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Rot-Weiß Essen spielte insgesamt sieben Spielzeiten in der 1. Bundesliga. Das letzte Mal von 1973-77 © getty

Die Ansprüche bei Rot Weiss Essen sind groß- die Realität dagegen trist: Auch in dieser Saison kommt RWE nicht in Fahrt.

Von Andreas Reiners

München - Mit Krisen kennt man sich bei Rot Weiss Essen inzwischen bestens aus.

Der Klub aus dem Ruhrgebiet durchlebt mal wieder eine schwierige Zeit.

Die Ambitionen sind traditionell groß. So groß, dass der Verein seit Jahren nur selten mit den eigenen Ansprüchen mithalten kann. So auch in dieser Saison.

Vor dem Spiel gegen Wattenscheid 09 am heutigen Dienstag (19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) dümpelt RWE im Mittelfeld der Regionalliga West herum.

Auf der Suche nach Erfolgserlebnissen. Und der Rückkehr zur einstmals so erfolgreichen Vergangenheit. Fürs Erste würde aber auch die 3. Liga reichen.

Nur ein Sieg zählt

Doch daran arbeiten sie in Essen seit zwei Jahren relativ erfolglos.

"Auch gegen Wattenscheid sind wir in der Pflicht. Da zählt für uns nur ein Sieg. Wir durchleben zurzeit eine schwierige Situation, umso wichtiger sind jetzt Erfolgserlebnisse", sagte Trainer Waldemar Wrobel.

Die Aussage des Trainers kann man getrost als Blaupause für die vergangenen Jahrzehnte nehmen.

Noch frisch sind die Erinnerungen an die letzte Insolvenz 2010, als der Klub in die Niederungen der NRW-Liga (fünfte Spielklasse) runter musste.

Statt analog zum ehrgeizigen Fünf-Jahres-Plan unter dem früheren Trainer und Manager Thomas Strunz im Profifußball trat RWE nun gegen Klubs wie Rhynern, Speldorf oder Erkenschwick an.

Einer von zahlreichen sportlichen Tiefschlägen für den einst so stolzen Klub. Immerhin ging es umgehend wieder hoch. Doch seitdem? Stagnation auf unterem Niveau.

Rahn, Lippens, Rehhagel und Pelé

Dabei kann sich die Vergangenheit, wie bei vielen Traditionsvereinen in der Regionalliga, durchaus sehen lassen.

1953 gewann der Klub von 54er-Weltmeister Helmut Rahn, Willi "Ente" Lippens, Otto Rehhagel und Horst Hrubesch den DFB-Pokal und zwei Jahre später auch die Deutsche Meisterschaft. Fußball-Legende Pele ist seit 2005 Ehrenmitglied.

1994 standen die Essener noch einmal im DFB-Pokalfinale.

Es ist wohl Ironie des Schicksals, dass dem Klub noch vor der Niederlage gegen Werder Bremen (1:3) damals zum zweiten Mal nach 1991 die Lizenz entzogen wurde.

Insolvenz hin, Lizenzentzug her: Symbolisch für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft steht in Essen in erster Linie das Georg-Melches-Stadion. Eben weil es inzwischen nicht mehr steht.

"Hier erlebten die Zuschauer Triumphe und Tragödien, hier wurden Legenden geboren und Mythen geschaffen", bringen es die Sporthistoriker Uwe Wick und Georg Schrepper in ihrem Buch "An der Hafenstraße - RWE!" auf den Punkt.

In den 50er Jahren war es das modernste Stadion in Deutschland, mit der ersten Flutlichtanlage im Westen.

Das "deutsche Highbury" hieß es damals. Doch mit dem Plan, das Stadion zu modernisieren und dem parallelen Abriss der legendären Westkurve starb auch ein Stück RWE.

Neue Arena endlich fertig

Denn es passierte in den Jahren darauf nicht viel:

Von 1994 bis 2012 spielte Essen in einem unfertigen Dreiviertelstadion, einer Dauer-Baustelle, ehe nach etlichen Jahren voller Planungen und Possen nur wenige Meter weiter eine neue Arena für 20.600 Zuschauer entstand. Vier Tribünen inklusive.

Mit dem altehrwürdigen Georg-Melches-Stadion hat es allerdings nur noch die Adresse gemein.

Bitter für die zahlreichen Traditionalisten: Aus dem einstigen Schmuckstück wird ein Parkplatz. Der schwache Trost: Mit dem Abriss sollte auch gleichzeitig die sportliche Tristesse begraben werden.

Immer noch ambitioniert

Denn die Kapazität der neuen Arena zeigt: RWE ist immer noch ambitioniert.

Und die Vergangenheit zahlt sich hin und wieder auch heute noch aus: Nationalspieler Mesut Özil spülte jüngst zum zweiten Mal einen sechsstelligen Betrag in die klammen Klubkassen.

Für Özil, der von 2000 bis 2005 die Essener Jugendmannschaften durchlief, kassierte RWE durch den Wechsel 2010 von Werder Bremen zu Real Madrid fast 300.000 Euro.

Özils Flucht aus Madrid für 50 Millionen zum FC Arsenal Anfang September bringt dem Verein sogar 800.000 Euro Ausbildungsentschädigung.

Und endlich mal wieder positive Schlagzeilen.

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