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Japans Frauen-Nationalteam wurde zum ersten Mal in seiner Geschichte Weltmeister © getty

Nach dem sensationellen Sieg über die USA glaubt Japans Trainer Sasaki an die Schicksalsmächte. Die US-Girls sind untröstlich.

Von der Frauen-WM berichtet Andreas Messmer

Frankfurt am Main - Um Punkt 1.44 Uhr, mehr als zwei Stunden nach Abpfiff des WM-Finales, war es endlich soweit.

Der Mannschaftsbus mit den frischgebackenen Weltmeisterinnen aus Japan setzte sich im Schritttempo in Bewegung und schob sich durch eine Traube singender und trommelnder japanischer Fans (431410DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Hunderte "Nadeshiko"-Anhänger hatten vor der Frankfurter Arena ausgeharrt, um einen Blick auf ihre Heldinnen zu erhaschen, die an diesem Abend Historisches geleistet hatten.

Weltmeisterliche Comeback-Qualitäten

Durch ein 3:1 im Elfmeterschießen gegen die Favoritinnen aus den USA (Spielbericht) hatten die Spielerinnen von Norio Sasaki den ersten Weltmeistertitel für Japan errungen, nachdem es nach Verlängerung 2:2 gestanden hatte (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Wir hatten Glück im Elfmeterschießen und ich habe definitiv auch Unterstützung von meinem Fussballgott bekommen", sagte der Trainer.

Zweimal, als alles schon gelaufen schien, hatten seine Spielerinnen unglaubliche Comeback-Qualitäten bewiesen.

Erst glich Aya Miyama in der Schlussphase der regulären Spielzeit (82.) die Führung durch Alex Morgan (69.) aus. Und kurz vor Ende der Nachspielzeit egalisierte Homare Sawa (117.) die erneute US-Führung durch Abby Wambach (104.).

"Wir wollten etwas für Japan tun"

Im Elfmeterschießen avancierte anschließend die japanische Torfrau Ayumi Kaihori zur Volksheldin.

"Es ist für Japan keine leichte Zeit, und ich habe das Gefühl, dass wir den Menschen dort etwas Freude machen und ihnen Mut geben konnten", sagte die 24-Jährige. "Das war für uns immer die Motivation. Wir wollten etwas für Japan tun."

Sasaki hatte seinen Spielern bereits vor dem Viertelfinale gegen Deutschland die TV-Bilder der Tsunami-Katastrophe vorgespielt.

Die Spielerinnen waren tief berührt und von diesem Zeitpunkt an fest entschlossen, ihrem geschundenen Land ein wenig Freude zurückzugeben. "Was wir geschafft haben, ist gut für unser Land", resümierte Sasaki.

Nervenstärke und Killerinstinkt

Dabei hatte sein Team im Endspiel durch Qualitäten geglänzt, die im Vorfeld eher den Gegnerinnen zugeschrieben wurden: Nervenstärke und Kaltschnäuzigkeit.

Die physisch überlegenen US-Girls waren über weite Strecken der Partie die bessere Mannschaft, erspielten sich ein deutliches Chancenplus. Die Japanerinnen hatten hingegen lange Zeit Mühe, ihr berüchtigtes Kurzpassspiel aufzuziehen. "Wir konnten unser Spiel nicht wie geplant entfalten", räumte Sasaki ein.

Doch beide Male, als sich die US-Spielerinnen mental schon auf die Feierlichkeiten einstellten, schlugen die "Prachtnelken" zurück.

"Wir haben immer an uns geglaubt, deshalb ist es auch nicht unverdient, dass wir gewonnen haben", sagte Sawa, die die Auszeichnung als beste Spielerin des Turniers absahnte und mit fünf Treffern auch als Torschützenkönigin abschloss.

US-Team ein fairer Verlierer

Das US-Team präsentierte sich trotz der unglücklichen Niederlage als fairer Verlierer.

Während die Japanerinnen unter goldenem Konfettiregen und mit dem Pokal ihre Runden drehten, gingen die Spielerinnen von Trainerin Pia Sundhage die Fankurven ab, um sich für die Unterstützung zu bedanken.

"An dieses Finale wird man sich noch lange erinnern, beiden Teams gebührt Lob", sagte Sundhage später.

Den Grund für die Niederlage sah die Trainerin aus Schweden in der Abschlussschwäche ihres Teams: "Wenn man auf höchster Ebene im Finale spielt, muss man seine Chancen nutzen."

Da ihr Team im Vergleich zu den Viertel- und Halbfinalspielen richtig gut gespielt habe, sei sie über Silber enttäuscht. "Ich hoffe, dass ich mich in einigen Wochen darüber freuen kann", sagte die 51-Jährige.

Champagner statt Bier

Japans Trainer kündigte derweil nur kurze Feierlichkeiten an. Die frischgebackenen Weltmeisterinnen treten am kommenden Wochenende bereits wieder in der heimischen Liga an.

"Wir genehmigen uns ein Glas gutes deutsches Bier, doch am Montagmittag geht es schon zurück nach Japan", sagte der 53-Jährige.

Die Spielerinnen teilen die Vorliebe ihres Trainers für deutsche Braukunst offenbar nicht.

Als der Mannschaftsbus am frühen Morgen vom Stadiongelände fuhr, prosteten sich die Japanerinnen im Inneren mit Champagner-Gläsern zu.

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