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Abby Wambach (M.) erzielte drei Turniertreffer und bereitete ein Tor vor © getty

Die US-Girls greifen nach dem Titel. Was ist ihr Erfolgsgeheimnis? Schülerreporter Max Zerfaß ist auf Spurensuche gegangen.

Von DB Schülerreporter Maximilian Zerfaß

Mönchengladbach - Der Ball wird lang und länger, der Rasen ist nass, die Flugbahn unberechenbar. Im Hechtsprung liegt Hope Solo in der Luft. Die Augen der amerikanischen Torhüterin zeigen Entsetzen, sie ist machtlos. Das Netz wackelt. Ausgleich.

Es ist die 55. Spielminute im Halbfinale zwischen den USA und Frankreich, das Spiel wieder offen. Hängende Köpfe und Schuldzuweisungen sind eigentlich typische Reaktionen auf Gegentore. Doch bei den US-Girls: Fehlanzeige. Sie bilden einen Kreis, pushen sich gegenseitig.

Teamgeist als Erfolgsgeheimnis

35 Minuten später stand fest: Die US-Girls stehen im WM Finale. 3:1 lautete das Endergebnis. Dorthin hatte sie allerdings nicht spielerischer Glanz oder technische Raffinesse gebracht. Denn den besseren Fußball hatten eindeutig die Französinnen gespielt. Wie schon im Viertelfinale gegen Brasilien war für das US-Team eine Mischung aus Glauben und mannschaftlicher Geschlossenheit das Mittel zum Sieg.

Die Erfolgsstory der US-Girls ist zugleich die Geschichte des Phänomens, das man als gemeinhin als "Teamgeist" bezeichnet. In der entscheidenden Phase gegen Frankreich wurde erneut deutlich, wie viel Selbstvertrauen und Kraft die "Stars and Stripes" aus dem außergewöhnlichen Zusammenhalt ihrer Truppe ziehen.

Kollektiv steht im Vordergrund

Das klingt ungewöhnlich, immerhin lieben die Amerikaner Einzelschicksale. In Hollywood werden Helden wie Superman oder Batman geboren. Die Individualisten stehen im Vordergrund, die Medien lieben Heldengeschichten. Im rund 9.000 km entfernten Mönchengladbach zählte dagegen an diesem Abend nur das Kollektiv.

Das beste Beispiel lieferte Mittelfeldspielerin Megan Rapinoe, die nach ihrer Einwechslung das Angriffsspiel der US-Girls ankurbelte. Ein Übersteiger, eine Körpertäuschung, vorbei am Gegner. Sie brachte den Glauben zurück ins Spiel der US-Girls. "Ich wollte unserem Spiel mit meiner Energie von der Bank einen Kick geben", sagte Rapinoe später.

"Wenn es hart auf hart kommt, halten wir zusammen"

"Nichts ist unmöglich", lautet das Motto, das alle 21 Spielerinnen im US-Kader verinnerlicht haben. Abby Wambach gibt dem Selbstvertrauen ein Gesicht. Der Star der Mannschaft konnte bisher nicht überzeugen, doch in den entscheidenden Phasen war sie da. Im Halbfinale war sie es, die den Ball zur erneuten Führung per Kopf in die Maschen wuchtete (79.).

Bei der anschließenden Pressekonferenz wollte aber auch die Angreiferin nicht über sich reden. Den Preis für die beste Spielerin der Partie bezeichnete sie als Preis der Mannschaft.

"Wenn es hart auf hart kommt, halten wir zusammen", sagte sie, den Blick eindringlich auf die Journalisten gerichtet, als würde sie ihre Gesprächspartner mitreißen wollen. Fast schon eine Prise zu viel Pathos lag in ihrem Auftritt.

Strahlende US-Girls als willkommene Abwechslung

Drang zur Dramatik, übertriebene Gestik und Lobgesänge sind dieser Tage der ständige Begleiter des US-Teams. Sie schwimmen auf einer Welle der Euphorie. Die Duelle gegen Brasilien und Frankreich haben gezeigt, dass die US-Auswahl zwar nicht den besten Fußball spielt, dafür aber den Traum vom Titel lebt wie keine der anderen Mannschaften.

"Egal, ob in der 100., 101. oder 102. Minute, wir glauben an uns und den Erfolg", meinte Wambach. Diese Euphorie steckt an, auch zu Hause in den USA. Sogar NBA-Star LeBron James gratulierte nach dem Sieg gegen Brasilien via Twitter.

Den USA droht der finanzielle Kollaps, die Regierung kann sich vor Kritikern kaum retten. Da sind die siegenden US-Girls eine willkommene Abwechslung. Immerhin ist es auch der amerikanische Traum, den sie vorleben: Gemeinsam kann man vieles erreichen, wenn man nur hart genug dafür arbeitet.

Wambach: "Wir werden Weltmeister!"

Man kann vieles erreichen. Aber auch alles? Das ist die Frage vor dem Finale gegen Japan. Die Asiatinnen waren bislang das spielstärkste Team der WM. Sie kauften den Titelfavoriten Deutschland und Schweden mit Kombinationsstärke und taktischem Geschick den Schneid ab.

Die USA halten Teamgeist und Glauben dagegen und steuern unbeirrt in Richtung Titel. Steuerfrau Wambach ist sich sicher: "Wir werden Weltmeister!"

Weitere Informationen findet Ihr unter www.db-schuelerreporter.de.

Theresa Lambrich (15), Clemens Waadt (17) und Maximilian Zerfaß (17) berichten als DB Schülerreporter für SPORT1 von der Frauen-WM. Sie sind drei von neun Jugendlichen, deren Artikel bei SPORT 1 und weiteren Medienpartnern der Deutschen Bahn erscheinen. Doch nur einer darf vom Finale berichten. Wer das sein soll, entscheiden Sie auf der Website der DB Schülerreporter!

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