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Jürgen Klopp wechselte 2008 vom FSV Mainz 05 zu Borussia Dortmund © getty

Im SPORT1-Interview macht BVB-Trainer Jürgen Klopp der Konkurrenz Angst. Sein Team habe die Leistungsgrenze noch nicht erreicht.

Von Martin Volkmar

München - Er ist entspannt und hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen.

Jürgen Klopp präsentierte sich am Sonntag im SPORT1-Doppelpass von seiner besten Seite.

Kein Wunder: Denn der BVB-Trainer hat gut lachen. Seine Borussia thront nach dem 0:0 gegen Schalke mit einem Vorsprung von zwölf Punkten auf den Zweiten Leverkusen an der Tabellenspitze (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Der Rathausbalkon für die Meisterfeier ist wohl schon gebucht. Noch dazu bekam Klopp im Doppelpass "Die SPORT1" überreicht (das Video).

Vom Prädikat "meisterlich" will Klopp aber auch im SPORT1-Interview nichts wissen.

SPORT1: Herr Klopp, der BVB wurde von den SPORT1-Usern zur Mannschaft des Jahres gewählt. Welche Bedeutung hat dieser Preis für Sie?

Jürgen Klopp: Das ist natürlich großartig. Wir haben letztes Jahr sehr konstante Leistungen gezeigt. Das stimmt. Und glücklicherweise haben wir in 2011 daran aknüpfen können. Die User hatten sicher gute Alternativen, aber sie haben sich für uns entschieden - das freut mich!

SPORT1: Wie groß wäre die Freude, am Ende auch auf ein erfolgreiches Jahr 2011 zurückblicken zu können?

Klopp: Ich hätte mit Sicherheit kein Problem damit, diesen SPORT1-Titel zu verteidigen. Das würde nämlich bedeuten, dass wir unsere guten Leistungen bestätigen konnten.

SPORT1: Haben Sie die Rolle des Topfavoriten auf den Meistertitel mittlerweile angenommen?

Klopp: Was die Meisterschaft betrifft, beschäftigen wir uns damit nicht. Im jeweiligen Spiel haben wir die Rolle schon angenommen. Wir wissen ganz genau, dass wir in die meisten Spiele als Favorit gehen. Wir werden nach den vielen Siegen, die uns zuletzt gelungen sind, anders wahrgenommen. Das haben wir uns allerdings alles hart erarbeitet und daher tragen wir dem auch Rechnung.

SPORT1: Zwölf Punkte Vorsprung auf den Zweiten Leverkusen sind die Folge. Ist die Konkurrenz so schlecht oder der BVB so gut?

Klopp: Wir sind schon ziemlich gut, unsere Konkurrenten aber mit Sicherheit nicht schlecht. Wir bekommen jede Woche zu spüren, wie eng es in dieser Liga zugeht. Hinter jedem Erfolg steckt eine Menge harte Arbeit.

[kaltura id="0_0iw9idlf" class="full_size" title=""Löw kann sich freuen""]

SPORT1: Wo ist die Borussia noch nicht "meisterlich"?

Klopp: Das Prädikat "meisterlich" ist unwichtig. Wir wollen so gut sein, wie irgendwie möglich. Das gelingt uns in vielen Phasen, aber noch nicht über 90 Minuten. Wir haben noch viel Spielraum nach oben - und den werden wir versuchen in den kommenden Spielen auszureizen.

SPORT1: Als Sie 2008 beim BVB begonnen haben, hatte der Verein keinen deutschen Nationalspieler in seinen Reihen. Nun stehen in Joachim Löws Kader gegen Italien gleich fünf Dortmunder Jungs. Was sagen sie dazu?

Klopp: Ich freue mich riesig. Die Nominierung ist eine große Auszeichnung für die Fünf. Ich hoffe, dass alle gesund bleiben.

SPORT1: Noch dazu findet das Spiel im Signal-Iduna-Park statt...

Klopp: Normalerweise habe ich immer extrem viel Stress, wenn ich bei uns im Stadion bin. Am Mittwoch kann ich mich endlich einmal zurücklehnen und ein Spiel in Ruhe genießen.

SPORT1: Es gibt einige Experten, die sagen, dass diese Nominierung für Spieler wie Sven Bender zu früh kommt. Sind Sie da ähnlicher Meinung?

Klopp: Nein, das sehe ich anders! Diese Jungs spielen eine herausragende Saison und haben sich das verdient. Jogi Löw kann sich freuen: Er bekommt klasse Spieler, die unglaublich leistungsbereit und hochtalentiert sind.

SPORT1: Mario Götze ist 18, Sven Bender 21. Überrascht Sie deren Entwicklung?

Klopp: Nein, sie zeigen jeden Tag im Training, wie gut sie sind. Die Entwicklung überrascht uns keineswegs. Wir stellen an jeden Spieler im Kader die gleichen Anforderungen - egal, wie alt er ist.

SPORT1: Würden Sie soweit gehen, Götze und Co. eine große Zukunft vorherzusagen?

Klopp: Im Fußball kann so viel passieren, deshalb kann man das nicht sagen. Aber es steht fest: Falls es mit einer großen Karriere nicht klappen sollte, hat es nicht an Einstellung und Potenzial gelegen.

SPORT1: Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Haben Sie Sorge, dass die Leistungsträger von der Konkurrenz weggekauft werden und Mannschaft in den nächsten Jahren auseinanderfällt?

Klopp: Sorge ist das falsche Wort. Diese Möglichkeit besteht natürlich immer. Aber damit würden wir uns beschäftigen, wenn es soweit wäre. Unsere Aufgabe ist es, den Verein so darzustellen, dass die Jungs nicht weg wollen. Und derzeit ist keiner meiner Spieler auf der Flucht.

SPORT1: Vor wenigen Wochen wurden Sie trotz Ihrer Vertragsverlängerung beim BVB als heißester Kandidat in Liverpool gehandelt, auch als Bundestrainer sind Sie immer wieder im Gespräch. Zuletzt hat sich Bayern-Präsident Uli Hoeneß auch in dieser Richtung geäußert. Wie gehen Sie damit um?

Klopp: Es ist ja besser, wenn die Leute das Gefühl haben, ich könnte solche Aufgaben stemmen als dass sie denken, ich wäre der letzte, der für so einen Job in Frage kommt. Aber letztlich beschäftigt mich das gar nicht. Liverpool hat sich übrigens nicht gemeldet, die Nationalmannschaft auch nicht. Es hätte auch keine Chance gegeben.

SPORT1: Wie stehen Sie grundsätzlich dem Modell von Manchester United oder Arsenal London gegenüber, über mehr als zehn Jahre mit einem Trainer zusammenzuarbeiten - können Sie sich so etwas in Dortmund auch vorstellen?

Klopp: Ja, ich kann mir das grundsätzlich vorstellen und halte auch viel davon, langfristig arbeiten zu können. Ich war siebeneinhalb Jahre Trainer in Mainz, das ist auch nicht so kurz. Sollte ich meinen Vertrag in Dortmund erfüllen dürfen, wären das dann auch sechs Jahre. Das wäre auch schon eine lange Zeit.

SPORT1: Tragen Sie nächstes Jahr in der Champions League Anzug oder den BVB-Trainingsdress?

Klopp: Erstens haben wir uns für die Champions League noch nicht qualifiziert, und zweitens habe ich dieses Jahr in der Europa League schon Anzug und Krawatte getragen. Also würde ich es in der Champions League sicher auch machen.

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