In seiner SPORT1-Kolumne zieht Potsdams Meistercoach Bernd Schröder aus Japans Triumph Lehren für den deutschen Frauenfußball.

Hallo Fußball-Freunde,

nach einem dramatischen Spiel ist Japan zum ersten Mal in seiner Geschichte Weltmeister geworden. Mein Glückwunsch!

Die Amerikanerinnen haben das gezeigt, was unser Nationalteam gegen Japan umsetzen wollte. Sie sind aggressiv nach vorne gegangen, haben Japan stark unter Druck gesetzt.

Auch von der Athletik her war das eine sehr gute Vorstellung. Wenn die USA die Tore erzielen, ist rasch der Deckel drauf. Man muss auch ehrlich feststellen, dass bei Japans Erfolg viel Glück im Spiel war (Spielbericht).

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Doch natürlich ist Japan mit Blick auf das gesamte Turnier verdient Weltmeister geworden. Die Amerikanerinnen sind umgekehrt im Viertelfinale und Halbfinale auch mit etwas Glück weitergekommen.

Es freut mich übrigens riesig, dass wir nun in Potsdam in Yuki Nagasato eine weitere Weltmeisterin in unseren Reihen haben.

Ich weiß nicht, ob Japan nun über Jahre hinweg an der Spitze bleiben kann. Dafür benötigen die Asiatinnen die entsprechenden Spielerpersönlichkeiten. Homare Sawa ist ja bereits 32. Es kommt für Japan darauf an, was da nachwächst.

Was kann Deutschlands Frauenfußball aus dem Finale lernen?

Wir müssen jedenfalls nichts neu erfinden, sondern unser System und unsere Möglichkeiten besser ausschöpfen. Es muss eine Symbiose geben zwischen athletischem und technischem Fußball. Es gilt, unsere Möglichkeiten besser ausspielen.

Der DFB muss anerkennen, dass die Frauen-Bundesliga die Henne ist und das Nationalteam das Ei. Ohne vernünftige Henne legen wir auch keine vernünftigen Eier. Das ist die Aufgabe der Liga, nicht nur von Bundestrainer Silvia Neid.

Meine Bilanz der WM fällt positiv aus, zumal das Finale gezeigt hat, welche Qualität in der Spitze vorhanden ist. Natürlich gab es wie beim Männer-Fußball auch unterschiedlichste Spiele, doch das gehört dazu.

Ich fand es klasse, dass das deutsche Publikum die WM äußerst fair und mit Begeisterung begleitet hat. Das blieb auch so, nachdem die deutsche Elf bereits ausgeschieden war.

Nach der WM wird es nun keinen Boom in der Frauen-Bundesliga geben. Wir müssen den Sprung schaffen vom Feiertag WM zum Alltag Bundesliga. Und der Alltag darf nicht trist werden, dafür wollen wir mit ordentlichen Leistungen sorgen.

Die ersten drei Wochen sind wichtig, wenn der ein oder andere Zuschauer mehr kommen wird. Natürlich stehen auch die Spielerinnen im Fokus, die während der WM wie Yuki Nagasato und andere besonders aufgefallen sind.

Euer Bernd Schröder

(Spielbericht: Japan schreibt WM-Geschichte).

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