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U-20-Angreifer Richard Sukuta-Pasu (l.) wurde 2008 Europameister mit der deutschen U 19 © getty

Horst Hrubesch zieht den Hut vor seinen ausgeschiedenen U-20-Jungs und kritisiert gleichzeitig Vereine und die FIFA.

Kairo - Michael Ballack und Co. hüpften in Moskau gerade jubelnd über den Platz, da flossen bei den deutschen Talenten in Kairo bittere Tränen.

Vier Minuten nachdem die A-Nationalelf das Ticket für Südafrika gelöst hatte, war der Titeltraum der deutschen U20-Fußballer ausgeträumt.

Kapitän Florian Jungwirth weinte nach dem Krimi ohne Happy End bitterlich auf dem Rasen, und Torschütze Lewis Holtby kauerte wie ein Häufchen Elend neben der Ersatzbank.

Das deutsche Rumpfteam hatte bei der WM in Ägypten alle Erwartungen übertroffen, doch bis der Stolz überwiegt, wird es nach dem bitteren 1:2 (1:1, 0:0) nach Verlängerung im Viertelfinale gegen Brasilien noch einige Tage dauern.(Alle Infos zur U-20-WM im E-Paper von Sport1.de)

Erwartungen weit übertroffen

Trainer Horst Hrubesch behielt in der bitteren Stunde die Fassung. Er ging durch die Reihen, tätschelte den einen, tröstete den zweiten, umarmte einen dritten.

Am Sonntag versuchte der 55-Jährige, seine Spieler auf andere Gedanken zu bringen. "Wir sind rausgefahren und haben uns mal die Sphinx und die Pyramiden angeschaut", erzählte er in einem Interview:

"Die Jungs sollten wenigstens mal das siebte Weltwunder sehen, nachdem sie das achte leider nicht geschafft haben."

Hrubesch kristisiert FIFA

So richtig an den Titel glauben konnte man beim DFB-Team ohnehin nicht. "Die WM hat man mir ja schon im Vorfeld weggenommen", sagte Hrubesch immer noch wütend, nachdem ihm vor allem wegen verweigerter Abstellungen 29 Spieler gefehlt hatten:

"Da müssen sich einige fragen lassen, ob das so in Ordnung war." Diese Kritik zielt offenbar auf den Weltverband FIFA und die Vereine. "Das lasse ich mal im Raum stehen", sagte Hrubesch: "Wer sich den Schuh anziehen will, kann ihn sich anziehen."

"Unsere Vorbereitung war die Vorrunde"

Bis 66 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit gegen Brasilien schien das Halbfinale nach dem Tor des Schalkers Holtby (73.) aber greifbar. Dann traf Maicon nach Stellungsfehlern zweimal.

"Vielleicht haben am Ende einfach die Körner gefehlt", mutmaßte Hrubesch: "Wir hatten ja praktisch keine Zeit zum Vorbereiten. Unsere Vorbereitung war die Vorrunde."

Diese überstand die als Rumpfteam belächelte Auswahl als Gruppensieger souverän, im Achtelfinale kämpfte sie in Unterzahl Nigeria nieder (3:2). Nachdem das Aus besiegelt war, herrschte aber der Frust.

"Ganz klar, im Moment sind wir einfach nur enttäuscht", sagte der Coach: "Wir waren ganz dicht dran und hätten eigentlich den nächsten Schritt machen müssen."

Verschnaufpause für Hrubesch

Schon in wenigen Tagen wird der Stolz überwiegen.

"Wenn uns vorher einer gesagt hätte, dass wir so ein Turnier spielen, hätten wir es nicht für möglich gehalten", betonte Hrubesch, der nach drei Turnieren innerhalb von 14 Monaten mit den EM-Titeln mit der U19 und der U21 erst einmal durchschnaufen kann.

"Ich werde aber sicher in kein Loch fallen", sagte er.

Abreise mit erhobenem Haupt

Der Mannschaft stellte er vor der Abreise noch ein großes Lob aus. "Ich muss meinen Hut ziehen", sagte der Europameister von 1980:

"Wir können hier alle hoch erhobenen Hauptes abreisen. Die Jungs haben eine Riesen-Geschichte aus dieser WM gemacht, dazu kann man ihnen nur gratulieren."

Was das Team in Bestformation mit Akteuren wie Thomas Müller, Holger Badstuber (Bayern München) oder Toni Kroos (Bayer Leverkusen) hätte erreichen können, ist für Hrubesch klar.

"Wenn wir zu dieser Mentalität auch noch mehr individuelle Klasse gehabt hätten, dann hätten wir hier Weltmeister werden können", sagte er.

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