vergrößernverkleinern
Berti Vogts: "Manchmal muss man sich fragen, ob die das ernst meinen" © imago

Der Nationalcoach von Aserbaidschan geht auf Konfrontationskurs mit dem Verband und brüskiert sich über unrealistische Forderungen.

Cardiff/München - Chefcoach Berti Vogts und der Fußball-Verband Aserbaidschans befinden sich auf Konfrontationskurs.

Nur fünf Monate nach seiner Vertragsunterschrift beim 138. der FIFA-Weltrangliste treten offen große Unterschiede in der sportlichen Beurteilung der Lage und der Erwartungshaltung zutage.

"Die wissen nur, wie ihre Liga spielt, aber kennen sich im internationalen Fußball gar nicht aus. Manchmal muss man sich fragen, ob die das ernst meinen", erklärte der 61-Jährige nach dem unglücklichen 0:1 (0:0) in Cardiff gegen Wales zum Auftakt in der deutschen WM-Qualifikationsgruppe 4 im "ARD"-Interview.

Abgang jederzeit möglich

Schließlich äußerte der Ex-Bundestrainer und Europameister-Coach von 1996 mit drohendem Unterton: "Ich kann jederzeit nach Hause fahren."

Vorausgegangen waren Forderungen von Verbandsseite, die auch von den Medien in Aserbaidschan aufgegriffen wurde, wonach Vogts mit der Nationalmannschaft das Ticket zur WM 2010 in Südafrika lösen müsse.

Dabei ist neben Vize-Europameister Deutschland auch der EM-Halbfinalist Russland Gegner der Aserbaidschaner in der WM-Quali. Am Mittwoch hat die Vogts-Truppe allerdings daheim in Baku gegen den ersten deutschen Gegner Liechtenstein die Chance, die ersten Punkte einzufahren.

Vertrag bis Dezember 2009

"Statt darauf zu hoffen, Deutschland und Russland zu schlagen und Gruppenerster zu werden, geht man besser Lotto spielen", hatte Vogts nach seiner Verpflichtung in einem Interview mit der "FAZ" erklärt.

Bis Dezember 2009 steht er beim Fußball-Entwicklungsland unter Vertrag.

"Ich soll meine Erfahrung einbringen, darin besteht die Herausforderung. Es geht in erster Linie um den Aufbau neuer Strukturen im gesamten Fußballbereich, was auch den Nachwuchs einschließt. Ich bin Fußballlehrer", erläuterte er sein Aufgabengebiet in Aserbaidschan.

Überraschung nur knapp verpasst

Am Samstag verpasste Vogts mit seiner Mannschaft nur knapp eine Überraschung im Millennium Stadium von Cardiff.

Erst in der 83. Minute kassierte das Vogts-Tream in Unterzahl durch den 18-jährigen Samuel Vokes das entscheidende 0:1.

Zuvor hat Aserbaidschans Torwart Kamran Arschajew in der 66. Minute sogar einen Elfmeter von Jason Koumas pariert. "Seine Leistung war Weltklasse", lobte Vogts, Weltmeister von 1974, in der "Bild am Sonntag" seinen erst 21 Jahre alten Schlussmann.

Vogts ärgert sich über "Witz-Karte"

Zusätzlich geschwächt wurde das Vogts-Team durch die Gelb-Rote Karte für Fabio Luis Ramim (68.) wegen wiederholten Foulspiels.

"Mein bester Spieler wurde mit einer Witz-Karte bestraft", wetterte der Chefcoach, der schon nach gut einer halben Stunde eine Schrecksekunde verdauen musste.

Sein Spieler Nodar Mammadow blieb regungslos am Boden liegen, dessen Mitspieler Javid Husejnow reagierte sofort und zog Mammadow die in den Hals gerutschte Zunge aus dem Rachen. Er verhinderte somit Schlimmeres. Nodar Mammadow konnte das Spiel fortsetzen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel