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Ralf Loose spielte zwischen 1981 und 1994 für Dortmund und Düsseldorf, ehe er Trainer wurde © getty

Vorm Länderspiel: Der Ex-Coach von Liechtenstein analysiert bei Sport1 die Chancen des Mini-Verbands gegen Deutschland.

Von Mathias Frohnapfel

München - Er gehört zur Liechtensteiner Fußballgeschichte wie das erste offizielle Länderspiel 1982 gegen die Schweiz: Ralf Loose.

Denn der Deutsche, der von 1998 bis 2003 die Nationalelf trainierte, schaffte mit dem Mini-Staat (35.000 Einwohner) vor zehn Jahren den ersten Qualifikationssieg überhaupt (2:1 gegen Aserbaidschan).

Vor der WM 2006 glückte Liechtenstein in der Qualifikation sogar ein 2:2 gegen Portugal. Ralf Loose, zuletzt Trainer des FC Augsburg, lebt noch heute mit seiner Familie im Fürstentum. Mit Sport1.de sprach er über einen Liechtensteiner, dem er gegen Deutschland (ab 20.15 Uhr LIVE ) alles zutraut, und seine damalige Aufgabe als Fußball-Entwicklungshelfer.

Sport1: Herr Loose, schafft Liechtenstein gegen Deutschland die Sensation?

Ralf Loose: Ich glaube nicht. Die aktuelle Mannschaft ist nicht so stark wie vor drei, vier Jahren. Die Nachwuchsarbeit hinkt hinterher. Das war damals auch mit der Grund, dass ich hier weggegangen bin, weil es da Meinungsverschiedenheiten gab. Und es gibt mittlerweile immer vier, fünf Spieler im Nationalteam, die Amateure sind. Das war zwischendurch nicht so. Deshalb traue ich den Liechtensteiner allerhöchstens ein ordentliches Resultat zu, sprich 1:3, 1:4, aber keine Sensation.

Sport1: Wen müssen die Deutschen fürchten?

Loose: Angreifer Mario Frick behauptet sich seit acht Jahren in Italien, spielt aktuell bei Siena. Ihm ist natürlich alles zuzutrauen. Und Torwart Peter Jehle spielt immerhin in Frankreich beim FC Tours.

Sport1: Wie haben Sie Ihre Zeit damals in Liechtenstein erlebt?

Loose: Es hat mir gut gefallen, alle zogen an einem Strang und wir haben auch einiges bewegt. Immerhin haben wir 1998 gegen Aserbaidschan unser erstes Qualifikationsspiel gewonnen. Auch die Nachwuchsmannschaft hat sich 1998 für eine EM qualifiziert.

Sport1: Sie waren so eine Art Fußball-Entwicklungshelfer.

Loose: Wir haben damals die Nachwuchsarbeit total professionalisiert. Heute sind die Spieler aus dieser Nachwuchsschule alle in der Nationalelf. So ist auch zu erklären, dass die Ergebnisse stabiler geworden sind, wenngleich bei so einem kleinen Land die Grenzen gesteckt sind.

Sport1: Als Nationaltrainer Liechtensteins haben Sie zwangsläufig Niederlage an Niederlage gereiht. Sind Sie ein Mensch mit hoher Frusttoleranz?

Loose: Ich habe ja neben der A-Nationalmannschaft auch die U-18-Nationalelf in der Jugendbundesliga der Schweiz gecoacht. Da habe ich meinen Frust bewältigt.

Sport1: Wie sind die Trainingsbedingungen in Liechtenstein?

Loose: Die sind erstklassig. Ein normaler Zweit- oder Drittligist in Deutschland hat nicht so gute Bedingungen wie hier. Man profitiert auch davon, dass Vaduz in die Schweizer Super League aufgestiegen ist. Das ist ein Aushängeschild.

Sport1: Haben die kleinen Nationen überhaupt eine Chance, irgendwann den gewaltigen Abstand zu ihren großen Nachbarn zu verringern?

Loose: Für die Liechtensteiner ist es ja sogar noch schwieriger, gute Resultate zu erzielen. Sie liegen in der Mitte Europas, man ist leicht erreichbar. Das ist auf den Färöer anders oder auch auf Malta. Die kleinen Nationen kämpfen dafür, weiter in den Qualifikationsgruppen mitspielen zu dürfen. In fünf, zehn Jahren, glaube ich, werden sie Vorqualifikationen bestreiten müssen. Der Druck der Großvereine mit ihren Top-Spielern geht dahin, weniger Partien für die Nationalelf zu fordern.

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