vergrößernverkleinern
Der DFB hat Bibiana Steinhaus zum fünften Mal zur "Schiedsrichterin des Jahres" gekürt © getty

Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus zeigt im WM-Finale eine souveräne Leistung. Für die 32-Jährige geht ein Traum in Erfüllung.

Von Daniel Michel

München - Die Japanerinnen warteten noch auf die WM-Pokal-Übergabe für ihren Final-Sieg im Elfmeterschießen gegen die USA (Bericht), da brandete beim Frankfurter Publikum bereits Applaus auf:

Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus und ihre Assistentinnen schritten auf Bundespräsident Christian Wulff, FIFA-Chef Joseph Blatter und OK-Chefin Steffi Jones zu, um sich für die souveräne Leitung des Finals ihre WM-Medaillen umhängen zu lassen.

"Mein absoluter Gänsehaut-Moment war die Übergabe der Medaillen auf der Bühne, als uns die tollen und fairen Fans im Frankfurter Stadion applaudiert haben", sagte Steinhaus und fügt an: "Ich bin gerade noch dabei, dieses einmalige Ereignis zu verarbeiten."

Die 32-jährige Polizei-Beamtin aus Hannover zeigte am Sonntag, warum sie die beste Schiedsrichterin der Welt ist. Dafür hatte Steinhaus in der Vorbereitung einiges auf sich genommen.

Hochzeit der Schwester verpasst

Sie stellte seit 2005 der FIFA mit Lauf- und Regeltests ihre WM-Tauglichkeit unter Beweis, verringerte im WM-Jahr ihre Arbeitszeit beim Innenministerium von Niedersachsen ? und ließ die Hochzeit ihrer Schwester sausen.

Als sich Steinhaus im Juni auf ins WM-Schiedsrichter-Camp (Steinhaus: Aushängeschild im WM-Einsatz) machte, hatte die 32-Jährige noch ein Grummeln im Bauch.

Die strengen FIFA-Vorgaben erlaubten ihr es nicht, bei der Hochzeit ihrer jüngeren Schwester Kim-Britt mitzufeiern, wie die "Hannoversche Allgemeine" berichtet hatte.

Vater Horst-Dieter, selbst ehemaliger Schiedsrichter, musste sie aufmuntern und gab ihr einen Ratschlag: Heiraten könne man öfter, "eine WM pfeifst du nur einmal."

"Bibiana-Fans" im Stadion

Einen Monat später nun, nach ihrer souveränen Vorstellung im WM-Finale, konnte Bibiana Steinhaus mit ihren insgeamt vier Assistentinnen strahlen.

Auch ihre Fans waren im Stadion unter den rund 49.000 Zuschauern auszumachen:

Auf schwarzen T-Shirts hatten sie sich die Aufschrift: "Bibiana-Fans" drucken lassen.

Ohne Verwarnung über 90 Minuten

Zwar lagen Steinhaus' Assistentinnen bei einer Abseitsentscheidung falsch, doch ansonsten verlief das WM-Finale nahezu reibungslos.

Durchgängig ließ Steinhaus mit ihren Assistentinnen Katrin Rafalski und Marina Wozniak das Spiel laufen und entschied selten auf Foulspiel.

Sie nahm alle Hektik aus der Partie und kam in der regulären Spielzeit ohne Verwarnungen aus - und das in einem WM-Finale.

Auch vor der Verlängerung blieb Steinhaus locker und unterhielt sich lächelnd mit US-Spielführerin Christie Rampone.

Ein falsches Abseits

Einzig in der 64. Minute entschied das Schiedsrichter-Trio falsch auf Abseits und stoppte den aussichtsreichen Angriff der Japanerin Shinubo Ohno.

Kurze Zeit später gingen die USA in Führung, doch den Japanerinnen gelang der Ausgleich.

Erst in der Verlängerung zückte Steinhaus einmal Gelb für die Japanerin Miyama. (423460DIASHOW: Die Fans der WM).

Rot für Japan

Kurz vor dem Schlusspfiff der Verlängerung stellte sie Japans Azusa Iwashimizu wegen einer Notbremse mit der Roten Karte vom Platz. (431410DIASHOW: Bilder des Spiels)

"Wir Schiedsrichter sind Sportler. Und natürlich ist es immer unser Ziel, in einem Turnier so weit wie möglich zu kommen", hatte Steinhaus vor der WM gesagt.

Sie drückte aber dem deutschen Nationalteam die Daumen, das Finale zu erreichen - was für sie das vorzeitige WM-Aus bedeutet hätte.

Doch die 0:1-Niederlage der DFB-Frauen im Viertelfinale gegen Japan machte den Weg frei, damit die FIFA für das Endspiel die beste Schiedsrichterin nominieren konnte.

Zwei Vorrundenspiele geleitet

Denn anders als einige ihrer Kolleginnen, die in den Vor- und Finalrunden teilweise katastrophale Entscheidungen getroffen hatten, zeigte Steinhaus bei ihren beiden Gruppenspielen, dass sie die nötige Abgeklärtheit für eine WM besitzt:

Klare Gestik, sichere Entscheidungen und unbeeindruckt von den großen Zuschauermassen, so war sie der Chef im Ring. Beim politisch brisanten Spiel zwischen den USA und Nordkorea (2:0) kam sie ohne Karten aus.

Bei der zweiten Partie zwischen Brasilien und Äquatorial-Guinea (3:0) teilte sie zwar fünf Gelbe Karten aus, dennoch überzeugte Steinhaus und empfahl sich für höhere Aufgaben - die Nominierung zum WM-Finale war der Lohn.

Traum geht in Erfüllung

"Das haben wir uns hart erarbeitet, aber ein bisschen Glück gehört natürlich auch dazu", kommentierte die ehemalige Jugend-Leistungs-Schwimmerin ihre Berufung.

Die Nominierung ist viel mehr als ein Trostpflaster für Steinhaus, der in der abgelaufenen Saison der Aufstieg in die Bundesliga verwehrt blieb.

"Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen", betonte Steinhaus und schob nach:

"Es war eine große Ehre, als deutsche Schiedsrichterin das Finale dieser fantastischen WM leiten zu dürfen."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel