Frust-Therapie bei 35 Grad
Von Martin Hoffmann
München/Nikosia - 35 Grad, strahlender Sonnenschein, malerische Strände - wer in diesen Tagen auf Zypern weilt, hat es eigentlich ziemlich gut.
Dumm nur, dass der FC Schalke 04 keinen entspannten Sommerurlaub in der Hauptstadt Nikosia verbringt - sondern eine Dienstreise mit einer Menge Frust im Gepäck.
Frust über das Scheitern in der Champions League, Frust über den verschenkter Dreier im Revier-Derby mit Dortmund. Bei APOEL Nikosia soll nun in der ersten UEFA-Cup-Runde dieser Frust bewältigt werden (ab 17.30 Uhr LIVE).
Der Wunsch, die Negativerlebnisse schnellstmöglich abzuhaken, spiegelt sich in den Äußerungen der Schalker Spieler vor der Zypern-Abreise überdeutlich wider.
"Wenn wir den Pott holen ist alles gut"
"Es bringt nichts, der Champions League nachzutrauern", meinte etwa Mittelfeldspieler Ivan Rakitic: "Wir wollen jetzt in diesem Wettbewerb für Furore sorgen."
Ähnlich sah es Gerald Asamoah: "Wir haben es in Madrid mit dem Verpassen der Champions League selbst verbockt. Jetzt müssen wir es eben hinnehmen, im UEFA-Cup zu spielen, und alles daran setzen, so weit wie möglich zu kommen."
Asamoahs trotzige Hoffnung: "Wenn wir am Ende den Pott holen, ist es doch auch gut."
Müller tritt noch einmal nach
Im Moment ist beileibe noch nicht alles gut auf Schalke: Das kann man unter anderem daran ablesen, dass Manager Andreas Müller auch mit mehreren Tagen Abstand noch einmal gegen Derby-Schiedsrichter Lutz Wagner nachtritt.
"Wir haben in Dortmund 70 Minuten wunderbar gespielt. Die letzten 20 Minuten muss der Schiri erklären", mokiert Müller sich in der "Bild"-Zeitung: "Unterm Strich kann ich nur sagen: Es gibt in Deutschland sehr gute Optiker-Geschäfte."
Müller ärgert sich auch deshalb, weil Mladen Krstajic und Marcelo Bordon wegen ihrer schiedsrichterkritischen beziehungsweise -beleidigenden Äußerungen nach dem Spiel weitere Sperren drohen.
Der Manager hat dafür kein Verständnis: "Was in der Emotion im Hexenkessel auch immer gesagt worden ist - dafür kann und darf es keine Bestrafung geben."
Folgenschwere Disziplinmängel
Müllers Verständnis für die emotionalen Ausritte seiner Spieler überrascht, wenn man sich ansieht, wie sehr sich sein Team in dieser Spielzeit bereits selbst geschwächt hat.
Mit den Platzverweisen in Dortmund gegen Pander und Ernst kommt Schalke in den ersten fünf Saisonwochen bereits auf fünf Sperren, zudem entging "Giftzwerg" Rafinha nur mit viel Glück einer Roten Karte.
Eine alarmierende Bilanz für Coach Fred Rutten, der bei seinem Amtsantritt immer wieder sein Faible für Disziplin betont hat.
Kuranyis Einsatz fraglich
Die Folgen muss Schalke nun auch in Nikosia tragen: Gleich drei Spieler fehlen, weil sie sich in Madrid eine Sperre einhandelten - Rotsünder Christian Pander sowie die gelbgesperrten Fabian Ernst und Jermaine Jones.
Zudem ist der Einsatz von Kevin Kuranyi fraglich. Der Nationalspieler ließ das Abschlusstraining wegen Problemen mit dem Hüftbeuger aus.
Engelaar und Fährmann laufen auf
Sein Comeback wird dafür Neuzugang Orlando Engelaar geben, der nach seiner Knieverletzung am Samstag in der Regionalliga-Mannschaft 45 Minuten spielte: "Ich habe zwar noch leichte Schmerzen beim Schießen, aber ich bin fit genug zu spielen."
Im Tor feiert der 19-jährige Ralf Fährmann drei Tage nach seinem denkwürdigen Bundesliga-Debüt in Dortmund seine Europacup-Premiere.
Gruppenphase ist Pflicht
Müller ist wegen einer Schulterverletzung nicht mit nach Zypern gereist, aber seine Ansage ist klar: "Ich erwarte, dass die Mannschaft in die Gruppenphase einzieht."
Das ist allein schon aus wirtschaftlichen Gründen notwendig: Nachdem die Zusatzeinnahmen aus der Champions League, die Präsident Josef Schnusenberg auf mindestens 15 Millionen Euro bezifferte, verspielt sind, ist die zweite Runde Pflicht.
Denn die Einnahmen aus drei UEFA-Cup-Heimspielen - Vorrunde plus Gruppenphase - sind im Etat eingerechnet.
Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:
Nikosia: Morfis - Poursaitidis, Christou, Broerse, Haxhi - Kosowski, Michail, Morais, Pinto - Charalambidis - Zewlakow
Schalke: Fährmann - Rafinha, Höwedes, Bordon, Krstajic - Westermann, Engelaar, Kobiaschwili - Farfan, Kuranyi (Altintop), Rakitic