Bundestrainerin Silvia Neid glaubt nicht daran, dass die am Sonntag beginnde Heim-WM einen nachhaltigen Frauenfußball-Boom in Deutschland auslösen wird.

Nach Ansicht der 47-Jährigen können die Titelkämpfe kaum etwas zur Professionalisierung beitragen.

"Wie soll das gehen? Wie soll in den Vereinen plötzlich so viel Geld da sein? Es geht im Frauenfußball immer nur peu a peu", sagte Neid der "Süddeutschen Zeitung".

Nach Ansicht der Bundestrainerin könne man "nicht erwarten, dass wir jetzt mit einer WM die Entwicklung von 20 oder 50 Jahren überspringen".

Neid ist sich ohnehin nicht sicher, ob ein Vollprofitum in der Frauen-Bundesliga überhaupt erstrebenswert ist: "Weil die Frauen vielleicht sagen: Es ist uns eigentlich ganz recht so, wir wollen nicht nur Fußball spielen. Uns sind auch andere Dinge wichtig."

Zuletzt hatte Neid betont, dass die Klubs nach der Endrunde in der Pflicht stehen. "Ich wünsche mir auch, dass wir nach der WM mehr Fans hinzugewonnen haben, die auch die Spiele der Vereine besuchen. Die Klubs müssen dann etwas daraus machen", so Neid:

"Sie müssen die Zuschauer dazu bringen, immer wieder zu kommen. Man muss den Leuten auch neben dem Sport etwas bieten. Das muss das Ziel der Vereine sein."

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat ähnliche Erwartungen an die Klubs.

"Die Frauen-Bundesliga steht derzeit im Hinblick auf TV-Präsenz und Zuschauerzahlen zwischen der 3. und 4. Liga der Männer. Das realistische Ziel muss sein, dass man konstant auf Höhe der Dritten Liga kommt", sagte Zwanziger:

"Damit hängt auch die Teil-Professionalisierung der Spielerinnen zusammen. Denn dann können die talentierten Fußballerinnen während ihrer aktiven Zeit vom Fußball leben. Auf das schulische und berufliche Standbein werden die meisten Spielerinnen aber nie ganz verzichten können."

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