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Shinobu Ohno (l.) hat in bisher 91 Länder- spielen 35 Tore erzielt © getty

Im WM-Finale 2011 geht es um mehr als den Titel. Die Japanerinnen kämpfen für ihr gebeuteltes Land. Den USA winkt ein Rekord.

Von der Frauen-WM berichtet Andreas Messmer

Frankfurt/Main - Japan und die USA streben am Abend im WM-Endspiel nach dem historischen Triumph (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Für beide Mannschaften geht es dabei auch um die Verarbeitung ihrer eigenen Geschichte.

Die Japanerinnen wollen ihrem Land vier Monate nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe ein Stück Selbstwertgefühl zurückgeben.

"Sie spielen um etwas Größeres und Besseres als das Spiel", sagt US-Keeperin Hope Solo. "Sie sind die emotionalen Favoritinnen des Turniers."

Wie einst die Helden von Bern

Japans Trainer Norio Sasaki hatte seinen Spielerinnen vor dem Viertelfinale gegen Deutschland (Bericht) noch einmal die Bilder aus den Katastrophengebieten gezeigt (429851DIASHOW: Die Bilder der Halbfinals).

"Das hat uns Kraft gegeben. Meine kleinen Mädchen haben große Dinge geleistet", sagt er.

In ihrem ersten Finale und als zweites asiatisches Team überhaupt, das in einem WM-Endspiel steht, wollen die "Nadeshiko" nun die Sensation perfekt machen.

Und damit ihrem gebeutelten Land Hoffnung schenken. Ähnlich, wie es 1954 den Helden von Bern in Deutschland gelungen war.

US-Girls wollen aus dem Schatten treten

Das US-Team kämpft derweil um den dritten Titel nach 1991 und 1999. Mit einem Sieg würden sich die USA zum alleinigen Rekord-Champion krönen.

Zwölf Jahre nach dem letzten WM-Sieg hat das Team von Pia Sundhage die Chance, endlich aus dem Schatten der 99er-Generation um US-Idol Mia Hamm zu treten.

Das Medieninteresse in den USA stieg in den vergangenen Tagen rapide.

"Es geht nicht mehr um die Mia Hamms, Brandi Chastains und Julie Foudys", freut sich Lauren Cheney: "Jetzt spricht man von Abby Wambach oder Shannon Boxx."

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SPORT1 hat die Fakten zum Spiel.

Personal:

Bei den USA kehrt Rachel Buehler nach abgesessener Rot-Sperre an Stelle von Becky Sauerbrunn in die Innenverteidigung zurück.

Der "Buehldozer", wie sie von ihren Mitspielerinnen aufgrund ihrer zweikampfbetonten Spielweise genannt wird, könnte gegen die flinken, aber physisch schwächeren Japanerinnen wichtig werden.

Amy Rodriguez wird im 4-4-2 des US-Teams wohl trotz Formschwäche erneut als zweite Spitze neben Wambach auflaufen.

Japans Coach Sasaki wird wohl dem gleichen Team wie beim Halbfinalsieg gegen Schweden das Vertrauen schenken.

Spielerinnen im Fokus:

Bei den USA stehen Top-Vorbereiterin Lauren Cheney (zwei Tore, 3 Vorlagen) und Sturmstar Abby Wambach (drei Tore, eine Vorlage) im Blickpunkt.

Letztere bewies im Viertel- und im Halbfinale jeweils in den Schlussminuten ihren Killerinstinkt.

Auf Seiten der Japanerinnen wird viel von Spielmacherin Homare Sawa (vier Tore, eine Vorlage) und Mittelfeldspielerin Aya Myama (ein Tor, drei Vorlagen) abhängen.

Stadion und Prominenz:

"Sieht nach einem guten Ort aus, um ein Turnier zu gewinnen", schrieb Hope Solo unter ein Foto der Frankfurter Arena, das sie am Abend vor dem Spiel auf ihrer Facebookseite gepostet hatte. Über 18.000 ihrer virtuellen Fans stimmten zu.

48.817 Zuschauer werden das Spiel in der ausverkauften Arena verfolgen.

Unter ihnen werden auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Sonntag ihren 57. Geburtstag feiert, und Bundespräsident Christian Wulff sein.

Anstatt Michelle Obama wird Jill Biden, die Frau des amerikanischen Vizepräsidenten, den US-Girls auf der Tribüne die Daumen drücken.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

USA: Solo - Krieger, Rampone, Buehler, LePeilbet - Lloyd, Boxx - O'Reilly, Cheney - Rodriguez, Wambach

Japan: Kaihori - Kinga, Iwashimizu, Kumagai, Sameshima - Sakaguchi, Sawa - Ohno, Miyama - Ando, Kawasumi

Schiedsrichterin: Bibiana Steinhaus (Deutschland)

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