Das früher elektrisierende Duell Magdeburg - Jena ist diesmal höchstens ein Problemgipfel. Bei Carl Zeiss geht es hin und her.

Bevor der staatlich geförderte BFC Dynamo - auch unter Mithilfe der Schiedsrichter - die alte Oberliga dominierte, elektrisierte ein Duell den Ostfußball.

Der 1. FC Magdeburg und der FC Carl Zeiss Jena standen nicht nur in der Fangunst ganz oben, sondern lieferten sich vor allem in den 70er und frühen 80er Jahren große Schlachten.

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Damals kam selbst das heute als Zuschauerkrösus des Ostens geltende Dynamo Dresden nicht an die Beliebtheit der auch im Europapokal erfolgreichen Konkurrenten heran. Das Image des "Polizeivereins" schreckte viele im Arbeiter- und Bauernstaat unterdrückte Menschen ab.

Magdeburg gegen Jena war das Äquivalent zu den Bundesligaschlagern FC Bayern gegen Mönchengladbach oder den HSV.

Schon vor dem Fall des Eisernen Vorhangs sank jedoch der Stern beider Klubs allmählich. Carl Zeiss hielt sich immerhin mit kleinen Unterbrechungen für einige Jahre im Profifußball - auch im DFB-Pokal gab es Highlights. Der FCM stürzte ab.

Am vergangenen Spieltag stand in der Regionalliga Nordost wieder einmal das mitteldeutsche Derby zwischen Anhaltinern und Thüringern auf dem Programm.

Beide wollten eigentlich um den Aufstieg mitspielen, stattdessen quälen sie sich bisher im unteren Mittelfeld herum. Vorn bestimmen der Berliner AK, Babelsberg oder Union Berlin II die Musik.

Die Probleme in Magdeburg wurden an dieser Stelle bereits beleuchtet, aber wenigstens kann der einzige Europacupsieger der DDR-Geschichte auf ein modernes Stadion bauen.

In Jena regiert dagegen nach nur fünf Spieltagen schon wieder das Chaos. Der ehemalige Profi-Trainer Petrick Sander musste nach vier Partien bereits seinen Hut nehmen, da er trotz fehlender Mittel keine Überfliegertruppe hervorzaubern konnte.

Dazu kommt das Stadionfiasko mit den inzwischen abgebauten Flutlichtmasten und dem bevorstehenden Umbau des vorsintflutlichen Ernst-Abbe-Sportfeldes.

Auf dem Platz sind die Probleme aber deutlich größer. Auch Interimscoach Marco Kämpfe kann dem qualitativ selbst für die Regionalligaspitze kaum ausreichenden Kader keine Linie geben.

Präsident Rainer Zipfel muss derzeit feststellen, dass das Paradies an den Kernbergen auch nicht mehr so anzieht wie früher.

Trotz vollmundig verkündeter 30 Trainerkandidaten holte er sich bisher nur Absagen. Selbst FCC-Legende Torsten Ziegner will Zwickau nicht für eine Wiedervereinigung verlassen.

Eine heiße Spur führt zu Ex-Trainer Rene van Eck, früherer Spieler des 1. FC Nürnberg, der unlängst mit Alemannia Aachen sportlich und zwangsweise aus der Dritten Liga abstieg. Ein Wunderheiler ist der Schweizer aber auch nicht.

Das Derby gewann im Übrigen Magdeburg mit 2:0 und schob sich damit auf Rang zehn und direkt hinter Jena - aktuell sind die Dauerrivalen nicht mehr als Randnotizen der Fußballwelt.

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