Die Wandlung von der Heldin zum Sündenbock vollzog sich für Sandra Sepulveda binnen Sekunden. "Der erste Gedanke, der mir nach dem Fehler durch den Kopf schoss, war: Jetzt ist ein großer Traum zerplatzt", sagte Kolumbiens WM-Torhüterin über die Szene, in der die 23-Jährige mit den schwarzen Locken ganz alt aussah.

Ein Weitschuss der US-Amerikanerin Carli Lloyd aus rund 25 Metern flog Sepulveda durch die Fäuste und zum Endstand von 0:3 (0:1) ins Netz.

Zuvor und vor allem in der ersten Halbzeit hatte die nur 1,65 Meter große Keeperin den übermächtigen Olympiasieger USA mit einem Dutzend Paraden fast zur Verzweiflung gebracht. Und die Südamerikanerinnen im Alleingang im Spiel gehalten.

Am Ende spielte Sepulveda die undankbare Rolle der tragischen Heldin, die ihren Lapsus von Hoffenheim in vielen Interviews erklären musste.

"Das ist eben das schwere Los der Torhüterinnen. Man kann lange Zeit überragend halten. Dann machst du einen einzigen Fehler und bist schuld am Debakel", sagte Kolumbiens Coach Ricardo Rozo und zeigte Mitgefühl mit der aufgeschlossenen jungen Frau vom Klub Formas Intimas Medellin.

Auch US-Trainerin Pia Sundhage warb um Verständnis für die bei der WM nicht immer sicheren Torhüterinnen.

"Der Frauenfußball hat sich enorm entwickelt, ist sehr schnell geworden. Es braucht gute Torwartrainer, damit sich auch die Schlussleute verbessern", sagte die Schwedin, die allen abenteuerlustigen Frauen einen Tipp gab. Sundhage:

"Wenn man als Frau eine Herausforderung sucht, dann muss man sich nur ins Fußballtor stellen." Sandra Sepulveda wird dieser Aussage sicher beipflichten.

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