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Abby Wambach (M.) traf im Halbfinale zum 2:1 gegen Frankreich © getty

Im WM-Finale zwischen den USA und Japan setzen die selbstbewussten US-Girls auf ihre Torjägerin. Japan hofft auf den dritten Coup.

Von der Frauen-WM berichtet Andreas Messmer

Frankfurt am Main - Die DFB-Frauen werden beim Endspiel der WM am Sonntagabend dabei sein, doch geplant war eigentlich alles ganz anders.

Die deutschen Spielerinnen werden nur auf der Tribüne sitzen, anstatt auf dem Rasen ihren Titel zu verteidigen.

Sie müssen zusehen, wie sich die USA oder Japan vor den Augen der Weltöffentlichkeit die Krone aufsetzen werden (So., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Es wird ein schwacher Trost sein, dass sie dabei die wohl spannendste Final-Konstellation erleben, die denkbar war:

Auf der einen Seite die US-Girls, die mit Wucht und unbändigem Willen bis ins Endspiel vorgestoßen sind, auf der anderen die filigranen Asiatinnen (429851DIASHOW: Die Bilder der Halbfinals), die die Favoriten Deutschland und Schweden mit Kombinationsstärke und taktischem Geschick entzaubert haben.

Mit Konzept zum Titel

Die Japanerinnen sind die Überraschung des Turniers, mauserten sich binnen weniger Tage vom Geheimtipp zum Turnierfavoriten. Doch worin liegt ihr Erfolgsgeheimnis?

"Wir spielen einfach schneller als der Gegner", meint die Potsdamer Stürmerin Yuki Nagasato.

Das höhere Tempo ist der eine große Vorteil, das Spielkonzept von Trainer Norio Sasaki der andere. "Die Spielerinnen wissen, was sie zu tun haben", sagt der Coach.

Seine Schützlinge verschieben clever, doppeln bereits im Mittelfeld geschickt und bringen die Gegner mit langen Ballstafetten zur Verzweiflung.

Allein dass die Japanerinnen ein durchdachtes taktisches Konzept verfolgten, unterschied sie auf dem Weg ins Finale vom Großteil der Konkurrenten.

"Ich bin sehr beeindruckt, wie sie spielen", räumt US-Trainerin Pia Sundhage ein.

Japan plant den nächsten Favoritensturz

In ihrem ersten WM-Finale peilen die "Nadeshiko" nun gegen die Weltranglistenersten den nächsten Favoritensturz an.

"Wir haben vorher auch noch nie gegen Deutschland oder Schweden gewonnen. Das ist unsere Chance, es ein drittes Mal zu schaffen", sagt Homare Sawa, die mit bislang vier Treffern gute Aussichten auf den goldenen Schuh für die beste Torschützin hat.

Die 33-Jährige ist die Taktgeberin im japanischen Spiel, bei dem wie in einem Uhrwerk ein Rädchen ins andere greift.

"Sie gibt ihrer Mannschaft den Puls", weiß US-Spielerin Christie Rampone, die Sawa noch aus ihrer Zeit in der US-Profiliga kennt, nicht ohne Respekt.

"Im Endspiel zu stehen, reicht uns längst nicht"

Allzu viele Worte wollten die US-Girls allerdings nicht über den Gegner verlieren.

In ihrem Selbstverständnis sind die 90 Minuten gegen Japan ohnehin nur noch Formsache, ehe sie den dritten Titel nach 1991 und 1999 bejubeln können.

Unerschütterlich beschwören sie den Glauben an die eigene Stärke. Keeperin Hope Solo ist sich sicher: "Die Welt wird im Finale hinter uns stehen."

Und Angreiferin Abby Wambach meint: "Es ist unsere Zeit. Davon haben wir alle geträumt seit wir kleine Kinder waren. Im Endspiel zu stehen, reicht uns längst nicht."

"Air Wambach" erneut im Blickpunkt

Die 1,81 Meter große Angreiferin könnte gegen die Asiatinnen erneut zur entscheidenden Figur werden.

Die 31-Jährige war per Kopf zur Stelle, als es im Viertelfinale gegen Brasilien und im Halbfinale gegen Frankreich darauf ankam.

"Air Wambach" und "Her Airness" nennen die US-Medien die Stürmerin bereits.

Im Kader der Japanerinnen ist Verteidigerin Saki Kumagai mit 1,71 Meter noch die größte.

"Aus unserer physischen Stärke müssen wir Kapital schlagen", fordert Wambach deshalb.

Um den Glauben an das eigene Vermögen zu unterstreichen, fanden Wambach und Co. vor dem Finaltag einen weiteren Weg.

"Legenden wachsen unter Druck", lautete der Aufdruck auf den Shirts, die sie selbstbewusst zur Schau trugen.

Die deutschen Frauen dürfen es als ungeplanten Seitenhieb verstehen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

USA: Solo - Krieger, Rampone, Sauerbrunn, LePeilbet - Lloyd, Boxx - O'Reilly, Cheney - Rodriguez (Morgan), Wambach

Japan: Kaihori - Kinga, Iwashimizu, Kumagai, Sameshima - Sakaguchi, Sawa - Ohno, Miyama - Ando, Kawasumi

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