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Raymond Domenech beerbte 2004 Jacques Santini als Frankreich-Coach © imago

Nach der Pleite gegen Österreich droht Frankreichs Coach das Aus. Gegen Serbien kann ihn wohl nur ein Sieg vor der Kündigung retten.

Paris/Berlin - Nach dem peinlichen Auftakt in der WM-Qualifikation droht der Grande Nation eine französische Revolution gegen Nationaltrainer Raymond Domenech.

Eine weitere Niederlage im zweiten Gruppenspiel des Vize-Weltmeisters am Mittwoch gegen Serbien im Stade de France von St. Denis, und die Tage des 56-Jährigen als Selectionneur dürften gezählt sein.

Während Domenech von Spielern und Funktionären halbherzig in Schutz genommen wird, wetzen die französischen Medien im Vorfeld schon einmal die Messer.

"Für Domenech heißt es jetzt: ein Sieg oder die Tür", titelte "Le Parisien".

Front hinter den Kulissen

Durch das 1:3 zum Qualifikationsstart am Samstag in Österreich hat der frühere Nationalverteidiger auch den letzten Kredit verspielt, der ihm nach dem EM-Debakel mit dem Vorrunden-K.o. noch geblieben war.

"Es muss sich etwas ändern - aber schnell!", forderte die L'Equipe und lästerte: "Domenech hat den Faden verloren. Es scheint, als wäre er am Ende seines Weges angekommen."

Ein offizielles Ultimatum gibt es vom französischen Verband selbstredend nicht, doch hinter den Kulissen soll sich bereits eine Front gegen Domenech gebildet haben.

Deschamps als Alternative

Als mögliche Alternativen werden der frühere Welt- und Europameister Didier Deschamps und Assistenz-Trainer Alain Boghossian gehandelt.

Frankreichs Idol Zinedine Zidane hatte bereits nach der EM für seinen Kumpel Deschamps plädiert. Nach dem Fehlstart hielt sich der dreimalige Weltfußballer jedoch mit Kritik an Domenech zurück: "Sie haben das erste Spiel verloren. Jetzt sollte man sie in Ruhe arbeiten lassen."

"Nicht mehr in der Epoche der Guillotine"

Auch Verbands-Präsident Jean-Pierre Escalettes wehrt sich gegen die Spekulationen, obwohl Frankreich erstmals seit 1964 drei Pflichtspiele in Folge verloren hat: "Wir befinden uns nicht mehr in der Epoche der Guillotine."

Sein Vize Noell le Graet kritisierte: "Einige Beobachter kommen nur, um den Kopf von Domenech rollen zu sehen statt den Fußball."

Dass beide es versäumten, Domenech mit einem klaren Treuebekenntnis aus der Schusslinie zu bringen, spricht jedoch Bände.

Verjüngungskur ohne Effekt

Domenech, der seit Sommer 2004 im Amt ist und stets kritisch beäugt wurde, will den Wirbel um seine Person vergessen und den Fokus auf die Begegnung gegen Serbien richten.

"In das Spiel müssen wir mit Leidenschaft und Entschlossheit gehen, um wieder auf Qualifikationskurs zu kommen", meinte der Lyoner.

Gegen Österreich schickte der Coach zwar wie von vielen gefordert eine im Vergleich zur EM verjüngte Elf auf den Platz, doch spielerische Fortschritte waren ohne den Rekonvaleszenten Franck Ribery von Bayern München nicht zu erkennen.

"Alle Spieler vertrauen ihm"

Niemand habe behauptet, dass es einfach werden würde, erklärte Domenech: "Vor allem ich nicht."

Rückendeckung erhielt der Trainer von einem Großteil der Mannschaft. "Ich denke nicht, dass sein Job auf dem Spiel steht. Wir Spieler und der Trainer verfolgen das gleiche Ziel", sagte Torhüter Steve Mandanda.

Der in Wien indisponierte Verteidiger Philippe Mexes nahm die Niederlage auf seine Kappe: "Was geschehen ist, war mehr mein Fehler als der des Trainer. Alle Spieler vertrauen ihm."

Das darf jedoch bezweifelt werden. So wurde Florent Malouda von Domenech auf die Tribüne verbannt, weil der Teamkollege von Michael Ballack beim FC Chelsea sich in einem Interview öffentlich über seine Rolle bei der EM beschwert hatte.

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