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Alexander Iashvili spielt im zweiten Jahr für den Karlsruher SC © getty

Der Kampf um Punkte auf dem Weg zur WM 2010 in Südafrika geriet zur Nebensache. In Mainz bestimmten andere Ereignisse die Szenerie.

Mainz - Als die Außenminister der Europäischen Union am Samstag eine Untersuchung der Kaukasus-Krise beschlossen, musste die georgische Nationalmannschaft die sportlichen Auswirkungen der kriegerischen Auseinandersetzung mit Russland bereits ausbaden.

"Anstatt vor 60.000 Zuschauern in Tiflis mussten wir hier antreten. Das war ein großer Nachteil", sagte der Karlsruher Bundesliga-Profi Alexander Iaschwili nach dem 1:2 (0:1) der Georgier beim Start in die WM-Qualifikation gegen Irland im Mainzer Exil.

Iaschwilis Ärger kam nicht von ungefähr. Rund 3000 irische Fans unter den 4500 Zuschauern im Bruchwegstadion verwandelten die als Heimspiel der Georgier angesetzte Begegnung der Qualifikationsgruppe 8, die aufgrund der unsicheren politischen Lage im Kaukasus an einem neutralen Ort ausgetragen werden musste, in eine Auswärtspartie.

Spiel gerät zur Nebensache

Der Kampf um Punkte auf dem Weg zur WM 2010 in Südafrika schien in Mainz allerdings ohnehin Nebensache. Die Ereignisse in Georgien bestimmten die Szenerie.

"Meine Eltern, mein Bruder, meine ganzen Verwandten und Freunde sind in Georgien. Ich telefoniere jeden Tag mit ihnen. Ich bin über alles informiert, was zu Hause passiert", erklärte Mittelfeldspieler Levan Kobiashvili von Bundesliga-Spitzenreiter Schalke 04, der die momentane Lage in der Heimat als Zeit zwischen Hoffen und Bangen beschreibt.

"Eine schwierige Zeit"

"Derzeit ist es ziemlich ruhig. Es ist nicht vergleichbar mit den Ereignissen vor zwei, drei Wochen. Das war eine schwierige Zeit. Die Leute leben jetzt wieder relativ normal, aber niemand weiß, wann wieder etwas passiert", meinte der 30-Jährige, der auch im Sinne der Nationalmannschaft auf eine stabile Lage in Georgien hofft: "Ich bin froh darüber, dass wir hier und nicht irgendwo anders gespielt haben. Deutschland ist meine zweite Heimat. Aber ich hoffe, dass wir die nächsten Heimspiele wieder in Tiflis austragen können - wenn nichts passiert."

Trotz der großen Sorge über die Entwicklung in der Heimat wollte Kobiashvili die Niederlage der Georgier, bei denen der argentinische Coach Hector Cuper im August die Nachfolge von Klaus Toppmöller angetreten hat, gegen die irische Auswahl des italienischen Star-Trainers Giovanni Trapattoni nicht auf die Kaukasus-Krise schieben.

Trapattoni sorgt für Gelächter

"Wir hatten genug Zeit, um uns auf das Spiel zu konzentrieren. Die Situation in unserem Land hatte keine direkten Auswirkungen auf das Spiel", sagte der Schalker, dessen 17 Jahre alter Klubkollege Levan Kenia in der Nachspielzeit (90.+2) den Treffer der Georgier erzielte.

Zuvor hatten Kevin Doyle (13.) und Glenn Whelan (70.) das Trapattoni-Team in Führung gebracht. Auf eine Spielanalyse des früheren Münchner und Stuttgarter Trainers mussten die zahlreichen irischen Journalisten allerdings verzichten.

Trapattoni redete zwar viel, doch sein Kauderwelsch aus Englisch, Italienisch und Deutsch verstand am Ende niemand. Der Vortrag des Maestros hatte zwar einen gewissen Unterhaltungswert, sorgte aber vor allem für Gelächter und Kopfschütteln unter den Zuhörern.

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