semprich und Sigrid Meißner beim Public © getty

DB Schülerreporter Max Zerfaß hat das Public Viewing der WM mit 2006 verglichen und festgestellt: Gefeiert wurde, aber anders.

Von DB Schülerreporter Maximilian Zerfaß

Dresden - Füße rutschen nervös hin und her. Schweiß rinnt von der Stirn. Es ist heiß auf der Liegewiese des Georg-Arnold Bads in Dresden, die Bäume bieten keinen Schutz vor der stechenden Sonne.

Immer wieder greift Heidi zu ihrer Wasserflasche, ihre Begleiterin Sigrid fächert sich mit dem Programmheft frische Luft zu. Ihre Blicke weichen nicht von der großen Leinwand, die sich in neun Metern Abstand vor ihnen erhebt.

Mitfiebern im Liegestuhl

Heidi Semprich und Sigrid Meißner sind Fans des USV Jena. Sie sind Leiden gewöhnt, immerhin spielt Jena in der Bundesliga gegen den Abstieg. An diesem Tag aber wollen sie sich von Weltklassefußball verzücken lassen.

In Dresden steigt das letzte Viertelfinale der WM zwischen Brasilien und der USA und die beiden Thüringer sind live dabei. Live? Nicht ganz, immerhin trennen Sie rund 100 Meter vom Grün des Rudolf-Harbig-Stadions. In Liegestühlen verfolgen die Freundinnen das Spiel auf der Fanmeile hinter dem Stadion.

Ihre Männer fiebern auf der Tribüne in der Arena mit. "Wenn sich Mann und Frau um Tickets für das WM-Viertelfinale streiten, haben wir weiblichen Interessenten leider keine Chance", sagt Heidi und lacht. Die beiden sind nicht verärgert, sie genießen die Atmosphäre beim Public Viewing.

Fanfest der anderen Art

Das Wir-Gefühl auf den Fanmeilen soll auch bei der Frauen WM nicht fehlen. Bei der WM 2006 im eigenen Land begeisterte die Nationalmannschaft der Männer die Massen mit Herz und Leidenschaft. Die Fans teilten diese Tugenden. Deutschland glich einer Partyhochburg.

Jung und Alt feierten Seite an Seite. Das Bier floss in Mengen, Fangesänge erfüllten über Wochen die Straßen. Bei der WM 2010 in Südafrika: Das gleiche Bild. Allein in Dresden zählten die Veranstalter nach der Vorrunde der WM vor einem Jahr über 45.000 Besucher.

Auch bei der Frauen WM treffen sich Fußballbegeisterte auf den Fanmeilen, um zu feiern - jedoch in viel kleineren Dimensionen und auf andere Art.

Stimmung wie beim Familienausflug

Das Spiel der WM-Favoriten Brasilien und USA ist nicht hochklassig, aber spannend. Aus dem Stadion schallt das Klatschen der Fans. Begeisterung, die das Publikum beim Public Viewing nicht teilt. Ruhig und entspannt verfolgen die Fans das Spiel auf zwei großen Leinwänden.

Sie sitzen auf Decken, haben einen vollen Picknickkorb mitgebracht. Bier trinken die Fans auch beim Frauenfußball. Kinder hüpfen singend durch die Reihen. Die Veranstaltung gleicht einem Familienausflug.

Das Gras der Liegewiese wirkt abgenutzt, überall finden sich kahle Stellen. Erstaunlich, denn immerhin haben sich nur rund 1.000 Menschen auf der Fanmeile eingefunden. Der große Andrang der Fans bleibt aus.

"Frauenfußball muss man erst mal lernen"

Es ist vieles anders als im vergangenen Sommer: nicht nur die Resonanz der Fans, sondern auch ihr Verhalten. Emotionen? Fehlanzeige. Lethargie, die keine ist, wie Falko Maiwald erklärt. Er moderiert die Show rund um das Public Viewing, sorgt für die Unterhaltung bei Groß und Klein.

Für ihn sind fehlende Emotionen keine Überraschung. "Frauenfußball muss man erst mal lernen, dazu gehört auch die Bildung einer Fankultur", sagt Maiwald und verabschiedet sich in Richtung Biergarten. Während des Spiels hat er Pause.

Schreien, Klatschen, Schiedsrichter-Schelte

"Was soll das denn?", schimpft Heidi. Eine Fehlentscheidung bringt endlich Leben auf die Fanmeile. Die Schiedsrichterin lässt einen Strafstoß fälschlicherweise wiederholen. Brasilien gleicht die Führung der Amerikaner aus.

Eine Farce, die das zuvor stille Publikum hinter dem Stadion empört. Jetzt wachen die Menschen auf. Das bis eben noch neutrale Publikum spaltet sich in zwei Parteien. Schreien, Klatschen, Schiedsrichter-Schelte. Heidi und Sigrid sympathisieren mit den US-Girls und fühlen sich betrogen.

Es hält sie nicht mehr in ihren Liegestühlen, der Fächer liegt in Einzelteilen im Gras. Die Verlängerung und das Elfmeterschießen kostet Nerven, doch am Ende ist nur Jubel.

Weitere Informationen findet Ihr unter www.db-schuelerreporter.de.

Theresa Lambrich (15), Clemens Waadt (17) und Maximilian Zerfaß (17) berichten als DB Schülerreporter für SPORT1 von der Frauen-WM. Sie sind drei von neun Jugendlichen, deren Artikel bei SPORT 1 und weiteren Medienpartnern der Deutschen Bahn erscheinen. Doch nur einer darf vom Finale berichten. Wer das sein soll, entscheiden Sie auf der Website der DB Schülerreporter!

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