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Seit April 2006 wirkt Matthias Sammer als Sportdirektor für den DFB © getty

Matthias Sammer lobt "Vaterfigur" Horst Hrubesch und die U-20-Junioren in höchsten Tönen. Die Wut auf die FIFA bleibt groß.

München - DFB-Sportdirektor Matthias Sammer hat nach dem Viertelfinal-Aus der deutschen U20 ein Loblied auf Trainer Horst Hrubesch gesungen.

Die Wut auf den Weltverband FIFA ist aber nicht verraucht.

Es dürfe nach dem überraschend starken Auftritt des deutschen Rumpfteams nicht der Eindruck aufkommen, "das hat doch einigermaßen funktioniert, und alles verläuft im Sande", sagte Sammer im "kicker".

Und er ergänzt: "Es darf nie wieder passieren, dass ein Turnier ohne die besten Spieler stattfindet! Dafür trägt allein die FIFA die Verantwortung."

Großes Lob an die U20

Die FIFA hatte das Turnier mitten in die Saison gelegt, dem DFB-Team fehlten dadurch 29 Spieler, die meisten wegen verweigerter Abstellung der Vereine.

Dass die deutsche Elf trotzdem Gruppensieger wurde, im Achtelfinale Nigeria niederrang und dann erst nach Verlängerung an Brasilien scheiterte, beeindruckte Sammer.

"Ich muss Horst Hrubesch ein ganz großes Kompliment machen", sagte er. "Wie er unter diesen Umständen ein Team geformt hat, nötigt mir fast mehr Respekt ab als seine beiden Titelgewinne, als er ja alles zur Verfügung hatte."

Hrubesch hatte 2008 mit der U19 und vor wenigen Monaten mit der U21 jeweils die EM gewonnen.

"Er ist einfach ein Typ"

Im Interview mit der "Welt" lobte Sammer, der Europameister von 1980 sei "in gewisser Weise Vaterfigur, weil er immer wieder den Wechsel zwischen deutlicher Ansprache und Lob findet. So schafft er Orientierung für die jungen Spieler."

Er habe das Motto "Lebenslanges Lernen" verinnerlicht und lebe es täglich vor. Außerdem sei er ehrlich, authentisch und sehr erfolgsorientiert.

"Dadurch steht dir ein Mann gegenüber, der im Positiven wie im Negativen das Gespräch sucht. Dem man glaubt und vertraut. Er ist einfach ein Typ", sagte Sammer.

Weltspitze ist das Ziel

Auch die Spieler hätten sich "hervorragend präsentiert".

Aufgrund der zahlreichen fehlenden Jung-Stars sei es allerdings nie leichter gewesen, Weltmeister zu werden.

"Es kann nicht unser Anspruchsdenken sein, in einem Viertelfinale auszuscheiden", sagte Sammer. "Unser Ziel muss die Weltspitze, der Titel sein. Trotzdem hat sich unser Team auf Grund der aktuellen Voraussetzungen in Ägypten hervorragend präsentiert."

Abstellung fördert Erfahrung

Der Liga mache er keinen Vorwurf, sagte Sammer, merkte aber dennoch kritisch an:

"Die Klubs sollten sehen, dass diese Jungs bei guter Entwicklung noch 500 Bundesligaspiele und 100 Champions-League-Spiele machen werden. Ob sie aber noch einmal eine Weltmeisterschaft spielen werden, weiß man nicht."

"Von einem Kroos oder Badstuber dürfen deren Vereine nicht abhängig sein, das wäre ja schlimm", fügt Sammer hinzu.

Er denkt, dass eine Abstellung für ihre Erfahrung besser gewesen wäre, als die zwei bis drei Bundesligapartien, die die Spieler in dieser Zeit gemacht haben.

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