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Die Niederlande wurden 1974 und 1978 jeweils Vize-Weltmeister © getty

Kaum ist die Qualifikation geschafft redet das Oranje-Team offen vom ganz großen Wurf. England ist zuversichtlich, Portugal zittert.

München - Der sechste Sieg im sechsten Spiel und die damit verbundene vorzeitige Qualifikation für die WM ließ ganz Holland jubeln.

Nach dem 2:1-Erfolg auf Island haben die Niederländer das Ticket für Südafrika im Eilverfahren als erstes europäisches Team überhaupt gelöst. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Auch Japan, Australien und Südkorea machten die Reise zur Endrunde frühzeitig perfekt.

Während das Oranje-Team und Bondscoach Bert van Marwijk nun bereits vom ersten WM-Titel in der Geschichte des Landes träumen und auch England nach dem 4:0-Sieg in Kasachstan die Quartiersuche forcieren kann, muss Portugal gewaltig zittern

Der WM-Halbfinalist von 2006 zog zwar beim 2:1 in Albanien in letzter Sekunde den Kopf aus der Schlinge (Portugal wahrt Chance).

Dennoch haben die Portugiesen nach wie vor vier Zähler Rückstand auf den von Ungarn belegten Relegationsplatz und liegen gar sieben Punkte hinter Spitzenreiter Dänemark.

"Wir sind stolz"

Derartige Sorgen hat man in den Niederlanden nicht mehr, stattdessen wird von der "hohen Kunst der Fußballschule" geschwärmt.

"Wir sind stolz, dass wir uns als erste europäische Mannschaft qualifiziert haben. Unser Anspruch muss es nun sein, das Höchste zu erreichen. Wir sind ein Team und haben den Ehrgeiz, das zu schaffen", sagte der frühere Dortmunder Trainer van Marwijk.

Und weiter: "Jetzt haben wir viel Zeit, um uns auf die WM vorzubereiten. Wichtig ist, dass es uns gelingt, so ein Spiel auch gegen große Gegner aufzuziehen."

Ein großer Gegner war Island wahrlich nicht, ansehnlich war das Spiel der Elftal aber trotzdem.

Erste Hälfte "ein Genuss"

Die erste Halbzeit sei ein Genuss gewesen, meinte van Marwijk, sprach aber auch das übliche Manko an: "Nur die Chancenverwertung war schlecht. Es hätte 4:0 oder 5:0 stehen müssen."

So begann die Oranje-Mannschaft nach den Treffern von Ex-HSV-Mittelfeldspieler Nigel de Jong (8.) und van Bommel (16.) wieder zu zaubern und vergaß stattdessen, einen höheren Sieg herauszuschießen.

Kristjan Sigurdsson (88.) sorgte mit dem Anschlusstreffer gar für ein wenig Spannung.

Van Marwijk hat weiter hohe Ziele

Trotz der vorzeitigen Qualifikation werde man die letzten Spiele ernst nehmen.

"Unser nächstes Ziel ist es die Gruppe ohne Punktverlust abzuschließen. Deshalb wollen wir auch gegen Norwegen am Mittwoch gewinnen und schönen Fußball zeigen", sagte van Marwijk.

Die Augen sind aber schon auf Südafrika gerichtet, wo der Europameister von 1988 zum neunten Mal an einer WM teilnimmt.

"Um Weltmeister zu werden, muss man auch die Kleinen schlagen. Wir sind nicht der Topfavorit, aber diese Mannschaft muss eine wichtige Rolle spielen", äußerte Henk Kesler als Direktor des niederländischen Fußball-Verbandes KNVB.

England so gut wie durch

Derartige Ansprüche meldeten Japan, Australien und Südkorea (Drei Teams schon durch) nach der ebenfalls geglückten Qualifikation für die WM-Endrunde 2010 indes noch nicht an.

Die ersten vier von 31 WM-Plätze - Gastgeber Südafrika ist automatisch qualifiziert - sind damit vergeben.

Und auch das Fußball-Mutterland England ist nach dem Sieg in Kasachstan (England marschiert) angesichts von sieben Punkten Vorsprung auf die zweitplatzierten Kroaten so gut wie durch.

Sollte am Mittwoch noch ein Dreier gegen den Fußball-Zwerg Andorra folgen, dann sollte endgültig nichts mehr schiefgehen.

Das weiß auch Three-Lions-Coach Fabio Capello: "Ein Sieg wäre ein weiterer großer Schritt nach vorn. Dann hätten wir 21 Punkte ? das ist sehr viel."

Alves verhindert Blamage für Portugal

Weltfußballer Cristiano Ronaldo muss dagegen noch kräftig zittern, durch den 2:1-Sieg gegen Albanien in letzter Minute konnte Portugal aber immerhin noch nach dem letzten Strohhalm greifen.

Der Vize-Europameister von 2004 war in Albanien durch den Siegtreffer von Bruno Alves in der dritten Minute der Nachspielzeit knapp einer Blamage entgangen.

Den portugiesischen Führungstreffer hatte der Bremer Bundesligaprofi Hugo Almeida erzielt.

Schweden vor dem Aus

Für Schweden bleibt nach fünf Fußball-Großturnieren in Folge diesmal wohl nur die Zuschauerrolle.

Tre Kronor verlor in Solna gegen Dänemark 0:1 (0:1), hat damit zehn Punkte Rückstand auf den führenden Nordrivalen und liegt in der Tabelle der Gruppe 1 als Vierter sogar noch hinter Portugal.

Die traurige Bilanz des Teams von Trainer Lars Lagerbäck: Nur ein Sieg aus fünf Spielen und magere zwei erzielte Treffer.

Doppelte Freude in Italien

Siegreich war Weltmeister Italien beim 3:0 über Nordirland, wenngleich es für die Mannschaft von Trainer Marcello Lippi in der Partie nicht um Qualifikations-Punkte ging.

Lippi nutzte den Test in Pisa vor dem Confed-Cup in Südafrika, um sechs Spielern zum Debüt zu verhelfen.

Giuseppe Rossi, Pasquale Foggia und Sergio Pellissier trafen für die Squadra Azzurra. "Es war ein toller Abend", schwärmte der Weltmeister-Coach, der gleich doppelt Grund zur Freude hatte.

Der Grund: Irland kam mit Trainer Giovanni Trapattoni im Qualifikationsspiel in Bulgarien nur zu einem 1:1.

Italien blieb so mit einem Punkt Vorsprung vor Irland an der Tabellenspitze der Gruppe 8.. "Ein Pünktchen für beide war schon gut", sagte Lippi grinsend.

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