vergrößernverkleinern
Südafrika setzte sich bei der Vergabe der WM 2010 gegen Marokko und Ägypten durch © imago

Das Land der Gegensätze will seine große Chance nutzen. Die erste WM-Arena ist bereits eingeweiht. Doch Probleme macht die Sicherheit.

München/Johannesburg - Die Skepsis bleibt zwar, aber Südafrika sieht sich für die Herausforderung als Gastgeber der Weltmeisterschaft 2010 gerüstet und will die Chance nutzen.

Mit großem Stolz zelebrierte die Kap-Republik am Sonntag - knapp ein Jahr vor Beginn der WM (11. Juni 2010) - die Einweihung der ersten neuen WM-Arena, des Nelson Mandela Bay Stadions, in Port Elizabeth.

"Für uns ist die Eröffnung des ersten WM-Stadions ein enormer Fortschritt. Es demonstriert die Kraft von Südafrikas Bauindustrie und beweist unseren Willen, alles in die Tat umzusetzen", sagte der umtriebige WM-OK-Chef Danny Jordaan, der in den letzten Wochen und Monaten fast gebetsmühlenartig wiederholt hatte:

Sein Heimatland sei bereit für die erste WM-Endrunde auf dem schwarzen Kontinent.

Confed Cup als Generalprobe

Im Dezember sollen die zehn WM-Stadien fertig sein, sechs davon sind komplett neu, vier umgebaut.

Am kommenden Sonntag (14. Juni) beginnt der Confederations Cup als WM-Generalprobe in vier Städten (Johannesburg, Rustenburg, Mangaung/Bloemfontein und Tshwane/Pretoria).

Danach dürfte deutlicher werden, wie weit das Land am Kap der guten Hoffnung in Wirklichkeit ist.

Land der Gegensätze

Denn Südafrika bleibt ein Land der großen Gegensätze, gebeutelt von großer Armut, Gewalt und Kriminalität.

Gleichsam geliebt von vielen wegen seiner atemberaubenden Schönheit und der Gastfreundlichkeit seiner Menschen, die wiederum mit großer Vorfreude der WM im kommenden Jahr (11. Juni bis 11. Juli 2010) entgegenblicken.

Sicherheit als Problem

Das größte Problem dürfte weiterhin die Sicherheit sein. Nach wie vor werden am Kap etwa 50 Morde und 100 Vergewaltigungen gezählt - pro Tag wohlgemerkt.

Hinzu kommen unzählige Raubüberfälle, "Car Napping" gehört ebenfalls zum Alltag im einstigen Apartheid-Staat.

"Wir sind überzeugt von unserem Sicherheitsplan, sodass die WM ohne Zwischenfälle über die Bühne geht. Wenn beim Confed Cup nichts passiert, wird niemand ein Wort darüber verlieren, doch wenn etwas passiert, dann wird es kein Ende der Diskussion geben", sagte Jordaan, der um die Bedeutung des Konföderationen-Pokals als WM-Test weiß.

Zusätzliche Polizisten

FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke hatte unlängst erklärt: "Die FIFA kann Südafrika nicht in ein sicheres Land verwandeln. Aber wir garantieren, dass die Spiele sicher sein werden."

Immerhin werden eine halbe Million ausländische Besucher bei der WM erwartet. Für ihre Sicherheit sollen 41.000 zusätzliche Polizisten sorgen. Die südafrikanische Regierung investiert 101 Millionen Euro zusätzlich in die Bundespolizei SAPS.

Kein landesweites Eisenbahnnetz

Probleme könnte aber auch der Personennahverkehr bereiten. Ein funktionierendes landesweites Eisenbahnnetz wie in Europa gibt es nicht.

Ein Bus- und Taxensystem soll dafür sorgen, dass die Fans zu den Stadien und zurück kommen. Milliardensummen steckte das Land in das Transportwesen (inklusive Flughäfen), doch ob alles bei der WM funktionieren wird, weiß derzeit niemand.

"Anders als in Deutschland 2006 kann man noch nicht in dem Maße auf den öffentlichen Nahverkehr zurückgreifen und muss beim Transport viel mehr auf private Anbieter setzen", sagte DFB-Schatzmeister Horst R. Schmidt, der vom Weltverband FIFA als erfahrener WM-Macher als Berater engagiert wurde und vor Ort wertvolle Amtshilfe leistet.

WM-Karten begehrt

Begehrt sind im WM-Gastgeberland mittlerweile die WM-Tickets, während der Vorverkauf für den Confed Cup noch einige Wünsche offen lässt.

Die FIFA bemängelte sogar offen, dass zu wenig Werbung für beide Ergebnisse von den Organisatoren betrieben werde. Inzwischen ist das OK aber mit der Nachfrage nach WM-Karten höchst zufrieden.

Finale schon ausverkauft

So sind bereits in Südafrika die Einzeltickets für das Eröffnungsspiel, die Halbfinals und das Endspiel ausverkauft.

Insgesamt stehen für die 64 Spiele drei Millionen Eintrittskarten zur Verfügung. 480.000 Tickets werden für Fans aus Südafrika reserviert, 1,5 Millionen Karten gehen an Anhänger aus dem Ausland, eine Million Tickets sind für Sponsoren, FIFA-Mitglieder und Spieler bestimmt.

Verlust für FIFA

Die WM in Südafrika hat wirtschaftlich betrachtet auch Auswirkungen auf die FIFA.

Der Weltverband verbuchte zwar im Jahr 2008 noch 130 Millionen Euro Gewinn. Für das kommende Jahr rechnet die FIFA allerdings wegen der Kosten für die WM in Südafrika mit einem Verlust. Viele Einnahmen durch TV-Rechte-Verkäufe sind bereits in den vergangenen Jahren bilanziert worden.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel