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Steffi Jones (l.) spielte von 1993 bis 2007 in der Nationalmannschaft © getty

Abgesehen vom Dopingskandal um Nordkorea zeigt sich nicht nur Sepp Blatter mit der WM zufrieden. Zwanziger bleibt aber skeptisch.

Von der Frauen-WM berichtet Andreas Messmer

Frankfurt am Main - Am Ende trübte nur der Moschus-Hirsch die Begeisterung der WM-Organisatoren.

Einen Tag vor Turnierende zogen die Verantwortlichen von FIFA, WM-Organisationskomitee und DFB eine positive Bilanz, zeigten sich aber schockiert über fünf positive Dopingfälle (News: Dopingskandal weitet sich aus) im nordkoreanischen Nationalteam.

Laut Jiri Dvorak, dem medizinischen Direktor der FIFA, habe der nordkoreanische Verband die Dopingfälle mit der Verabreichung einer traditionellen chinesischen Medizin begründet:

Dabei handele es sich um ein Drüsenextrakt des Moschushirschen.

"Wir sind mit einem groben, bösen Dopingfall konfrontiert", sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter. "Das schmerzt. Natürlich ist das ein Schock."

14 Steroide im Drüsenextrakt

14 Steroide fanden die Ärzte bei der Analyse des Extrakts, vier davon stehen auf der Dopingliste. "Es ist ein klarer Fall verbotener Substanzen", erklärte Dvorak.

Laut nordkoreanischem Verband hätten die Spielerinnen die Flüssigkeit von ihrem Mannschaftsarzt erhalten, die im Vorfeld der WM im Training vom Blitz getroffen wurden.

Mit dem Blitzschlag-Unfall hatte der nordkoreanische Trainer nach dem ersten Spiel gegen die USA die schwache Leistung seiner Spielerinnen begründet.

Ob es diesen mit Sicherheit gegeben habe, konnten die FIFA-Ärzte nicht bestätigen.

"Wir haben lediglich einen Bericht der Ärzte bekommen und Bilder mit Ambulanzen gesehen, auf dem Spielerinnen vom Spielfeld gebracht wurden", sagte Dvorak.

Sanktionen stehen noch nicht fest

Das gesamte Team Nordkoreas war untersucht worden, nachdem die Tests der Spielerinnen Song Jong Sun und Jong Pok Sim vor dem letzten Gruppenspiel positiv ausgefallen waren.

Dabei deckten die Kontrolleure drei weitere Fälle auf. Welche Sanktionen es gegen den nordkoreanischen Verband geben wird, steht noch nicht fest.

"Was jetzt passiert mit dem Verband und der Mannschaft, ist Sache der Disziplinarkommission", erklärte Blatter.

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Positive WM-Bilanz

Abgesehen von den Dopingfällen zog der FIFA-Boss aber ein positives Turnierfazit.

"Ich bin ein sehr zufriedener Präsident", sagte Blatter.

"Die Frauen und natürlich auch Deutschland sind die großen Gewinner der WM. Die Begeisterung blieb, obwohl die deutsche Elf im Viertelfinale ausgeschieden ist."

DFB-Präsident Theo Zwanziger zeigte sich ebenfalls zufrieden:

"Die WM hat alle Erwartungen übertroffen. Wir haben stärkere und schwächere Spiele gesehen, und wir haben stärkere und schwächere Schiedsrichterleistungen gesehen."

Zwanziger bezweifelt Boom

Dass die Endrunde allerdings einen Boom in der Frauen-Bundesliga zur Folge haben wird, bezweifelt er.

"Es wird nachhaltig wirken, international und insbesondere gesellschaftlich. Wer aber glaubt, dass das einfach auf die Frauen-Bundesliga übertragen werden kann, hat keine Ahnung von Fußball", sagte Zwanziger.

Die WM hätte einen positiven Effekt gehabt, doch es brauche noch eine ganze Zeit, um die Liga auf ein attraktiveres Niveau zu heben.

Jones: "Habe jeden Moment genießen dürfen"

Steffi Jones, Chefin des Organisationskomitees, hob die Begeisterung des Publikums während der WM hervor.

"Es war und ist eine sensationelle Resonanz in den Stadien."

782.000 von 900.000 Karten seien abgesetzt worden. Ihr Resümee: "Ich habe jeden Moment genießen dürfen."

Ob Jones am Sonntagabend dem Sieger des Finales den WM-Pokal überreichen darf, steht indes noch nicht fest.

"Es wird sicher ein Gerangel geben. Ich weiß nicht, ob Steffi Jones den Pokal übergibt, denn der Bundespräsident ist ja auch noch da", sagte FIFA-Boss Blatter:

"Ich übergebe diese Aufgabe gerne an jemand anderen, so wie ich es auch bei U-17-WM in Mexiko getan habe. Wenn man mich auf den Platz lässt, werden wir sicher eine Lösung finden."

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