Nichts ist mehr wie es mal war: Brasilien verschießt vier Elfmeter und Japan wird Weltmeister. Nur auf Deutschland ist Verlass.

"Die Welt ist aus den Fugen geraten", hat Angela Merkel kürzlich gesagt.

Und wie zum Beweis hat sich die Bundeskanzlerin an ihrem Geburtstag am Sonntag ein Frauen-Fußballspiel angeschaut, statt mit Josef Ackermann und Co. standesgemäß zu dinieren.

Allerdings war Merkel auch im nationalen Auftrag unterwegs, schließlich handelte es sich bei der Partie immerhin ums WM-Finale.

Doch statt über den quasi seit der Vergabe der Titelkämpfe feststehenden Weltmeister Deutschland zu jubeln, wurde am Ende ein einstiger Fußball-Zwerg gefeiert.

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Japan schlug mit seinem filigranen Fußball zunächst sensationell die DFB-Elf, dann Schweden und am Ende im Elfmeterschießen die USA. Ein bisschen glücklich, aber insgesamt trotzdem hoch verdient.

Dabei war ein Frauen-Weltmeister Japan vor kurzem noch so wahrscheinlich wie Brasilianer, die bei der Copa America vier Elfmeter hintereinander verschießen.

Oder in Borussia Dortmund ein Deutscher Meister, der nach einer Fast-Pleite mit vergleichsweise kleinem Budget und einer extrem jungen Mannschaft Bayern Münchens Star-Ensemble die lange Nase zeigt.

Die Fußball-Welt ist offenbar aus den Fugen, wie die Fachfrau Angela Merkel sicherlich kürzlich bemerkt haben dürfte.

Doch die alten Mächte rüsten zur Rückeroberung: Der FC Bayern hat sein Team mal eben mit ein paar Millionen runderneuert, Brasilien will bei der WM 2014 im eigenen Land wie Phönix vom Elfmeterpunkt wiederauferstehen.

Und für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft kann es nach der Pleite bei der Heim-WM eigentlich auch nur aufwärts gehen - falls sich Silvia Neid nicht weiter so kritikresistent zeigt wie einst Louis van Gaal.

Immerhin auf eins konnte man sich in diesen fugenlosen Zeiten verlassen: Deutschland präsentierte sich mit Steffi Jones an der Spitze erwartungsgemäß als nahezu perfekter Ausrichter.

Trotzdem wurde es kein Sommermärchen, was nicht nur an den enttäuschenden DFB-Frauen lag.

Auch der Wettergott spielte nicht mit und verdarb den weltweiten Eindruck von 2006, dass hierzulande immer die Sonne scheint. Sogar beim Finale regnete es.

Die WM-Organisatoren haben aber prompt reagiert und einfach das Dach der Frankfurter Arena geschlossen. Und alle Fugen haben dicht gehalten. Wenigstens ein kleiner Trost.

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