vergrößernverkleinern
Japan ist zum ersten Mal in seiner Geschichte Fußball-Weltmeister der Frauen © getty

Die Asiatinnen setzen sich nach einem dramatischen Spiel die WM-Krone auf. Die US-Girls verspielen eine zweimalige Führung.

Von der Frauen-WM berichtet Andreas Messmer

Frankfurt am Main - Japans Nationalelf der Frauen hat Geschichte geschrieben. Mit 3:1 im Elfmeterschießen besiegten die Japanerinnen in einem dramatischen Endspiel die USA und sicherten sich ihren ersten Weltmeistertitel. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Die Führung für die USA erzielte Alex Morgan (69.). Japans Aya Miyama traf in der 81. Minute zum Ausgleich.

Wambach brachte die USA in der Nachspielzeit erneut in Führung (104.), doch Homare Sawa schlug erneut zurück (117.).

Im Elfmeterschießen verwandelte Saki Kumagai den entscheidenden Elfmeter. Azusa Iwashimizu war in der 120. Minute nach einer Notbremse vom Platz geflogen.

Sawa wurde mit fünf Treffern WM-Torschützenkönigin und erhielt auch den Goldenen Ball für die Spielerin des Turniers. "Wir haben immer an uns gelaubt und verdient gewonnen. Wir sind total glücklich. Jetzt sind wir die Nummer eins der Welt!", sagte sie nach dem Spiel.

Furioser Start des US-Teams

Vor 48.817 Zuschauern im ausverkauften Frankfurter WM-Stadion begannen die US-Girls wie entfesselt. (431410DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Sekunden nach Anpfiff schlug Megan Rapinoe den Ball links in die Spitze. Lauren Cheney setzte sich energisch gegen Azusa Iwashimizu durch und zog links im Strafraum aus spitzem Winkel ab. Ayumi Kaihori im Tor der Japanerinnen vereitelte mit einem Reflex den frühen Rückstand.

US-Trainerin Sundhage hatte zwei Änderungen vorgenommen. Rachel Buehler spielte nach abgesessener Rotsperre an Stelle von Becky Sauberbrunn in der Innenverteidigung.

Rapinoe war anstatt Amy Rodriguez in die Startelf gerückt und wirbelte im linken Mittelfeld, weshalb Cheney als zweite Spitze agierte. Sundhages Umstellung erwies sich als Glücksgriff.

Wambach trifft die Latte

In der 9. Minute flankte Rapinoe von links ans erste Fünfereck, doch Cheney drückte den Ball Zentimeter am Tor vorbei. Nur Sekunden später strich der Ball nach einem satten Schuss von Wambach nur haarscharf über die Querlatte.

Die Japanerinnen fanden gegen die physisch überlegenen US-Amerikanerinnen in der Anfangsphase nicht zu ihrem Rhythmus. Das Team von Trainer Norio Sasaki leistete sich viele Fehlpässe im Spielaufbau.

Diese Verunsicherung nutzte das US-Team und blieb am Drücker - sehr zum Gefallen tausender USA-Fans auf den Rängen, die ihre Stars ausdauernd nach vorne peitschten.

Die emsige Rapinoe scheiterte in der 18. Minute nach Doppelpass mit Cheney am linken Außenpfosten. Wambach zimmerte den Ball in der 28. Minute aus 16 Metern an den Querbalken.

Ando mit Japans erster Chance

Erst in der 31. wurde es zum ersten Mal auf der Gegenseite brenzlig. Shinobu Ohno passte überlegt halblinks in die Schnittstelle, doch Kozue Ando schoss aus spitzem Winkel in die Arme von US-Keeperin Hope Solo.

In der Schlussphase der ersten Hälfte befreiten sich die Japanerinnen aus der Umklammerung und gestalteten das Spiel bis zur Pause ausgeglichen.

"Joker" Morgan sticht

Die US-Spielerinnen starteten nach dem Seitenwechsel schwungvoll, das Pech im Abschluss blieb ihnen aber vorerst treu. In der 49. Minute passte Heather O'Reilly von rechts flach in den Strafraum. Die für Cheney eingewechselte Alex Morgan setzte den Ball aus kurzer Distanz an den rechten Pfosten.

In der 65. Minute rettete Japans Torfrau Kaihori ihr Team erneut vor dem Rückstand. O'Reilly flankte aus dem rechten Halbfeld. "Air Wambach" köpfte aus neun Metern aufs Tor, doch Kaihori lenkte den Ball über die Querlatte.

In der 69. Minute platzte dann der Knoten: Rapinoe schlug den Ball hoch in die Spitze. Dort schüttelte Morgan mit einem beherzten Antritt Kumagi ab und feuerte den Ball aus 15 Metern rechts unten in die Maschen.

Ausgleich aus dem Nichts

Die USA nahmen nun Tempo aus dem Spiel. Die Japanerinnen spielten wieder zielstrebiger nach vorne. Der Ausgleich in der 81. Minute fiel trotzdem überraschend.

Buehler grätschte im eigenen Strafraum in eine Flanke und schoss dabei Mitspielerin Krieger an, die den Ball nicht kontrollieren konnte. Miyama nutzte die Verwirrung und stocherte den Ball aus sechs Metern ins Tor. Beim 1:1 blieb es bis zum Ende der regulären Spielzeit, es ging in die Verlängerung.

Sawa schlägt zurück

Beide Teams lauerten nun auf Fehler des Gegners und scheuten eigenes Risiko. In der 104. Minute war es dann wieder einmal Wambach, die im entscheidenden Moment zur Stelle war.

Morgan flankte von links mittig vors Tor und Wambach wuchtete den Ball per Kopf aus fünf Metern zur umjubelten Führung in die Maschen - ihr viertes Turniertor.

Als sich das US-Team mental schon auf den Jubel vorbereitete, schlug Japan in Person von Sawa erneut zurück, die nach einer Ecke per Hacke einnetzte.

USA versagen die Nerven

Das Elfmeterschießen musste die Entscheidung bringen, wo den US-Girls schließlich die Nerven versagten. Boxx, Lloyd und Heath scheiterten allesamt, nur Wambach konnte ihren Elfmeter verwandeln.

Bei Japan scheiterte lediglich Nagasato an Keeperin Hope Solo, Miyama, Sakaguchi und schließlich Kumagai schoßen die Treffer zum WM-Sieg.

Die Japanerinnen feierten ausgelassen den Triumph, während die US-Spielerinnen bitter enttäuscht auf den Rasen sanken.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel