Nach den antisemitischen Vorfällen im Regionalliga-Derby zwischen Eintracht Frankfurt II und Kickers Offenbach hat Rolf Hocke, Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV), harsche Kritik an den Offenbachern geübt.

"Als Amateurverein ist Offenbach in der Hinsicht unser größtes Problem, als dass es hier schon vermehrt zu Vorfällen kam, die im Vergleich zu anderen Amateurvereinen eine ganz andere Qualität aufweisen", sagte der 71-Jährige im Interview mit der "Bild"-Zeitung.

Im brisanten Nachbarschaftsduell waren aus dem OFC-Block antisemitische Parolen zu hören gewesen, nach dem Abpfiff hatte eine Gruppe von Randalierern den Platz gestürmt und versucht, die Frankfurter Spieler zu attackieren.

OFC-Präsident Frank Ruhl nannte die Vorkommnisse "eine einzige Katastrophe", gleichzeitig versuchte er die Vorfälle aber mit der sportlichen Situation seines Vereins zu erklären.

"Der Amateurbereich ist natürlich ein weites Feld. Der OFC gehört von der Fanbasis eigentlich in die 2. Liga", sagte Ruhl. Daher sei die Situation mit anderen Amateurvereinen schwer zu vergleichen. "Denn wenn ein Klub wie der OFC durchgereicht wird, steht er in einer unteren Liga vor ganz anderen Problemen."

Der Verein hatte umgehend reagiert und Stadionverbote verhängt, Ruhl sieht zudem (nicht näher definierte) Präventivmaßnahmen und ein besseres Vorgehen der Ordnungshüter am Spieltag als mögliche Lösungsvorschläge an. "Das war ja auch ein absolutes Hochsicherheitsspiel. Vielleicht hätte man da in den Blöcken auch mehr machen müssen", sagte er.

Hocke sieht diese oder eine ähnliche Herangehensweise unterdessen eher skeptisch. "Wenn bei einem Spiel, bei dem 1200 Zuschauer kommen, 400 Polizisten da sein müssen, da muss man dann schon mal die Frage nach der Verhältnismäßigkeit stellen", sagte er. Im Derby waren 600 Beamte im Einsatz.

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